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München - Nach einer Videokonferenz aller 36 Profi-Klubs erklärt DFL-Geschäftsführer Christian Seifert, wie es die Bundesliga mit der Coronakrise umgehen wird.

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Die Bundesliga pausiert weiterhin, jetzt bis mindestens zum 30. April. 

Das ist das Ergebnis der außergewöhnlichen Video-Sitzung des DFL-Präsidiums, bei dem die 36 Profiklubs über die unmittelbare Zukunft des deutschen Profifußballs abstimmten. 

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Gleichzeitig wurden noch drei weitere Maßnahmen verabschiedet, die dafür sorgen sollen, dass die Saison doch noch zu Ende gespielt werden kann. Es werde geprüft, wie Spiele ohne Zuschauer am sichersten durchzuführen seien. Zusätzlich wolle man eine medizinische Task Force ins Leben rufen, die die Gesundheit der Spieler gewährleisten könne. 

Sondersendung zum Fußball-Stopp im deutschen Profi-Fußball ab 18 Uhr LIVE im TV auf SPORT1

Abschließend wolle man den Klubs beim Lizenzierungsverfahren Zugeständnisse machen. 

Nach der PK stand DFL-Geschäftsführer Christian Seifert auch bei SPORT1 noch einmal Rede und Antwort und sprach dabei unter anderem über die finanzielle Schieflage einiger Klubs sowie die Auflockerung der 50+1-Regel. 

Der Ticker zur Pressekonferenz und zum Interview mit Seifert zum Nachlesen:

+++ Nach Vorschlag von Martin Kind: 50+1-Regel jetzt lockern? +++

"Ich bin kein Freund davon, in Extremsituationen mit Extrem-Szenarien zu antworten. Wir versuchen erstmal, uns im Rahmen eines gewissen Rasters da irgendwie durchzusteuern. Jetzt die 50+1-Regel aufzuheben - unabhängig davon, ob das überhaupt ginge und bisher hat noch niemand diesen Antrag gestellt - ich weiß nicht, ob das jetzt der richtige Ansatz wäre. Genau in dieser Phase über Investoren-Modelle zu sprechen, ist vielleicht nicht der richtige Ansatz."

+++ Muss die DFL mehr auf die Finanzen der Klubs achten? +++

"Ich glaube, auf solche Katastrophen kann man nicht vorbereitet sein. Die Frage, die man berechtigterweise stellen muss: Ob man aus dieser Situation seine Lehren ziehen muss und die Ansprüche an das deutsche Lizenzierungsverfahren - die ohnehin die höchsten sind in ganz Europa - nochmal nach oben schraubt. Das könnte sein. Widersprechen muss ich Ihnen an der Stelle, dass die Zukunft der Liga von Zahlungen der Medienpartner abhängt. Wenn das nicht so wäre, würden wir andere Möglichkeiten der Finanzierung finden. Es gibt viele Unternehmen, die derzeit bereits Kontakt mit uns aufgenommen haben. Darum geht es für den Moment aber nicht." Jetzt zeige sich mit Blick auf die Zukunft der Klubs, ob man "da ein Kollektiv ist und versucht, alle mitzunehmen und da durch zu bringen." 

+++ Warum sind so viele Klubs am Abgrund? +++

"Ich kann da keine Auskunft geben über die wirtschaftlichen Verhältnisse einzelner Klubs." Einige Klubs hätten ein wirtschaftliches Verhalten an den Tag gelegt, wie es andere Klubs nicht getan hätten. "Klar ist, dass einige Klubs im Wunsch nach sportlichem Erfolg investiert haben und es womöglich ein wenig versäumt haben, ein Polster für Krisen aufzubauen. Das lässt sich aber jetzt leicht sagen, eine Coronakrise hat niemand vorausgesehen. Es ist glaube ich nicht der falsche Zeitpunkt jetzt mit dem Finger auf einzelne Klubs zu zeigen." Man sei in einer Phase, bei der es darum gehe Lösungen zu finden. 

