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München - Geschäftsführer Christian Seifert nennt den Stand der Dinge für einen Neustart der Bundesliga. Anschließend bezieht er auch im SPORT1-Interview Stellung.

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Die mit Spannung erwartete Videokonferenz des DFL-Präsidiums mit den Vertretern der 36 Profiklubs ist vorbei.

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hat auf einer Pressekonferenz nähere Informationen zum Verlauf und den Beschlüssen des virtuellen Meetings mitgeteilt. Dabei kam unter anderem heraus, dass es weiterhin keinen genauen Starttermin für eine mögliche Fortsetzung der Bundesliga-Saison gibt.

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Anschließend stellte sich Seifert im Interview mit SPORT1 noch den Fragen von Chefredakteur Pit Gottschalk.

SPORT1 hat die Aussagen aus dem Interview sowie der Pressekonferenz zum Nachlesen.

+++ "... dann wird es die Bundesliga so nicht mehr geben" +++

Seifert bei SPORT1: "Ich habe natürlich auch zur Kenntnis genommen, dass sich einige Fan-Szenen zu Wort gemeldet haben und Spiele ohne Zuschauer nicht unterstützen und stattfinden sollen. Dann findet die Bundesliga aber in den nächsten Monaten nicht statt - mit allen Konsequenzen, die das hat. Es ist nicht möglich, solche Fehlentwicklungen so kurzfristig zu korrigieren. Die gab es, darüber kann man nicht streiten. Dass einige Klubs bereits nach zwei Monaten in schwierige finanzielle Gewässer kommen - da muss man in Zukunft einiges korrigieren. Aber wenn man Geisterspiele unter diesen Rahmenbedingungen generell ablehnt, wird es die Bundesliga in absehbarer Zeit so nicht mehr geben."

+++ Spiel-Verweigerung? "Muss jeder für sich entscheiden" +++

Seifert bei SPORT1, ob Spieler sich weigern könnten: "Diese Entscheidung kann jeder Arbeitnehmer treffen - und man kann niemanden zu etwas zwingen. Am Ende ist es eine Entscheidung, die Millionen von Arbeitnehmer demnächst treffen werden müssen, die ebenfalls unter gewissen Vorkehrungen an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Deshalb hat Gesundheitsminister Jens Spahn zu Recht betont, dass es erst einmal um Eigenverantwortung geht. Wer den Virus nicht hat, kann ihn nicht weitertragen. Daher geht es darum, den Virus nicht zu bekommen. Millionen von Menschen gelingt das gut, dies sollte auch Profi-Fußballern, Trainern und Mitarbeitern gelingen. Insofern muss es jeder für sich entscheiden. Aber auch hier gilt - wir müssen respektieren, dass der Fußball besonders ist. Man kann auf dem Spielfeld nicht voneinander entfernt bleiben. Gleichwohl gibt es Erkenntnisse, dass die Ansteckungsgefahr geringer ist als man auf dem ersten Blick glaubt. Und sie ist noch geringer, wenn sie keiner hat. Und darauf müssen wir hinarbeiten."

+++ Seifert: Ausgewogenes Maß finden" +++

Seifert bei SPORT1: "Es wird darum gehen, ein ausgewogenes Maß zu finden, zwischen dem, was das Virus im Kopf auslöst und dem, welches Alltagsrisiko es wirklich für jeden Einzelnen bedeutet."

+++ Lockerungen zu forsch? +++

Seifert bei SPORT1 über die von Bundeskanzlerin Angela Merkel allgemein geäußerten Bedenken, dass manche Lockerung zu forsch sei: "Wenn die Bundeskanzlerin einen kritischen Blick auf mögliche Lockerungen wirft, kann ich das nachvollziehen. Wir sind sicher gut geraten, mit einer gewissen Vorsicht zu agieren. In unserem Fall sprechen wir aber nicht von einer gesellschaftlichen Lockerung. Wir sprechen von einem sehr individuellen Industrie-Zweig. Ich fühle mich daher nicht davon angesprochen."

