Das Geisterspiel in der Europa League zwischen Frankfurt und Basel war eines der letzten Fußballspiele vor der Coronapause in Deutschland
Das Geisterspiel in der Europa League zwischen Frankfurt und Basel war eines der letzten Fußballspiele vor der Coronapause in Deutschland © Getty Images
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München - Die Verschiebung der EM verschafft den Klubwettbewerben mehr Zeit. Doch wann muss der Spielbetrieb spätestens fortgesetzt werden, um die Saison zu beenden?

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Wie soll es mit dem Fußball in Deutschland und Europa weitergehen?

Ein Abbruch der Saison wegen der Coronakrise wäre das Horrorszenario, das es unbedingt zu vermeiden gilt. Die Statuten des DFB und der DFL hätten für diesen Fall keine Lösung. Meisterschaft, Teilnehmer am internationalen Geschäft, Auf- und Absteiger – all die Fragen nach diesen Entscheidungen blieben unbeantwortet.

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Noch schlimmer aber: Für viele Klubs hätte eine Annullierung dramatische finanzielle Folgen. Einige wären definitiv von der Existenz bedroht.

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Deshalb will man versuchen, die Saison unter allen Umständen zu Ende zu bringen – zur Not mit Geisterspielen, wie BVB-Boss Hans-Joachim Watzke klargemacht hat.

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Spielerverträge laufen am 30. Juni aus

Durch die Verlegung der Europameisterschaft auf das Jahr 2021 bleibt Bundesliga und 2. Bundesliga nun mehr Zeit. Die von der UEFA nun vorerst auf die Länderspielpause Anfang Juni verlegten EM-Playoffs dürfen bei der Planung der nationalen Ligen allerdings nicht übergangen werden. Wenn am ursprünglichen Modus mit zwei Halbfinals und einem Finale festgehalten wird, müsste eine weitere Woche dafür einkalkuliert werden.

Bis 30. Juni muss die Spielzeit abgeschlossen werden, da sonst Spielerverträge auslaufen und Mannschaften in ihren jetzigen Konstellationen nicht mehr zusammenspielen könnten, was zu Wettbewerbsverzerrung führen würde.

Doch wie viel Zeit wird überhaupt noch benötigt, um alle ausstehenden Partien durchzuführen?

Theoretisch ist es in einem Zeitraum von zehneinhalb Wochen zu schaffen. Sollte ein Spielbetrieb ab Ende April wieder möglich sein, könnten noch alle Spiele unter der Voraussetzung, dass jede Mannschaft wie gewohnt nur zwei Matches pro Woche hat, stattfinden.

Spielen die Teams alle drei Tage?

Wären die Verbände, Ligen und Klubs bereit, den Rhythmus zu erhöhen und auf feste Wochentage zu verzichten, also beispielsweise Bundesliga-Partien auch donnerstags auszutragen, könnte man erst am 24. April anfangen und würde die Saison noch zu Ende gespielt bekommen.

Bei diesem Szenario käme es jedoch zu Komplikationen bei TV-Anstalten, da Sendezeiten umfassend umgestellt werden müssten. Auch die höhere Belastung der Spieler und der größere Reisestress wären Gegenargumente. Alle drei Tage zu spielen wäre wohl noch vertretbar, alle zwei aus dieser Hinsicht ausgeschlossen. Eine Idee gibt es laut SportBild dahingehend trotzdem.

Der Terminnot zu Gute kommen würde auch die Überlegung der UEFA, die Endphase der Champions League und Europa League als Final Eight oder Final Four auszutragen. Durch eine Durchführung auf neutralem Platz könnte man sich beispielsweise in Viertel- und Halbfinale je eine Partie sparen. Noch gibt es jedoch keine genauen Pläne diesbezüglich. Durchgesickert ist hingegen die Information, dass die Finals der beiden großen europäischen Wettbewerbe auf Ende Juni umterminiert wurden.

