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München - Nach den Vorfällen von Sinsheim wird hartes Durchgreifen gefordert. Warum das vielerorts gar nicht einfach ist, zeigt die Macht der Ultras.

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Karl-Heinz Rummenigge hat nach den Vorfällen von Sinsheim ein hartes Durchgreifen angekündigt.

Doch die Sache ist durchaus heikel wie ein Blick auf andere Bundesligaklubs in Deutschland zeigt. Schließlich hat in den vergangenen Jahren die Macht der Ultras in vielen Klubs zugenommen.

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SPORT1 zeigt Beispiele.

1. FC Nürnberg

Beim Club hat sich der Einfluss der Ultras auf die Aufsichtsratsgremien in den vergangenen Jahren über Generationen aufgebaut.

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"In Nürnberg gibt es Aufsichtsräte, die werden nur gewählt, wenn sie die Ultras hinter sich haben", sagte Frank Linkesch, der für den kicker über den Club berichtet, am Sonntag im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1. "Bei der Mitgliederversammlung kommen 600 bis 700 Leute, 200 bis 300 davon sind Ultras. Wenn du die nicht auf deiner Seite hast, dann kommst du nicht in dieses Gremium."

Letztlich ist das aber ein normaler demokratischer Vorgang: Wer seine Gruppe besser mobilisieren kann, erreicht leichter eine Mehrheit.

Eintracht Frankfurt

Bei der SGE herrscht zwischen den Vereinsbossen und den Ultras generell ein guter Austausch.

Die Ultras sind bekannt für ihre - vor allem in der Europa League - spektakulären Choreografien. Aber auch für Proteste, wie zuletzt beim Montagsspiel gegen Union Berlin, als der komplette Unterrang der Fankurve leer blieb. Auch das Abspielen der Eintracht-Hymne blieb auf Wunsch der Ultras aus. Nach dem Pokalsieg 2018 war es ein Capo der Ultras, der mit seinen Ansagen auf dem Römer den Fans mit de Mikro in der Hand die Helden präsentierte.

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Präsident Peter Fischer gibt sich gerne fannah und wurde bei den letzten Wahlen 2018 mit überwältigender Mehrheit von 99 Prozent für weitere vier Jahre im Amt bestätigt. Ohne die Stimmen der Ultras wäre ein solches Ergebnis nicht möglich gewesen.

Mainz 05

Der langjährige Präsident Harald Strutz sicherte seinen Machterhalt einst auch mit Zugeständnissen an die Ultras.

Mit einer Satzungsänderung gewährte Strutz den Ultras mehr Mitspracherecht im Verein. Mittlerweile sind neun von zehn Posten im Aufsichtsrat mit Personen von Ultras Gnaden besetzt.

Generell hat in den vergangenen Jahren der Einfluss von Ultras auf die Geschicke vieler Klubs zugenommen. Freilich nicht von heute auf morgen, sondern als schleichender Prozess oft über mehrere Jahre oder Jahrzehnte.

Die Ultras reklamieren für sich, in den Fankurven den Ton anzugeben. Dabei geht es ihnen nicht allein um die gute Stimmung, sondern auch um Macht, Mitsprache und Selbstbestimmung.

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Mehr Einfluss in den Gremien

Die gut organisierten Gruppen haben daher vielerorts versucht, in die Vereinsgremien vorzustoßen - oder zumindest deren Besetzung entscheidend zu beeinflussen.

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Den Ultras dabei aber eine Art "feindliche Übernahme" zu unterstellen, wäre der falsche Schluss, schließlich geht es ihnen in der Regel ja auch um das Wohl des Klubs.

Wenn nun einzelne aber über das Ziel hinausschießen, ist die in den vergangenen Jahren gestiegene Macht der Ultras ein entscheidender Grund, warum ein hartes Durchgreifen so schwierig ist.