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München - Das DFL-Konzept zur Fortsetzung der Saison ist ein Signal, dass die Bundesliga die Bedenken ernst nimmt. Ein Kommentar von SPORT1-Chefredakteur Pit Gottschalk.

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Das 41 Seiten dicke Konzept, das die DFL am Donnerstag vorgestellt hat, konnte nicht mehr als ein Versprechen sein. Mit dem Maßnahmenkatalog für die Rückkehr zum Spielbetrieb signalisiert die Bundesliga: Wir nehmen Bedenken ernst, die gegen einen Liga-Start inmitten der Coronakrise vorgetragen werden, und tun alles für die Risikominimierung. Den Rest entscheidet die Politik.

Das Vorgehen ist erstens klug und zweitens alternativlos. Denn natürlich muss DFL-Geschäftsführer Christian Seifert dem Eindruck entgegenwirken, dass der deutsche Profifußball seine unbestreitbare Sonderrolle nutzt, um vor allen anderen Unterhaltungsbranchen zum geregelten Geschäftsbetrieb zurückzukehren. Der Widerstand wäre zu groß.

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Eine Lex Bundesliga kann - bei aller Bedeutung, die der Fußball hierzulande genießt - nur von den gewählten Verantwortungsträgern kommen und nicht von jenen, die ohnehin in dieser Gesellschaft umfangreiche Privilegien genießen. Das fängt schon beim möglichen Starttermin an. Seifert vermied sogar jede Empfehlung, wann der Ball wieder im Mai rollen sollte.

Seiferts unmissverständliche Botschaft an die Politik

Seine Botschaft war trotzdem unmissverständlich. Wenn die Politik nicht lösungsorientiert handelt, wird es die Bundesliga, wie man sie seit Jahrzehnten kennt, nicht mehr geben. Auf der Pressekonferenz wiederholte er das Schreckensszenario mit einer solchen Demut, dass die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten scheinbar frei in ihrer Entscheidung bleiben.

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Das werden sie am kommenden Donnerstag natürlich nicht sein. Die beiden mächtigen Ministerpräsidenten Markus Söder (Bayern) und Armin Laschet (Nordrhein-Westfalen) wissen um die Gefahr, wenn in ihrem Verbreitungsgebiet prominente Fußballvereine in finanzielle Schieflage gerieten. Man würde es ihnen anhängen. Und Seifert lässt ihnen kein Gegenargument.

Das Konzeptpapier der Task Force, wissenschaftlich abgedichtet, regelt im Stadion sogar jeden Gang zur Toilette und wird inzwischen als beispielhaft für die Sport-Ligen weltweit gehandelt. Mit den Medienpartnern ist die Finanzierung des Spielbetriebs bis zum 30. Juni gesichert und eben auch, was und wie zurückgezahlt werden muss, wenn die Politik kein Go liefert.

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Klug steuerten Seiferts Vorschläge in die Richtung, dass man mit Geisterspielen startet, ohne Fakten für die Ewigkeit zu schaffen. Wenn ein Rückzug bei neuer Erkenntnislage möglich bleibt, können die Landespolitiker kaum das Begehren abschlagen. Drei von vier Fans sind auf Seiferts Seite. Zeitspiel gelte nicht: Alle Argumente seien in drei, vier Monaten dieselben.

Fans müssen mitspielen

Hier wird sich nun zeigen, wie belastbar das Binnenverhältnis in der Fußballfamilie ist: Ob die Kanzlerin, die gerne in Stadien punktet, den ersten Schritt aus grotesken Situation nicht verhindert. Die Ultra-Fans, die keine Geisterspiele wollen, müssen allerdings mitspielen. Womöglich sind sie die letzten, die alle Bedenken ganz oben auf die Tagesordnung setzen könnten.

Es reicht, wenn sich Kohorten vor den Stadien versammeln, damit SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach seine Befürchtung bewahrheitet sieht, dass der Fußball die Pandemie beschleunigt. Die Bundesliga-Klubs werden hier, was sie früher vernachlässigten, Verständnis wecken müssen. Aber Seifert selbst hat seine Arbeit getan. Nicht nur auf 41 Seiten Konzeptpapier.