Relegationsspiele um Auf- und Abstieg

Nicht vergessen werden dürfen die Relegationsspiele, die zwischen Bundesliga und 2. Liga sowie zwischen Unterhaus und 3. Liga über Auf- und Abstieg entscheiden und ebenfalls spätestens am 30. Juni durchgeführt sein müssen.

Im schlimmsten Fall könnten diese sogar Eintracht Frankfurt betreffen. In Deutschland ist die SGE der Verein, auf den theoretisch noch die meisten Spiele zukommen könnten.

Mit dem Nachholspiel gegen Werder Bremen haben die Hessen in der Bundesliga noch zehn Partien zu absolvieren. Im DFB-Pokal stehen noch maximal zwei Runden aus (Halbfinale beim FC Bayern).

Eintracht Frankfurt droht Mammutprogramm

Sollte Frankfurt in der Europa League ein 0:3 aus dem Hinspiel gegen den FC Basel wettmachen und es bis ins Finale schaffen, wären inklusive Rückspiel noch sechs Matches möglich.

In der Liga ist für die Eintracht ein Absturz auf Relegationsplatz 16 rechnerisch nicht ausgeschlossen, wodurch noch einmal zwei Spiele hinzukämen. Kumuliert könnte das Team von Trainer Adi Hütter also noch 20 Partien zu absolvieren haben.

Unter der Bedingung, dass der grobe Mittwoch-Samstag-Rhythmus aufrechterhalten wird, müsste Frankfurt seine erste Partie nach der Corona-Pause spätestens am 20. April bestreiten, damit am 30. Juni das Relegations-Rückspiel steigen kann.

Ein Drei-Tage-Rhythmus würde den 24. April als spätestmöglichen Zeitpunkt gewähren.

Zugegeben: Das Beispiel der Eintracht ist ein Extremfall, theoretisch müssten die Ligen diesen jedoch berücksichtigen. Zumal ein solches Szenario vermutlich auch Vereine in anderen europäischen Ländern betreffen könnte, wo teilweise sogar (Stand jetzt) noch zwei nationale Pokalwettbewerbe beendet werden müssen.

Saison muss Ende April fortgesetzt werden

Fazit: Unter Einberechnung aller Eventualitäten muss die Bundesliga in Abstimmung mit der UEFA spätestens ab 24. April also wieder den Spielbetrieb aufnehmen.

Die nächste Entscheidung darüber ist auf der außerordentlichen Sitzung der DFL am 30. März zu erwarten. Dort soll auch über eine mögliche Ausweitung der Spielaussetzung über den 2. April hinaus beraten werden.

Ein kleines Hintertürchen gäbe es dennoch, sollte ein Spielbetrieb bis in den Mai hinein ausgeschlossen sein.

Ausnahmeregelung als Rettung?

Rechtsanwalt Dr. Andrej Dalinger zeigt im Gespräch mit SPORT1 auf, dass mit einer mögliche Ausnahmeregel das Problem auslaufender Spielerverträge zumindest theoretisch gelöst werden könnte.

"Es ist denkbar, dass dann Sondervereinbarungen zwischen Vereinen und Spielern getroffen werden. Anschlussverträge sind sicherlich möglich, wenngleich das Verbandsrecht kurzfristige Verträge eigentlich nicht zulässt", erklärt der 31-Jährige, der Spieler, Klubs und Spielerberater bei arbeits- und strafrechtlichen Fragen berät.

Ein mögliches Problem dabei: "Einige Spieler, deren Vertrag am 30.06.2020 endet, dürften bereits einen Anschlussvertrag bei einem anderen Klub haben, sodass für diese eine (kurzfristige) Verlängerung nicht möglich wäre. Wenn das Verbandsrecht hier eine Ausnahme zulassen würde, um auf diesem Wege einen fairen sportlichen Wettkampf zu organisieren, wären kurzfristigen Monatsverträge theoretisch möglich."

Ob diese Regelung die letzte Rettung im drohenden Termin-Chaos ist, wird der weitere Verlauf der Coronakrise zeigen müssen.