+++ 81 Spiele bis zum 30. Juni? Warum kein Schlussstrich unter die Saison 19/20 +++

Seifert: "81 Spieltag verteilen sich erstmal auf neun Spieltage und das sind die Spieltage jetzt noch offen sind. Einen Schlussstrich zu ziehen, klingt erstmal gut. Es wäre aber mit einem erheblichen finanziellen Risiko für eine Vielzahl von Klubs verbunden. Darüber hinaus ergeben sich viele sportliche Fragen, die auch juristische Fragen nach sich ziehen, wenn es um Auf- und Absieg geht. Und letztlich ist es der Anspruch einer jeden Liga, den Wettbewerb sportlich auf dem Platz auszutragen. Aber jetzt einfach abzubrechen, das wäre auch aus Sicht der Klubs, die falsche Entscheidung." 

+++ Seifert gleich noch im Einzel-Interview bei SPORT1 +++

Das war es vorerst von der Pressekonferenz der DFL. In Kürze wird Christian Seifert hier auch bei SPORT1 nochmal im Detail über die heute getroffenen Entscheidungen sprechen. 

+++ Wie sollen in Zukunft alle Termine unter einen Hut gebracht werden? +++

"Die UEFA hat die EM verschoben, was die einzig richtige Entscheidung war. Ich glaube, wir sprechen sehr viel über Solidarität in Europa. Wir werden mit Sicherheit mit Blick auf den Spielplan für die nächste Saison viel Flexibiltät an den Tag legen. Da muss der ein oder andere womöglich mal einen Frosch schlucken. Ein geregelter Spielbetrieb wie wir ihn aus den letzten 20 Jahren kennen wird wohl erst in der übernächsten Saison wieder möglich sein. Da wird es sicher das ein oder andere Murren geben. Aber eigentlich müsste dafür jeder Verständnis haben."

"Es wird einfach ein bisschen schwieriger, auch für die nächsten 12 Monaten. Es wird so kommen, dass der Spielbetrieb anders ist als in den vergangenen Spielzeiten anders aussehen wird."

+++ Extrem-Szenario wird abgelehnt +++

"Es gibt mehrere Pläne, da muss man flexibel sein. Wir denken sehr genau darüber nach, wie es für uns weitergehen kann. Das macht derzeit jedes Unternehmen so. Die Extrem-Szenario: 'Jeden Tag ein Spiel' - dafür sehen wir derzeit noch keine Veranlassung"

+++ Bundesliga im Free-TV? +++

Spiele im Free-TV sind derzeit nicht geplant: "Die Rückkehr des Profisfußballs wäre erstmal der Inhalt, den man vor der Krise kannte. Wenn man Spiele unverschlüsselt zeigen würde, würde das ja auch die Rechte einiger unserer Medienpartner beschränken würde." Alles für alle würde die Wertigkeit der Verträge mit den Partnern "komplett zerstören. Dann würden wir vertragsbrüchig werden. Wir versuchen natürlich mit den Medienpartner Lösungen zu finden." 

Man werde bei Wiederaufnahme der Spiele "alles sehen, was Sie auch vorher gesehen haben"

+++ Vorteile im Vergleich zu Italien +++

"Wir wissen noch nicht wie die Entwicklung in anderen Ländern sein wird. Das ist auch keine vorrangige Frage für mich. Aber Der deutsche Profi-Fußball ist in einem gänzlich anderen Zustand als zum Beispiel der italienische. Wir haben in beiden Ligen (1. und 2. Liga) hinweg eine deutlich stärkere finanzielle Substanz. Auch mit der DFL haben wir bessere Voraussetzungen als andere Ligen in Europa. Auch unsere Gespräche mit den Medienpartner läuft auf einem anderen Level ab." 

+++ Seiferts Eindruck von der Video-Sitzung mit den Klubs +++

"Ohne Zuversicht geht es dieser Tage nicht so gut. Ich habe es so empfunden, dass da eine große Konzentration war. Die Entscheidung war sehr geschlossen, das DFL-Präsidium hat große Rückendeckung gespürt. Wir sind auf der einen Seite ein Kollektiv und auf der anderen Seite 36 Konkurrenten. Im Moment herrscht eine große Konzentration bei dieser erzwungen Warteschleife. Das ist jetzt unser Job und das wird uns auch gelingen." Der starke Zusammenhalt freue ihn. 

