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Horst Heldt kann die Forderungen der UEFA wegen der EM-Verschiebung nicht nachvollziehen - und kontert mit einer unverblümten Drohung.

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Kölns Sport-Geschäftsführer Horst Heldt hat mit völligem Unverständnis auf die Forderungen der Europäischen Fußball Union gegenüber Vereinen und Ligen wegen der Verschiebung der Europameisterschaft reagiert. 

"Wenn das wirklich stimmt, was ich heute gelesen habe, dann würde ich mich schon fragen, ob die den Schuss noch nicht verstanden haben", erklärte Heldt. 

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In den wegen der Coronakrise finanziell existenzbedrohenden Zeiten kann Heldt die UEFA-Forderungen überhaupt nicht nachvollziehen: "Wenn man 400 Millionen Euro auf die Vereine und Verbände runterbricht, fragen Sie mal die in Italien, wie sie das finden, wo aktuell das ganze Land zusammenbricht."

Heldt: Grundlage sind die nationalen Ligen

Wie The Athletic berichtet, will die UEFA angeblich Kosten von 300 Millionen Euro auf die Vereine abwälzen. Das ist der Betrag, den die UEFA eine Verschiebung der EM auf den Sommer 2021 angeblich kosten würde. Immerhin sei es das Anliegen der Vereine und nationalen Ligen, ihre Spielzeiten - wenn auch verspätet - fortzuführen und zu beenden, begründet die UEFA ihre Forderungen.

Heldt konterte mit einer unverblümten Drohung: "Wenn das stimmt, müssen die sich fragen, ob sie eine EM in den nächsten Jahren überhaupt noch spielen werden. Die Grundlage für alle Turniere sind die nationalen Ligen!"

Heldt äußerte sich darüber hinaus zum Umgang des 1. FC Köln mit der Coronakrisen und weiteren Alternativszenarien der Klubs.

… zur aktuellen Lage: "Das ist eine außerordentlich schwierige Situation. Wir haben den Trainingsbetrieb für zehn Tage eingestellt. Die Spieler trainieren jetzt individuell zuhause. Es macht keinen Sinn, in der Form zu trainieren. Wir sehen uns da auch in einer gesellschaftlichen und kulturellen Verantwortung. Wir werden uns in zehn Tagen wieder treffen und dann schauen."

… zu Alternativplänen der Kubs: "Wir wollen Anfang April wieder spielen. Das ist unser Plan A. Wir haben uns bei der DFL-Sitzung aber auch über Plan B und C beschäftigt. Darüber haben wir intensiv gesprochen in der ganzen Liga. Wichtig ist aber, dass wir an Plan A festhalten. Jeder Mensch braucht irgendwo Orientierung. Klar ist aber, dass es viele Fragen gibt, die wir zurzeit nicht beantworten können."

… zur finanziellen Lage des FC: "Die ist genauso kritisch wie für viele andere Vereine auch. Nochmal: es geht hier nicht um die so genannten Fußball-Millionäre auf dem Rasen, sondern um mehr als 50.000 Arbeitsplätze. Ganz viele Existenzen stehen auf dem Spiel. Jeder Verein hat Aufgaben mitbekommen und soll jetzt einen Kassensturz machen."

… zu einem möglichen Verzicht von Profis auf Teile ihres Gehalts: "Machen sie sich keine Sorgen über Profis, die sich ihrer Verantwortung gerecht werden. Ich denke, jeder sollte sich mit populistischen Scheißaussagen zurückhalten! Fußballprofis haben ein soziales Gewissen. Ich finde es anmaßend, dass das gerade öffentlich diskutiert wird. Natürlich ist das aber ein Thema, mit dem wir uns auch auseinandersetzen und in Ruhe sprechen. Wir sind alle zusammen in einer schwierigen Lage."

… zu möglichen Fehlentwicklungen des deutschen Fußballs (auf SPORT1-Nachfrage): "Krisen führen dazu, dass das ganze System hinterfragt wird. Man nimmt die Situation jetzt besonders wahr. Ich glaube auch, dass das Gesundheitssystem hier hinterfragt werden muss. Sind wir auf Krisen vorbereitet? Das muss auch der Fußball machen. Ist alles so richtig, wie das zuletzt stattgefunden hat? Ich kann nur betonen, dass die deutschen Ligen besser dastehen, als woanders. Der deutsche Fußball ist schon krisensicher aufgestellt, hat aber Schwierigkeiten.

… zum Vergleich mit anderen Ligen (auf SPORT1-Nachfrage): "Ich glaube, dass es immer sinnvoll ist, auch aus Krisen zu lernen. Ich bin trotz allem Fußballromantiker und möchte mir das nicht nehmen lassen. Wir hatten - es ist gar nicht so lange her - immer ausverkaufte Stadien und haben Atmosphäre. Wir haben bis zur vierten Liga tollen Fußball gezeigt."