+++ Das ist für den Re-Start der Bundesliga nötig +++

Seifert bei SPORT1: "Die Einigkeit speist sich aus der Überzeugung, dass es so ein solches Konzept braucht, wenn es mit dem Spielbetrieb weitergehen soll. Es geht nur mit einem sehr ausdifferenzierten medizinischem Konzept in Verbindung mit einem sehr umfassenden Organisationskonzept. Die Politik hat es in der Hand, den Spielbetrieb wieder freizugeben. Sie muss sich darauf verlassen können, dass wir uns dann an ganz strikte Regeln halten."

+++ Seifert: Spielabbruch bei Zuschaueransammlung +++

Seifert spricht über den angeblichen Plan von Ultra-Gruppierungen einen möglichen Re-Start zu torpedieren: "Wie immer im Fan-Dialog, muss dieser erst einmal vor Ort stattfinden. Es liegt an den Klubs vor Ort, für Überzeugung zu werben. Ich hoffe, es gelingt den Klubs vor Ort mit ihren Fan-Szenen zu sprechen. Es darf natürlich keine Zuschaueransammlung vor den Stadien geben. Wer das bewusst in Kauf nimmt, nimmt in Kauf, dass das Spiel nicht stattfindet. Wenn wir im Spielbetrieb sein sollten, muss man besprechen, ob das wie ein abgebrochenes Spiel mit 2:0 für den Gegner zu werten ist." 

+++ Beschwerden aus anderen Sportarten +++

Seifert: "Wir müssen natürlich kritische Kommentare zur Kenntnis nehmen, die teilweise in einem sehr emotionalen Kontext stattfinden. Ich kann diese emotional nachvollziehen. Mich würde ein wenig Augenmaß bei der Bewertung freuen. Klagen aus anderen Sportarten kann ich nicht abschätzen. Wenn 200 Menschen im Stadion sind, wo 70.000 Menschen normal sind, ist es einfach Abstand zu halten. Jede Liga oder jedes Unternehmen ist gefordert, ein individuelles Konzept vorzulegen, so wie wir es gemacht haben. Ob und wie umfangreich andere Ligen dies gemacht haben, kann ich nicht beantworten."

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+++ Seifert über Auswirkungen auf nächste Saison +++

"Wir machen uns aktuelle keine Gedanken darüber, wann die nächste Saison starten könnte und wie die dann aussieht. Wir versuchen aktuell nur die jetzige Saison zu Ende zu bringen." Geisterspiele sind laut Seifert auch zu Beginn der nächsten Saison gut möglich.

+++ Termin-Kollisionen mit der UEFA? +++

Seifert: Mit welchem Spieltag weitergemacht wird, ist noch nicht entschieden. Das liegt in der Hoheit der DFL. Was den DFB-Pokal angeht, müssen sie mit dem DFB besprechen. Bei Europa League und Champions League gibt es Überlegungen bei der UEFA, diese komplett im August stattfinden zu lassen. Daher gibt es Stand jetzt keine Termin-Kollisionen mit internationalen Wettbewerben."

+++ Seifert über Saisonende im Juli +++

"Die Saison sollte am 30. Juni beendet sein. Es wäre der beste Termin bezogen auf die Arbeitsverträge mit den Spielern. Wenn es bis in den Juli reinreichen sollte, wäre das auch abbildbar und ist mit den Medienpartner so abgesprochen. Je früher wir fertig sind, um größer die Klarheit für alle Beteiligten. Natürlich auch für die UEFA, damit die versuchen kann, ihre Wettbewerbe zu beenden."

+++ Seifert über mögliche Spielabsagen +++

Seifert über mögliche Spielabsagen bei Gruppen-Quarantäne: "Sollte der Fall eintreten, haben wir im Spielplan Kapazitäten, Spiele nachzuholen. Bei gehäuften Fällen würde dies aber sicher irgendwann zu Terminschwierigkeiten führen."

+++ Seifert über Start des Mannschaftstrainings +++

"Die Konzepte sehen keinen Trainingsstart vor. In der Liga gibt es sicherlich Aussagen, dass man zwei Wochen Mannschaftstraining braucht. Ob das letztlich zehn Tage oder drei Wochen sind, kann ich ihnen nicht sagen. Der sportliche Bereich ist da auch gefordert, eine gewisse Flexibilität an den Tag zu legen. Klar ist manches Zeitfenster zu kurz. Aber der 27. April als fester Trainingsstart-Termin ist nicht im Konzept vorgesehen."

