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München - In der Debatte um Corona-Lockerungen versicherte die DFL, "keine Extrawürste" zu wollen. SPD-Politiker Karl Lauterbach zeichnet bei SPORT1 ein anderes Bild.

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Rollt in der Bundesliga trotz Corona schon relativ bald wieder der Ball? Und ist das der Bevölkerung wirklich vermittelbar?

Diese Fragen beschäftigen nun schon seit einiger Zeit nicht nur Fußball-Fans und -Verantwortliche, sondern auch die Politik.

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Und die Diskussion dürfte weiter Fahrt aufnehmen, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder über mögliche Lockerungen des Lockdowns sprechen - und dann die DFL in ihrer schon jetzt auf den 23. April verschobenen Mitgliederversammlung über ihr weiteres Vorgehen berät.

Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der im Bund mitregierenden SPD, hat im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 bereits Einblicke geliefert, wie Klubs und DFL hinter den Parlamentskulissen um ihre Interessen kämpfen. Und dabei auch durchaus brisante Eindrücke zu Tage gefördert.

"Die DFL macht Druck, das ist ganz klar"

"Die DFL macht Druck, das ist ganz klar. Und der kommt in Berlin an", sagte Lauterbach - und zeichnete damit ein etwas anderes Bild, als es die Liga-Vertreter zuletzt zu vermitteln versuchten.

"Wir wollen keine Extrawürste, das ziemt sich nicht in diesen Zeiten", hatte DFL-Chef Christian Seifert Ende März nach dem großen Video-Gipfel aller 36 Erst- und Zweitliga-Klubs gesagt.

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Bei Lauterbach klingt das etwas anders: "Es wird aufgeführt, wie hoch die Einnahmeverluste sind, wie viele Bürger auf die Spiele warten würden", berichtet er von entsprechenden Überzeugungsversuchen.

Lauterbach sieht Gefahren bei Bundesliga-Neustart

Lauterbach betont, dass er diese Art von Lobbyarbeit nicht verwerflich findet: "Das ist verständlich, ich nehme das auch niemandem übel."

Trotzdem müsse man "vorsichtig sein. Hier kann man schnell eine Debatte haben, dass es zu sehr um Sponsoren geht, um Werbeeinnahmen. Und zu wenig um die Sicherheit der Spieler und die Gesundheit der Bevölkerung."

Letzterer Punkt sei auch dann zu beachten, wenn die Liga Geisterspiele ohne Zuschauer steigen lässt: "Die Erklärung der Situation wird schwerer, wenn die Kinder nicht in die Schule dürfen, während gleichzeitig in der Bundesliga gespielt wird. Oder wenn Leute nicht getestet werden können, die Fußballer aber trotzdem."

Seiner Ansicht nach sei erst im Herbst der Punkt erreicht, dass es genügend Tests gebe "und keiner das Gefühl hat, hier wird einem etwas weggenommen".

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"Man unterschätzt die Bevölkerung"

Lauterbach sieht in dieser Frage auch eine Diskrepanz zwischen Klubs und Fans: "Die Vereine drängeln mehr als die Bevölkerung. Die Fans haben viel Verständnis, das spüre ich in meinem Wahlkreis in einem fußballverrückten Umfeld mit den Fans des 1. FC Köln und Bayer Leverkusen. Der Druck kommt von den Vereinen selbst." Lauterbach nimmt die besagten beiden Klubs dabei aber ausdrücklich aus von seiner Kritik.

Der 57 Jahre alte Mediziner wendet sich auch gegen das Argument, dass die Bevölkerung den Fußball erwarten würde, dass er in Zeiten der Krise umso dringender gebraucht werde.

"Mit dem Brot-und-Spiele-Argument unterschätzt man die Bevölkerung", sagt Lauterbach: "Man unterstellt damit, dass die Menschen nur bereit sind, die Einschränkungen zu ertragen, wenn man ihnen im Gegenzug Spiele anbietet. Das halte ich für falsch, viele Bürger ziehen mit."

Geisterspiele bis Ende 2021?

Die DFL selbst hatte erst am Freitag in einer Stellungnahme zu SPORT1 betont, sie wolle "die enge Abstimmung mit externen Experten und staatlichen Stellen suchen, um gemeinsame Lösungsansätze im gesellschaftlichen Konsens zu finden".

Die zuständige Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb hätte "weder Beschlüsse noch Vorfestlegungen" getroffen.

Die DFL hatte ihre außerordentliche Mitgliederversammlung für diesen Freitag geplant, ehe sie am Dienstagnachmittag den 23. April als neuen Termin bekannt gab. Dabei soll entschieden werden, wann die Saison fortgesetzt wird.

Zunächst sind Geisterspiele geplant und auch nötig. Gerald Haug, Präsident der Wissenschafts-Akademie Leopoldina, hat Klubs und Fans erst am Montagabend darauf eingestellt, dass die Spiele schlimmstenfalls bis Herbst 2021 ohne Zuschauer ausgetragen werden könnten.