+++ Seifert zum medizinischen Leitfaden +++

"Wir dürfen nichts tun, um die Gesundheit des sportlichen Personals zu gefährden. Die medizinische Task Force wird sehr eng mit den Klubs und den Mannschaftsärzten zusammenarbeiten. Wir wollen den Spielern das Gefühl geben, dass sie bestmöglich gesichert sind. Es wird unsere Aufgabe sein, auf die aktuelle Situation Antworten zu finden. Viele Menschen im Profi-Fußball können derzeit nicht zur Arbeit gehen. Wenn es aber dann wieder losgeht, müssen wir Antworten finden, um die Spieler zu schützen."

+++ Saison-Abbruch derzeit kein Szenario +++

"Es gibt den einen Plan noch nicht. Es gibt durchaus unterschiedliche Ansätze. Es geht aber darum, die Saison zu Ende zu spielen, in diesem Rahmen bewegt es sich. Ein Saisonabbruch ist keine Plan, mit dem ich mich bisher befasst habe." Er stehe auch im Austausch mit verschiedenen politischen Ansprechpartnern: "Es ist aber jetzt schlicht noch nicht die Zeit, darüber zu sprechen." Er persönlich sei aber der Meinung, dass die Politik die Lage derzeit gut meistere. Die Maßnahmen für das öffentliche Leben und für den Fußball seien angemessen. 

+++ Geisterspiele als beste finanzielle Option +++

"Die Zahl 700 Millionen Euro (war als mögliche Gesamtsumme der Verluste für Liga und Klubs ins Gespräch gebracht worden, Anm.) möchte ich in ihrer absoluten Höhe nicht kommentieren. Sie kam zustande, als darüber spekuliert wurde, dass überhaupt nicht mehr gespielt werden kann. Dann entfielen die Zahlungen der Sponsoren und Medienpartner. Es ist so, dass die Spiele auf einige Zeit ohne Zuschauer in den Stadien stattfinden werden. Dann fallen die Zuschauereinnahmen weg. Das könnte natürlich über das Saisonende hinaus so sein. Wir befinden uns in Gesprächen mit den Klubs. Geisterspiele wären zumindest eine Option, die finanziellen Einbußen abzufedern."

+++ Solidaritätsfonds der CL-Klubs? Seifert klärt auf +++

"Wir haben darüber gesprochen. Wir haben uns als Präsidium damit noch nicht befasst. Das werden wir in einer der nächsten Sitzungen tun. Bayer München, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen haben uns von dieser Maßnahme informiert." Die vier Champions-League-Klubs der Bundesliga hatten sich zuletzt über einen solchen Fonds in Höhe von 20 Millionen Euro gesprochen. Geflossen ist das Geld aber noch nicht. 

Des weiteren zum Umgang mit den Medienpartner: "Das werden wir so partnerschaftlich angehen, wie man das kann." Eine Entscheidung stehe aber noch aus. 

+++ Einige Klubs schon bald in Gefahr? +++

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hat nach dem "Corona-Gipfel" der Deutschen Fußball Liga (DFL) verraten, dass einige Vereine bei einem Saisonabbruch und ausbleibenden TV-Einnahmen bereits im Mai oder Juni vor dem Aus stehen könnten.

"Ich möchte nicht detailliert über den Zustand einiger Klubs sprechen, aber einige könnten in eine existenzbedrohende Situation geraten, sollte die Saison nicht zu Ende gespielt werden", sagte Seifert nach der virtuellen DFL-Mitgleiderversammlung am Dienstag. 

Diesbezüglich gab Seifert auch bekannt, dass über die Verteilung der 20-Millionen-Euro-Spende durch Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen nicht diskutiert wurde. Das dafür zuständige DFL-Präsidium werde "in einer der nächsten Sitzungen" darüber beraten.

+++ Seifert stellt Maßnahmen-Katalog vor +++

"Zu alle erst geht es um den Schutz aller beteiligten Personen. Alle Unternehmen werden nach der Krise Zeit brauchen für einen Neustart. Dafür braucht es Pläne. In diesem Sinne haben wir jetzt vier Maßnahmen erarbeitet" 

Die Maßnahmen im Überblick:

Erstens: Die Klubs der beiden Bundesligin folgen der Empfehlung der DFL, dass der Spielbetrieb bis einsschließlich zum 30 April ausgesetzt werden. Gleichzeitig sollen alle Vereine mit dem Training bis 5. April aussetzen. Ziel sei weiterhin die Saison bis zum 30. Juni wieder zu Ende zu bringen. 

