Auch den FC Bayern erwischte die Corona-Pause unvorbereitet
Auch den FC Bayern erwischte die Corona-Pause unvorbereitet © Getty Images
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München und Köln - Die Corona-Pause trifft die Vereine der Bundesliga hart. So wollen Dortmund, Leipzig und Co. die Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit der Spieler aufrechterhalten.

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Nach der Absage des kompletten 26. Spieltags der Bundesliga durch die Deutsche Fußball Liga (DFL) müssen die Bundesligisten die Balance zwischen Gesundheitsschutz wegen des Coronavirus und eigener Wettbewerbsfähigkeit finden. Sofern tatsächlich noch einmal angepfiffen wird.

SPORT1 hat bei den Bundesligisten nachgefragt und fasst die Corona-Fahrpläne von zwölf der 18 Vereine zusammen. Bei den restlichen sechs Klubs steht das Vorgehen noch nicht fest, bzw. es wurde noch nicht kommuniziert.

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FC BAYERN MÜNCHEN: Kein Kurzurlaub  

Bayern München schien etwas überrascht von der sofortigen Unterbrechung, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte noch am Freitagmittag mit einem Normalbetrieb am Wochenende gerechnet.

Nun bekamen die Stars des Rekordmeisters zwei freie Tage, erst zu Wochenbeginn wird auch an der Säbener Straße über das weitere Vorgehen entschieden. Allerdings will der Klub die Spieler nicht in den Kurzurlaub schicken.

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Spätestens Montagnachmittag sollen die Spieler erfahren, wie die kommenden Tage oder Wochen aussehen werden. Noch ist unklar, ob die Bayern weiterhin auf Trainingseinheiten an der Säbener Straße gänzlich verzichten oder die Spieler sich individuell und anhand von Trainingsplänen fithalten sollen.

Cheftrainer Hansi Flick kündigte bereits an, das Wochenende nutzen zu wollen, um sich mit seinem Trainerteam über die Trainingsmaßnahmen Gedanken zu machen. "Wir müssen gucken, dass wir die Mannschaft fit halten. Es geht jetzt Schritt für Schritt, keiner kann sagen, wie die nächsten Wochen aussehen", meinte der Cheftrainer.

BORUSSIA DORTMUND: Normaler Betrieb

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke hätte andere Ansätze als die sofortige Absage diskutiert, nun gilt es dennoch, den deutschen Profifußball aus "der größten Krise seiner Geschichte" zu befreien (zum Bericht).

Schwarzgelb hält den Trainingsbetrieb aufrecht. Der BVB trainierte bereits am Samstag, bevor es nach zwei trainingsfreien Tagen am Dienstag weitergehen soll. Es gibt Vorsichtsmaßnahmen für die Spieler: soziale Kontakte einschränken, keine Versammlungen, möglichst zuhause bleiben.

RB LEIPZIG: Spieler im Kurzurlaub 

RB Leipzig schickt seine Spieler wegen der Corona-Krise vorerst bis Freitag in Kurzurlaub. Das bestätigte der Klub am Samstag der Bild.

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"Die Spieler bekommen individuelle Laufpläne mit. Dazu gibt es einen Verhaltenskatalog. Die Jungs sollen es vermeiden, mit größeren Menschengruppen wie in Kaufhäusern oder Restaurants in Kontakt zu kommen", sagte Sportdirektor Markus Krösche. "Wir möchten auch nicht, dass die Jungs sich treffen und mit 20 Leuten Playstation spielen."

Außerdem schickte RB alle Nachwuchsspieler aus dem Jugendinternat heim zu ihren Eltern.

BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH: Trainieren für den Ernstfall

Am Freitagnachmittag hat Borussias Trainerstab den weiteren Ablauf für die Mannschaft festgelegt. Dieser wurde am Samstagmorgen mit den Spielern besprochen, danach ging die Mannschaft für etwa anderthalb Stunden auf den Trainingsplatz.

Am Sonntag und am Montag ist trainingsfrei, von Dienstag bis Donnerstag stehen vier Trainingseinheiten auf dem Programm, danach ist noch einmal drei Tage trainingsfrei. Alle Trainingseinheiten sind wegen des Corona-Virus bis auf Weiteres nicht öffentlich.

