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München - Ein möglicher Neustart der Bundesliga im Mai löst weitere Debatten aus. Am Donnerstag tagt die DFL - entscheidende Hürden bleiben auch danach noch zu überwinden.

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Es sind unsichere Zeiten für die Bundesliga und ihre Klubs. Am Donnerstag will die DFL bei der nächsten außerordentlichen Mitgliederversammlung wieder einen Schritt weiterkommen, um gegen die Unsicherheit vorzugehen.

Dann treffen sich die Vertreter der 36 Klubs - natürlich virtuell - mit dem DFL-Präsidium und wollen über eine mögliche Fortsetzung der Bundesliga und der 2. Bundesliga im Mai beraten.

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Beraten, nicht entscheiden. Denn die endgültige Entscheidung fällt auf anderen Ebenen. Bei den lokalen Behörden an den Standorten - und bei der großen Politik in Berlin und den Staatskanzleien.

SPORT1 News Spezial - Sehen Sie die Pressekonferenz von DFL-Boss Christian Seifert am Donnerstag ab ca. 12.30 Uhr LIVE im Stream auf SPORT1.de und in der SPORT1-App

Am Montag schien der Profi-Fußball fast schon am Ziel. Mit Markus Söder (Bayern) und Armin Laschet (NRW) hatten sich zwei entscheidende Ministerpräsidenten dafür ausgesprochen, der Bundesliga eine Chance zur Fortführung der Saison ab frühestens dem 9. Mai zu ermöglichen.

Nur zwei Tage später bleibt die DFL aber Bestandteil eines Politkrimis um die eigene Zukunft.

Bundesliga wird Streitthema

In Folge der Wortmeldungen von Söder und Laschet werden mehr und mehr Stimmen laut, die einen Wiederbeginn der Bundesliga skeptisch sehen - oder sogar rundheraus für gesellschaftlich gefährlich halten.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wiederholte bei "Hart aber Fair" in der ARD seinen Standpunkt, den er bereits am 12. April im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 klar gemacht hatte: Keine 20.000 Tests bei Bundesliga-Profis, wenn gleichzeitig bedürftigere Menschen auf Tests warteten.

Am Mittwoch legte Lauterbach auf Twitter nach und fürchtet durch den Neustart der Bundesliga sogar einen nachhaltig negativen Effekt auf das Verhalten der "jungen Leute".

Auch das Innenministerium trübte die Vorfreude von vielen Vereinen und Fans. Vor der Entscheidung seien die "weiteren Entwicklungen der Pandemie in Deutschland und die Konzepte (von DFL und DFB, Anm. d. Red.)" abzuwarten, hieß es aus dem Ministerium.

So plant die DFL den Neustart

Diese Konzepte, die eigentlich am Donnerstag zunächst den Vereinen vorgestellt werden sollten, sind inzwischen öffentlich geworden. Verschiedene Medien zitieren daraus und stellen sie sogar in vollem Umfang ins Netz.

Die Konzepte werden von vielen Seiten gelobt, machen auf den ersten Blick auch nicht den Eindruck, als suche man nach Schlupflöchern in den Abstandsregeln außerhalb des Spielfelds. Sie geben aber auch Anlass zu weiteren Diskussionen.

Denn so heißt es beispielsweise, dass im Falle der Infektion eines Spielers "keine automatische Meldung" an die Presse erfolgen solle. Zudem wird erörtert, ob bei einem positiven Fall wirklich die gesamte Mannschaft in "Gruppenquarantäne" geschickt werden müsse - was den Spielbetrieb ja erneut zum Erliegen bringen würde.

Diese Punkte könnten nicht nur die Skepsis in der Politik erhöhen, sondern auch die öffentliche Meinung negativ beeinflussen. Schließlich müssen normalerweise sämtliche Kontaktpersonen eines Infizierten ebenfalls in Quarantäne geschickt werden.

Robert-Koch-Insititut entscheidend

Die Klubvertreter haben sich größtenteils an das von DFL-Geschäftsführer Christian Seifert ausgesprochene Gebot gehalten, sich bis zu gemeinschaftlichen Diskussionen und Entscheidungen nicht mehr öffentlich zu diesem Thema zu äußern.

Insgesamt bewegt sich die Liga aber natürlich auf dünnem Eis. Vor allem, weil noch verschiedene Hürden zu nehmen sind. Im Robert-Koch-Institut teilt man beispielsweise die Skepsis von Lauterbach und sieht die nötigen Tests kritisch.

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"Ich denke, man sollte die Tests dort anwenden, wo es medizinisch sinnvoll ist", sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade am Dienstag bei einer Pressekonferenz: "Ich sehe nicht, warum bestimmte Bevölkerungsgruppen (...) routinemäßig gescreent werden sollen."

Die Fachleute des Instituts zu überzeugen, dürfte die schwierigste Mission für die DFL werden. Denn selbst Befürworter Söder stellte in den ARD-Tagesthemen klar: Das RKI müsse "sein grünes Licht" vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs geben.

DFL bei Testkapazitäten optimistisch

Dennoch ist die DFL in diesem Punkt optimistisch und verweist auf die Kapazitäten in den "Akkreditierten Laboren in der Medizin" (ALM): "Nach jüngsten Erhebungen stehen dort derzeit 640.000 Tests pro Woche zur Verfügung, das entspricht einer Steigerung der Tageskapazitäten von mehr als 300 Prozent in den vergangenen fünf Wochen".

Das derzeit diskutierte Konzept der DFL erfordere weniger als 0,5 Prozent der aktuellen Testkapazität, so die DFL. Außerdem würden die bestehenden Kapazitäten laut ALM nicht einmal ausgeschöpft.

Zuspruch kommt vom anerkannten Pharmakologen Fritz Sörgel. "Wenn die DFL die Tests bekommt und es für keinen anderen ein Nachteil wird, kann sie die bestellen", wird dieser in der Süddeutschen Zeitung zitiert.

Deutsche wollen den Bundesliga-Neustart

Ganz entscheidend werden neben den wissenschaftlichen Aspekten die emotionalen sein. Sprich: die Bundesliga muss die öffentliche Meinung auf ihre Seite bekommen - bzw. sie dort behalten.

Das Vorhaben der Bundesligisten, ab Anfang Mai vor leeren Rängen wieder zu spielen, stößt derzeit noch bei der Mehrheit der Deutschen auf Unterstützung. Laut einer repräsentativen Umfrage von "infratest dimap" für den WDR vom 9. April waren 52 Prozent der Befragten für einen Neustart mit Geisterspielen, nur 30 Prozent dagegen.

Diese Zahlen bestätigen die Umfragewerte des repräsentativen Panels "Bundesliga-Barometer" vom 18. April. Darin sprachen sich 76,9 Prozent für die "zeitnahe Wiederaufnahme" des Spielbetriebs aus.

Der 30. April wird wichtig

Die Unterstützung für den Plan der Bundesliga ist trotz aller Diskussionen also bei Bevölkerung und Politikern da. Doch Restzweifel werden auch über den Donnerstag hinaus bleiben.

Denn ohne die Zustimmung der Politik, die sich auf die Expertise des Robert-Koch-Instituts stützt, wird es in absehbarer Zeit keinen Bundesliga-Fußball geben.

Deshalb richten sich die Blicke jetzt schon auf den 30. April. Dann wird Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut mit den Ministerpräsidenten konferieren. Die gesamte Bundesliga hofft, dass der Krimi dann vorerst ein gutes Ende findet.