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Der Coronavirus hat auch die Sportwelt immer fester im Griff. DBB-Arzt Thomas Neundorfer spricht mit SPORT1 über Corona-Angst im Sport und das Verhalten der Bundesliga.

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Das Coronavirus hält den deutschen Fußball in Atem. 

Am Montag wurde die Champions-League-Partie Paris Saint-Germain gegen Borussia Dortmund (Mi., ab 21 Uhr im SPORT1-LIVETICKER) zum Geisterspiel erklärt. Das Nachholspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am Mittwoch steht auf der Kippe, dem FC Bayern droht in der Königsklasse gegen Chelsea ebenso ein Duell vor leeren Rängen.

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Klare Ansage der Politik dabei: Gesundheit hat die oberste Priorität.

Die Partie am vergangenen Samstag zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund allerdings fand trotz Warnung noch mit Zuschauern statt. Auch beim Champions-League-Spiel RB Leipzig gegen Tottenham am heutigen Dienstag werden Fans im Stadion sein.

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"Ich finde es konsequent inkonsequent, was wir gerade tun. Wir handeln gerade inkonsequent in vielerlei Hinsicht", kritisierte Horst Heldt, Sportchef des 1. FC Köln die wechselnde Handhabe dazu.

Auch an anderer Stelle herrscht Irritation.

DBB-Arzt verwundert über Corona-Vorgehen

"Ich habe mich gewundert, dass die Bundesliga-Spiele im Fußball und auch in anderen Sportarten am Wochenende mit nach meiner Kenntnis uneingeschränkter Zuschauerbeteiligung stattgefunden haben", sagt etwa Thomas Neundorfer, Arzt des Deutschen Basketball Bundes, im Gespräch mit SPORT1. "Die aktuelle Sprachregelung der Politik ist ja, dass alle Veranstaltungen mit über 1000 Zuschauer hinterfragt werden sollten."

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hatte in einer Erklärung am Sonntag deutlich gemacht, es stehe außer Frage, "dass die Saison wie vorgesehen bis Mitte Mai zu Ende gespielt werden muss, um Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer für die internationalen Wettbewerbe zu ermitteln". Nur so erhielten Klubs und DFL trotz schwieriger Umstände für die kommende Spielzeit Planungssicherheit.

Geisterspiele sind daher vorerst die einzige Option. Unabhängig davon versuchen die Klubs, ihre Spieler bestmöglich abzuschotten und zu schützen. Konkret heißt das: Veränderte Reiseplanung, Autogramm- und Selfieverbot, kein öffentliches Training mehr. 

Die unvermeidliche Frage, die dabei indes alle Verantwortlichen umtreibt: Was passiert mit unserer Mannschaft, wenn sich am Ende ein Spieler oder ein Mitarbeiter dennoch mit dem Coronavirus infiziert?

Auch Fußballer müssten in Quarantäne

Dies ist für Neundorfer, der in Oberfranken eine allgemeinmedizinische/internistische Praxis betreibt, nach der aktuellen Sprachregelung "relativ klar". 

Der Betroffene und alle Kontaktpersonen müssten wie jeder Normalbürger während der Inkubationszeit zu Hause isoliert werden, sofern keine Krankheitssymptome bestehen: "Das wird ja momentan auch in Betrieben und Behörden so gehandhabt." 

Demnach wäre der entsprechende Spieler erst einmal nicht einsatzfähig. Doch wie geht es weiter, sollte der Betroffene weitere Teamkollegen angesteckt haben? Müsste am Ende die ganze Mannschaft isoliert und vom Spielbetrieb abgemeldet werden?

Fragen, auf die es aktuell noch keine Antworten gibt. Noch gibt es diesen einen Präzedenzfall im Profibereich nicht. 

Verunsicherung der Spieler nachvollziehbar

"Ich kann die Spieler verstehen, die verunsichert sind. Gerade im Sport ist naturgemäß ein enger Kontakt zu vielen anderen Menschen unvermeidlich. Das ist aber natürlich auch in vielen anderen Berufen ähnlich", berichtet Neundorfer.

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"Die Nachrichtenlage ist so, dass es beinahe jeden Tag eine neue Situation gibt", betont er. "Das macht den Umgang mit der Problematik natürlich schwierig. Patienten, die nachweislich Kontakt mit einem Corona-infizierten Menschen hatten, werden nach aktueller Regelung getestet und häuslich isoliert."

Das würde wie erwähnt auch auf Fußballer oder andere Sportler zutreffen. 

Die Sorge vor diesem Szenario ist und bleibt groß. Wie hoch das Risiko wirklich ist? "Das ist gegenwärtig nicht seriös zu beurteilen", meint Neundorfer vielsagend.