Die Spieler stehen auch nicht für Autogramme, Fotos oder Interviews zur Verfügung. "Wir bitten Fans und Medien um Verständnis für diese Regelung, an der wir zum Schutz der Gesundheit der Spieler und aller Beteiligten weiter festhalten müssen", sagte Borussias Sportdirektor Max Eberl.

Angesichts der aktuellen Entscheidungslage der DFL muss davon ausgegangen werden, dass das nächste Bundesligaspiel am 3. April bei Werder Bremen ansteht. "Auf diesen Termin stellen wir momentan unsere Planungen ab", kündigte Eberl an: "Das Spiel in Bremen ist in drei Wochen, es macht also keinen Sinn, die Spieler jetzt für einen längeren Zeitraum in den Urlaub zu schicken."

Dabei sei entscheidend, "die Mannschaft gesund und fit" zu halten. Gladbach will "gut vorbereitet sein, wenn wieder gespielt werden kann".

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Auf vorsorgliche Corona-Tests der Profis wird indes verzichtet. "Momentan geht es allen Spielern, Trainern und Betreuern gut, es gibt keinerlei Anzeichen für eine Infektion. Natürlich beobachten wir aber sehr genau, ob bei einem Spieler oder einem Mitglied der Staff Symptome auftreten, die einen Test nötig machen."

Der Sportdirektor betont die gebotene Vorsicht: "Selbstverständlich haben wir den Jungs Hinweise gegeben, wie sie sich im Moment auch in ihrem Privatleben verhalten sollen, um eine Ansteckung zu vermeiden.“

BAYER LEVERKUSEN: Nur drei Tage frei 

Die Mannschaft hat am Samstag trainiert. Bis einschließlich Dienstag ist frei, diese Tage dienen der Regeneration der Spieler nach den zurückliegenden Englischen Wochen. Ab Mittwoch wird nach einem regulären Trainingsplan weiter trainiert.

"Wir bereiten uns in Leverkusen intensiv auf das nächste derzeit geplante Spiel am 4. April gegen den VfL Wolfsburg vor. Dies intern, Testspiele gegen externe Gegner sind nicht geplant. Es gibt kein öffentliches Training, Pressekonferenzen sind nicht geplant", heißt es auf SPORT1-Nachfrage.

Außerdem teilt der Verein mit: "Die medizinische Betreuung der Spieler, Betreuer und natürlich auch die ihrer Familienangehörigen ist auf hohem Niveau wie immer. Aufgrund der besonderen Lage wurden Spieler und Mitarbeiter nochmals intensiv und umfangreich über das Coronavirus und die notwendigen hygienischen Verhaltensmuster informiert. Natürlich werden sofort entsprechende Tests durchgeführt, sollte es Hinweise auf eine Erkrankung geben. Derzeit gibt es innerhalb der Mannschaft und in deren Umfeld keine Erkrankungen am Coronavirus." 

Der Geschäftsbetrieb werde in den kommenden Tagen professionell aufrecht erhalten, aber gleichzeitig auf ein personelles Mindestmaß heruntergefahren.

Als Beispiele bisher erfolgter Maßnahmen nennt der Verein Folgendes: "Meetings verstärkt als Telefon- oder Videokonferenz, vorübergehende Aussetzung von externen Veranstaltungen und Tagungen in der BayArena, von Sport- und Sprachkursen, Einstellung von gemeinsamem Frühstück und Mittagessen der Belegschaft in den Räumlichkeiten von Bayer 04, eingeschränkter Zugang zur BayArena, Informationen an Fans per Homepage-Blog."

SCHALKE 04: "Home Office" für Königsblau

Schalke-Coach David Wagner gewährt seinen Jungs ein freies Wochenende, Montag kommt das Team zum Laktattest zusammen. Mittels der Tests, die in Mini-Gruppen (zwei Personen) durchgeführt werden, wird der Fitnessstand der Spieler überprüft.

Abhängig von möglichen Entzündungen werden individuelle Trainingspläne gestrickt. Die Spieler sind angehalten, die Übungen daraus, sprich ihre Arbeit, genauso wie normale Arbeitnehmer möglichst im "Home Office" zu erledigen. Schalke geht davon aus, dass der Spielbetrieb bis April ruht.