Gleichzeitig wird geprüft, wie sich die nächsten Spiele - allesamt ohne Zuschauer - durchführen lassen. "Gleichzeitig entwickeln wir für alle 36 Standorte des Profifußballs Produktionskonzepte dafür, wie sich mit geringstmöglichem Personaleinsatz vorübergehend auch Spiele ohne Anwesenheit von Zuschauern durchführen lassen." Die Spielorte Deutschlands werden präpariert und für die geplanten Geisterspiele vorbereitet. 

Drittens: Man bilde eine Task-Force, die darauf hinarbeite, die Gesundheit der Spieler während dieser Spiele zu gewährleisten. 

Außerdem werden Vereine im Lizenzierungsverfahren entlastet. Alle Klubs sollen die Chance bekommen, eine Lizenz für die nächste Spielzeit zu erwerben. Wegen der Folgen der Corona-Pandemie verzichtet die Deutsche Fußball Liga (DFL) im Lizenzierungsverfahren für die kommende Spielzeit bei den Vereinen auf die Überprüfung der Liquidität. Seifert weiter: "Allerdings wird die Überprüfung während der nächsten Spielzeit von Ende Oktober auf Mitte September vorgezogen", sagte Seifert.    Die DFL will in Not geratenen Profiklubs damit "die Möglichkeit und die Zeit geben, die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu bewältigen", sagte Seifert. Sollte ein Verein in Nöte kommen und gar Insolvenz anmelden müssen, wird zudem vom sonst üblichen Abzug von neun Punkten abgesehen. "In der kommenden Saison würde er nur drei statt wie bisher neun Punkte betragen", sagte Seifert.

Auf einen konkreten Plan zur unmittelbaren der 1. und 2. Bundesliga habe man sich aber noch nicht festgelegt. Es gebe "mehrere Pläne". 

+++ Seifert bedankt sich +++ 

Seifert ergreift das Wort zu Beginn der PK: "Wir haben heute zum ersten Mal eine Online-Sitzung abgehalten. Zuerst möchte ich mich ganz herzlich bedanken, vor allem bei meinen Kollegen im DFL-Präsidium. Aber auch für den engen Austausch mit den Klubverantwortlichen." Auch bei den Mitarbeitern der DFL wolle er sich bedanken, die derzeit im Homeoffice arbeiten müssten. "Deshalb vielen Dank an alle diejenigen, die im Hintergrund den Laden zusammen halten. Meine Empfindung ist, dass die Klubs noch nie enger zusammenstanden" Er zähle dazu auch die zahlreichen Aktionen von Ultra-Gruppierungen im Kampf gegen das Coronavirus. r 

+++ DFL-Boss Seifert erklärt die weiteren Schritte +++

Nach der Videokonferenz mit den 36 Profiklubs gibt DFL-Geschäftsführer Christian Seifert eine Pressekonferenz, auf der er die Entscheidungen der Liga erkläutert.

+++ Alle Infos zum DFL-Gipfel LIVE auf SPORT1 +++

SPORT1 hält Sie den ganzen Tag über auf dem Laufenden, sowohl im LIVESTREAM, als auch mit News und LIVETICKER auf SPORT1.de und in der kostenlosen SPORT1-App. Darüber hinaus wird SPORT1 in einer TV-Sondersendung ab 18 Uhr ausführlich über alle Ergebnisse und Folgen des DFL-Gipfels berichten.

+++ Pause bis 30. April vorgeschlagen +++

Das neunköpfige Präsidium der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat den Klubs bereits am vergangenen Dienstag eine Verlängerung der Corona-Zwangspause bis zum 30. April vorgeschlagen. Heute müssen die 36 Klubs der beiden Ligen bei der außerordentlichen DFL-Mitgliederversammlung die Empfehlung absegnen - das dürfte aber nur Formsache sein.