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Mönchengladbach und München - Borussia Mönchengladbach hat nicht wie der BVB den einen Stürmer, der besonders heraussticht. Alexander Zickler erklärt bei SPORT1, was die Offensive so stark macht.

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Borussia Dortmunds Angriffsmaschinerie geriet am vergangenen Spieltag ein wenig ins Stocken. Erstmals in diesem Jahr schoss der BVB nur ein Tor, zuvor waren es 2020 immer mindestens zwei.

Das lag auch daran, dass Erling Haaland, Dortmunds neuer Torschütze vom Dienst, krankheitsbedingt nicht von Anfang an mitwirken konnte.

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Doch im Topspiel bei Borussia Mönchengladbach an diesem Wochenende dürfte der Norweger wieder starten.

BVB schon abhängig von Haaland?

Einer, der den Hype um den jungen Stürmer quasi geahnt hat, ist Alexander Zickler. "Was gerade um ihn passiert, kommt für mich nicht so überraschend", erklärte der ehemalige Bayern-Stürmer und jetzige Co-Trainer der Gladbacher im Gespräch mit SPORT1.

Er kennt Haaland noch aus seiner Zeit bei RB Salzburg. Schon früh sei sein Potenzial erkennbar gewesen. "In den ersten Trainings und Testspielen (für Salzburg, Anm. d. Red.) hat er gezeigt, was in ihm steckt, dass er einen extremen Zug zum Tor hat", erinnerte sich Zickler.

Mit neun Toren in sieben Bundesliga-Partien hat Haaland einen einzigartigen Start hingelegt. Inzwischen steht die Trefferanzahl des BVB in der laufenden Saison bei 66 in 24 Spielen.

Große Flexibilität in Gladbach-Offensive

Auch Gladbach braucht sich mit 46 Toren in 23 Partien – das Nachholspiel gegen den 1. FC Köln steht noch aus – nicht verstecken. Letztes Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt vier weniger. Seit der Pleite auf Schalke nach der Winterpause hat die Borussia 2,6 Tore pro Partie erzielt. Mitverantwortlich dafür: Offensiv-Coach Zickler.

Die Fohlen haben nicht wie der BVB aktuell mit Haaland oder der FC Bayern mit Robert Lewandowski den einen Ausnahmestürmer, der Kader der Borussia wird durch offensive Flexibilität gekennzeichnet.

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Mit Alassane Pléa, Marcus Thuram, Breel Embolo und Lars Stindl können gleich vier Spieler den vordersten Part im Angriff übernehmen. Doch das Quartett ist auch auf anderen Positionen einsetzbar.

"Wenn man verschiedene Typen hat, macht das einen weniger ausrechenbar. Man hat in der Zusammenstellung der Offensive viele Möglichkeiten. Egal, ob wir mit einer Spitze, zwei Spitzen oder eher über die Flügel spielen wollen", unterstrich Zickler die Vorzüge des Gladbacher Sturms.

Embolo außer Form

Je nach Gegner, Spiel- und Personalsituation bieten sich Cheftrainer Marco Rose verschiedene Optionen. "In der heutigen Zeit ist es ebenfalls wichtig, auf bestimmte Situationen reagieren zu können. Jeder hat seine Qualitäten", ergänzte sein Co-Trainer.

Alexander Zickler ist seit Sommer 2019 Co-Trainer bei Borussia Mönchengladbach und vor allem für die Offensive verantwortlich
Alexander Zickler ist seit Sommer 2019 Co-Trainer bei Borussia Mönchengladbach und vor allem für die Offensive verantwortlich © Getty Images

So springt auch je nach Saisonphase ein anderer Spieler in die Bresche, sollte es beim Stammpersonal mal nicht so laufen. Embolo etwa trumpfte in der Hinrunde auf, tut sich 2020 jedoch schwer.

"Er hat natürlich eine brutale Dynamik. Beispielsweise, wie er sich am Gegenspieler mit Ball drehen kann. Er muss noch lernen, Bälle besser festzumachen. Er könnte seine körperliche Wucht noch mehr einbringen", charakterisierte Zickler den Schweizer Nationalspieler, der in der Hinserie sechs Mal getroffen hat, in diesem Jahr aber noch auf sein erstes Bundesliga-Tor wartet.

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Rose: Stindl hat einen Lauf

Stattdessen zündet Stindl seit der Winterpause so richtig. Vier Tore aus den letzten drei Spielen stehen zu Buche. "Er scheint momentan einen Lauf zu haben. Er fühlt sich nach seiner Verletzung das erste Mal so richtig gut und fit. So lange er einen Lauf hat, wollen wir diesen natürlich auch nutzen", schwärmte Rose auf der Pressekonferenz der Borussia und deutete damit an, dass Stindl auch gegen den BVB in der Startelf stehen wird. Der Kapitän war sehr lange Zeit auf Grund eines Schienbeinbruchs außer Gefecht gesetzt.

Thuram hingegen droht im wichtigen Spiel im Kampf um die Champions League auszufallen. "Wir haben Hoffnung bei Marcus, müssen aber von Tag zu Tag schauen. Er war heute schon draußen auf dem Platz", erklärte Rose. Eine Kniereizung zwang den Franzosen zu einer Pause.

Dabei könnte Gladbach seine Qualitäten - er ist mit zehn Treffern bester Torschütze in dieser Saison - gut gebrauchen. "Marcus hat ein unglaubliches Tempo, das macht er hervorragend", lobte Zickler seinen Schützling, der einst selbst für seine blitzartigen Antritte bekannt war. Doch nicht nur Thurams Schnelligkeit zeichnet ihn aus. "Einerseits ist er ein absoluter Beißer, der sich reinhaut. Aber er ist auch mit einer extrem guten Technik ausgestattet", fügte der Offensivcoach hinzu.

Zickler lobt Qualitäten von Pléa

Und da wäre ja auch noch Pléa. In seiner Debütsaison 2018/19 schlug er so richtig ein, in der laufenden bestätigt er seine Leistung. "Ich finde es unfassbar, was der für eine Schusstechnik hat: feines Füßchen und sehr gute Technik", sieht Zickler beim früheren Ligue-1-Stürmer die größte Stärke. Der 46-Jährige ergänzte: "Gerade rund um den Strafraum arbeitet er mit kurzen Körpertäuschungen und schließt super ab. Durch seine Erfahrung hat er ein gutes Gefühl, wo der Ball hinkommen könnte. Das müssen die Jungen noch lernen."

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Das betrifft insbesondere Embolo, der mit seinen 23 Jahren zu den jüngeren Angreifern im Borussia-Kader gehört.

Angesichts der hohen Quantität im Offensivbereich kommen einige Spieler – viele von ihnen jahrelang Leistungsträger – kaum zum Einsatz. Dazu zählen auch Publikumsliebling Patrick Herrmann, Raffael oder Ibrahima Traoré.

"Wir haben viele Stürmer, der Konkurrenzkampf ist groß", resümiert Zickler. Von einer solchen Luxussituation träumen so manche Bundesliga-Teams.