+++ Alle positiv getesteten Spieler wieder gesund +++

Seifert: "Von den 1100 Lizenzspielern waren 14 infiziert. Diese sind alle mittlerweile genesen."

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+++ Meyer: So viele Tests sind nötig +++

"Bei 36 Vereinen müssen pro Verein circa 40 Personen getestet werden. Nehmen wir eine Dauer von zehn Wochen, sind das bei einem Test pro Woche circa 14.000 Tests. Durch die englischen Wochen muss man mehrfach pro Woche testen, weshalb eine Anzahl von circa 20.000 Test sicher realistisch ist."

+++ Gruppen-Quarantäne denkbar? +++

Gärtner: "Bei einem positiven Testergebnis wird das an das Gesundheitsamt gemeldet. Dieses entscheidet dann, ob eine Quarantäne nötig ist. Das entscheiden nicht die Vereine direkt."

Meyer ergänzend: "Durch das Bündel der Maßnahmen müssen die Spieler und Betreuer unserer Meinung nicht als Hochrisiko-Kontaktpersonen eingestuft werden - und damit muss nicht sofort die ganze Mannschaft in Quarantäne geschickt werden. Wäre das der Fall, wäre das dann ja mit einem Saisonabbruch gleichzusetzen."

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+++ Seifert über möglichen Starttermin +++

Seifert betont erneut, dass kein Starttermin festgelegt wurde: "Wir haben heute keinen Zeitpunkt definiert, das liegt nicht in unserer Kompetenz. Wir haben nur in der Hand die Rahmenbedingungen zu schaffen. Der Spielbetrieb ist bis 30. April ausgesetzt. Wir haben mehrere Spielplan-Optionen, ein Start am ersten Mai-Wochenende ist sicher nicht realistisch. Wenn das Signal kommen würde, es ist der 9. Mai, dann werden wir bereit sein. Wenn wir wieder spielen dürfen, liegt das nicht daran, dass die Bundesliga so großartig ist - sondern daran, dass wir in einem Land leben, indem dies überhaupt möglicht ist. Ein Datum festzulegen wäre aber anmaßend und gehört sich auch nicht."

+++ Hygiene-Beauftragte für Teams +++

Professor Gärtner: "Es wird Hygiene-Beauftragte bei den Teams geben, die die Abstandsregeln etc. kontrollieren. "Es wird Hygiene-Beauftragte bei den Teams geben, deren Hauptaufgabe es ist, dass alle Regeln eingehalten werden. Wenn Menschen einem gut bekannt sind, geht oft das Gefühl verloren, wie viel Abstand eigentlich nötig ist. Dafür braucht es die Hygiene-Beauftragte."

+++ Meyer: Regelmäßige Tests geplant +++

"Es sollen regelmäßige Tests durchgeführt werden. Das sind die klassischen Abstriche sowie begleitend die Antikörper-Testung. Dadurch können für die Bevölkerung sowie für andere Sportarten Erkenntnisse gewonnen werden."

+++ Seifert: Solidaritätsfond für 3. Liga und Frauen-Bundesliga +++

Es wird einen Solidaritätsfond über 7,5 Millionen Euro durch die vier Champions-League-Teilnehmer geben, den die Klubs der 3. Liga und Frauen-Bundesliga erhalten. Seifert: "Einige Klubs haben den Verzicht auf ihren rechnerischen Anteil erklärt. In der 3. Liga ist das der FC Bayern, in der Frauen-Bundesliga der FC Bayern, VfL Wolfsburg, TSG Hoffenheim, SC Freiburg, 1. FC Köln, Bayer Leverkusen."

+++ Seifert: Profi-Fußball braucht nicht viele Tests +++

Seifert über Covid-19-Tests bei Spielern: "Laut Lagebericht der Robert Koch-Institut liegt das Volumen der Test-Kapazitäten bei 818.000 pro Woche. Der Profi-Fußball würde nicht einmal 0,4 Prozent davon in Anspruch nehmen." Seifert betont auch, dass der Profi-Fußball sofort zurückstehen wird, falls sich die Lage wieder verschlechtert und Test-Kapazitäten zum Engpass werden."

