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Christian Seifert meistert aktuell die Coronakrise. Der DFL-Boss strebt für die Zeit danach Reformen, die dem Fußball und den Spielern Demut bringen sollen.

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Abkehr von Gigantismus und Protzerei, hin zu einer neuen Bescheidenheit: Der deutsche Profifußball will mit einer "Taskforce Zukunft" Fehlentwicklungen der Vergangenheit aufarbeiten und neue Rahmenbedingungen abstecken.

"Das Gute an dieser schlechten Zeit ist, dass offensichtlich jetzt der richtige Moment gekommen ist, auf Signale von außen zukunftsweisend zu reagieren", sagte Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), der FAZ.

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Im Herbst wolle er die neue Taskforce einsetzen und konkrete Maßnahmen erarbeiten. "In jeder Präsidiumssitzung war zuletzt das Thema: Was lernen wir aus dieser Krise, worüber müssen wir nachdenken? Die Liste wird mit jeder Sitzung länger", betonte Seifert: "Wir wollen nicht einfach nur irgendwie durch die Krise kommen und dann weitermachen wie bisher."

Watzke: "Es muss sich einiges ändern"

Auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke blies am Montagabend ins gleiche Horn. "Ich habe mich gewundert, dass momentan eine relativ kritische Tendenz gegenüber dem Profifußball herrscht", sagte Watzke im ZDF.

"Wenn wir diese Krisensituation irgendwann überstanden haben sollten, dann muss sich im Fußball auch einiges ändern. Da wir einen globalisierten Fußball haben, bin ich skeptisch - aber hier in Deutschland müssen wir versuchen, wieder einiges in den Griff zu kriegen." 

Er sei jahrelang dafür kritisiert worden, "dass wir zu wenig Geld ausgeben und dass wir im Vergleich zu den Engländern mehr ins Risiko gehen müssen", mahnte der BVB-Chef an. "Bis heute hat der BVB keinen einzigen Euro Schulden machen müssen, das wird sich aber auch nicht mehr unendlich lange dauern, wenn wir keine Einnahmen mehr haben".

Im Vergleich mit anderen Ligen stünde die Bundesliga aber vergleichsweise gut da. "In Deutschland haben wir schon noch einen Weg gewählt, der etwas solider war als in anderen Ländern. Aber Sachen, wie Goldsteaks und die ganze Protzerei müssen nicht mehr sein."

Stattdessen soll eine neue Bescheidenheit Einzug erhalten. "Die am stärksten wahrnehmbare Kritik findet sich derzeit an der Schnittstelle Sport und Wirtschaft. Da geht es um Spielergehälter, schamlos zur Schau gestellten Reichtum, Ablösesummen sowie Berater, die Millionen kassieren für einen Musterarbeitsvertrag, den sie bei uns aus dem Internet herunterladen können", sagte Seifert. "Und das einfach nur deshalb, weil sie den richtigen 23-Jährigen kennen."

Seifert will Spielergehälter und Beraterhonorare deckeln

Seifert wünscht sich trotz rechtlicher Hürden eine Initiative zur Beschränkung von Spielergehältern und Beraterhonoraren. "Wenn es möglich ist, Managergehälter zu deckeln, dann muss es auch möglich sein, Gehälter von Beratern und Spielern zu deckeln", sagte der Chef der DFL.

Für diese komplexen Fragen gebe es keine einfachen Lösungen. "Sicher ist auch, dass der Widerstand groß sein wird und auch Berater aus Deutschland sofort antreten würden, diesen Plan anzufechten", betonte der 50-Jährige. Er selbst sei als Mitglied des FIFA Professional Football Stakeholders Committee "schon angeschrieben und mit einer persönlichen Klage bedroht worden, falls ich in diesem Gremium für eine Begrenzung der Beraterhonorare stimmen würde. Unterzeichnet übrigens von sehr prominenten Spielerberatern."

Bundesliga-Stars: Soziales Engagement statt Goldsteaks?

Seifert will aber auch an der Außenwirkung arbeiten. "Einfache Lösungen fangen beim Zurschaustellen von großem Reichtum bei Zwanzigjährigen in den sozialen Medien an", sagte er. Sportartikelhersteller, die Millionensummen an diese Spieler zahlten, könnten "ihre Zahlungen auch an soziale Verhaltensregeln knüpfen, nicht nur an Doping-Regeln". Die DFL werde schauen, an welchen Stellen sie ihr soziales Engagement verstärken könne.

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Die DFL wolle nicht zu einem "Ankündigungsweltmeister" verkommen, sondern konkret korrigierend eingreifen. Die Bundesliga habe offensichtlich ein Bild von sich erzeugt, das ein Teil der Menschen nicht mehr akzeptieren könne: "Durch Spielergehälter, Ablösesummen und auch einige Bilder, Stichwort goldene Steaks."