Zudem sollen alle Spieler in Gelsenkirchen und Umgebung bleiben und dürfen nicht verreisen, auch die ausländischen Spieler dürfen nicht in ihre Heimat zurück. Alle Spieler haben genaue Regeln und Verhaltensmaßnahmen in ihren Sprachen bekommen. 

Nicht nur die Profis, sondern auch der Nachwuchs ist betroffen. Die "Knappenschmiede", das Nachwuchsleistungszentrum der Schalker, bleibt bis auf Weiteres geschlossen.

UNION BERLIN: Pause bis zum Freitag

Aufsteiger Union Berlin teilte mit, dass das Profiteam am Samstag bei einem gemeinsamen Frühstück die Abläufe der nächsten Tage besprochen habe. Das Mannschaftstraining der Köpenicker sei vorerst ausgesetzt.

"Wir werden uns Stand jetzt am Freitagnachmittag versammeln und das gemeinsame Training wieder aufnehmen. Die Spieler haben individuelle Trainingspläne bekommen und werden sich selbständig auf die Fortsetzung der Saison fokussieren, bevor wir am Freitag wieder zusammen starten", sagte Union-Geschäftsführer Oliver Ruhnert.

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Man habe keine Reiseverbote ausgesprochen, betonte Ruhnert weiter, "aber es ist jedem klar, dass das kein Urlaub ist, sondern eine Unterbrechung der Saison. Viele Spieler haben ihre Familien hier, jeder der Jungs ist alt genug und hat genügend Kenntnis über die aktuellen Gegebenheiten. Jeder Spieler weiß, wie er sich zu verhalten hat".

EINTRACHT FRANKFURT: Trainingsbetrieb ruht 

Die Eintracht lässt den Trainingsbetrieb vorerst ruhen. Am Dienstag kommen die Spieler zu einem Laktattest zusammen, danach erwartet Trainer Adi Hütter seine Spieler erst am Montag, den 23. März wieder zum Training. Den Spielern und dem Betreuerstab wird für die Zwischenzeit auferlegt, nicht zu reisen und sich in den eigenen Räumlichkeiten aufzuhalten.

FC AUGSBURG: Training unter Herrlich

Beim FC Augsburg wurde - zumindest bei den Profis - am Samstag wie geplant unter dem neuen Trainer Heiko Herrlich trainiert. Die Einheiten finden jedoch in Zukunft unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, teilte der Klub mit. 

Der "Geschäftsbetrieb" im Verein werde zudem auf ein Minimum zurückgefahren.

FORTUNA DÜSSELDORF: Training ausgesetzt

Fortuna Düsseldorf stellt das Training seiner Bundesligamannschaft vorerst ein. Der Klub teilte am Samstag mit: "Das Team steht heute noch einmal auf dem Trainingsplatz. Morgen und am Montag hat die Mannschaft trainingsfrei. Danach wird entschieden, wie es mit dem Trainingsbetrieb weitergeht."

Am Freitag hatte die Deutsche Fußball Liga (DFL) erst wenige Stunden vor dem Heimspiel der Düsseldorfer gegen den SC Paderborn den gesamten Liga-Betrieb in der Bundesliga sowie der 2. Liga vorläufig eingestellt. Fortuna-Coach Uwe Rösler nannte die Absage "die einzig richtige Entscheidung".

WERDER BREMEN: Zwei Tage frei

"Das ist eine komplett neue Situation, die in der Form in der Bundesliga noch niemand erlebt hat", sagt Frank Baumann, Geschäftsführer Sport von Werder Bremen. "Uns ist klar, dass die Mannschaft jetzt erst einmal runterkommen sollte. Denn die Situation um den Virus ist keine, die vor den Spielern oder ihren Familien Halt macht." Wie viele andere Klubs hat Werder seinen Spielern erst einmal zwei Tage freigegeben, ehe das weitere Vorgehen geplant wird.

SC PADERBORN: Tests nach Kilians Corona-Befund 

Der SC Paderborn hingegen riegelte sich nach dem positiven Corona-Befund bei Verteidiger Luca Kilian ab. Als Vorsichtsmaßnahme verhängte das Tabellenschlusslicht am Samstag als erster Bundesligist eine 14-tägige häusliche Quarantäne für Teile seiner Mannschaft.

Die Ostwestfalen führten 45 Tests bei Spielern und Mitarbeitern durch, stellte bis auf Weiteres den Trainingsbetrieb ein und schloss die Geschäftsstelle.