+++ Seifert: Bedingungen für Geisterspiele +++

Seifert nennt Rahmenbedingungen für Geisterspiele: "In der Bundesliga 98 Personen im Stadion-Innenraum, weitere 115 im Tribünen-Bereich, also maximal 213 Personen im Stadion. Im Stadion-Außengelände dürfen maximal weitere 109 Personen anwesend sein. In der 2. Bundesliga sind es insgesamt 188, da für das TV-Signal weniger Personal benötigt wird."

+++ Seifert: Liquidität aller Klubs gewährleistet +++

Seifert: "Mit allen Medienpartnern bis auf einem wurden Einigungen getroffen. Es wurden Vereinbarungen getroffen, sollte die Saison abgebrochen werden müssen. Damit ist die Liquidität aller 36 Profiklubs gewährleistet." Weiter bedankt sich Seifert ausdrücklich bei allen Partnern: "Bis auf eine Aufnahme haben alle an eine Lösung in dieser extrem schwierigen Situation mitgewirkt."

+++ Seifert: Geisterspiele das einzig Machbare +++

Seifert: "Spiele ohne Zuschauer sind nicht das, was wir wollen, erscheinen jedoch das einzig Machbare. Wir versuchen durch gewisse Maßnahmen ein bestmögliches Maß an Sicherheitsvorkehrungen zu treffen." Seifert räumt aber auch ein, dass auf dem Platz ein Mindestabstand natürlich nicht einzuhalten ist.

+++ Seifert: Politiker müssen entscheiden +++

Seifert erklärt vorab, dass es noch keinen fixen Zeitpunkt für den Start der Bundesliga und 2. Bundesliga gibt: "Es ist allein entscheidend, was die politischen Verantwortlichen entschließen. Deshalb liegt es nicht an uns, einen Starttermin zu finden. Die Bundesliga ist bereit - egal, ob es am 9. Mai oder zu einem späteren Zeitpunkt wieder weitergehen kann."

+++ Die Teilnehmer neben Seifert +++

Noch lässt der Beginn der Pressekonferenz etwas auf sich warten - zumindest die Teilnehmer neben Seifert stehen aber bereits fest. Das sind die beiden Mitglieder der "Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb" Prof. Dr. med. Tim Meyer und Prof. Dr. med. Barbara Gärtner, die virtuell zugeschalten ist. Mit Christian Pfennig ist zudem noch ein Mitglied der DFL-Geschäftsleitung anwesend.

+++ Pressekonferenz beginnt in Kürze +++

Die Videokonferenz ist offenbar beendet. In Kürze soll die Pressekonferenz mit Seifert beginnen.

+++ Nur eine Vorentscheidung +++

Die Maßnahmen der DFL können nur eine Richtung vorgeben, wann der Fußball in Deutschland wieder rollt. Mit einer endgültigen Entscheidung aber ist erst am 30. April zu rechnen, wenn sich Bundeskanzlerin Angela Merkel wieder mit den Länder-Chefs bespricht.

+++ Streitthema Tests +++

Während viele Politiker das Sicherheits- und Hygienekonzept der DFL ausdrücklich loben, kommen Einwände vom Robert-Koch-Institut. Dort spricht man sich gegen eine massenhafte Testung von gesunden Menschen aus. Die DFL hält mit Verweis auf die Kapazitäten in den "Akkreditierten Laboren in der Medizin" (ALM) dagegen. "Nach jüngsten Erhebungen stehen dort derzeit 640.000 Tests pro Woche zur Verfügung", heißt es. Das derzeit diskutierte Konzept der DFL erfordere weniger als 0,5 Prozent der aktuellen Testkapazität.

+++ Geteilte Meinungen aus der Politik +++

Einige Minsterpräsidenten - zuletzt Volker Bouffier aus Hessen - haben sich für den Plan der Bundesliga ausgesprochen, Anfang Mai die Saison mit Geisterspielen fortzusetzen. Doch es gibt auch skeptische Stimmen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält explizit nichts von einem Start im Mai. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich zwar noch nicht direkt geäußert, mahnte aber in ihrer heutigen Regierungserklärtung vor zu schnellen Lockerungen.