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Die Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln findet ohne Zuschauer statt. Gladbach reagiert mit Verständnis und großem Bedauern.

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Das erste "Geisterspiel" in der Geschichte der Fußball-Bundesliga ist perfekt: Das rheinische Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am Mittwoch (Bundesliga: Borussia Mönchengladbach - 1. FC Köln ab 18.30 Uhr im SPORT1-Liveticker) wird ohne Publikum ausgetragen.

Diese Entscheidung gab die Stadt Mönchengladbach am Dienstag mit Blick auf die Ausbreitung des Coronavirus bekannt. Man setze damit einen für Dienstag vom Land Nordrhein-Westfalen angekündigten Erlass des Landesgesundheitsministeriums um, teilte die Stadt mit.

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Die Begegnung des 21. Spieltags war im ersten Anlauf aufgrund des Sturmtiefs "Sabine" zunächst abgesetzt und dann verlegt worden. Medienvertreter haben am Mittwoch aber Zugang, allerdings gibt es keine Mixed Zone.

Auch das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 am Samstag wird zum Geisterspiel. Auch die Begegnung von Werder Bremen und Bayer Leverkusen am kommenden Montag wird - wenn überhaupt - ohne Kulisse stattfinden.

Zudem hat die bayerische Staatsregierung hat Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern zunächst bis Ende der Osterferien (einschließlich 19. April) untersagt. Davon betroffen sind unter anderem Heimspiele des FC Bayern München.

Entscheidung trifft Gladbach "bis ins Mark"

"Wir bedauern es sehr, dass es zu dieser Entwicklung gekommen ist, folgen aber selbstverständlich den Vorgaben des Landes, das sich diese Entscheidung sicher nicht leicht gemacht hat", ließ Mönchengladbachs Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners in einer Pressemitteilung verlauten.

Am Mittag reagierte auch der Klub. "Der Tag ist eingetreten, den wir uns lange nicht gewünscht haben. Wir werden ein Derby haben ohne Zuschauer. Das trifft in erster Linie die Zuschauer, die Fans beider Fanlager", erklärte Gladbachs Geschäftsführer Stephan Schippers auf der Pressekonferenz.

Aber es "trifft auch den Verein Borussia Mönchengladbach bis ins Mark. Das hat finanzielle Auswirkungen", sagte Schippers: "Wir müssen nun auch abwarten: Bleibt es bei dem einen Spiel? Das ist eine Frage, die im gesamten Fußballdeutschland zu beantworten ist."

Der Verlust trägt pro Partie zwei Millionen Euro, da eine Ausfallversicherung bei einem Geisterspiel nicht greift. Schippers dazu: "Das tut jedem Verein, also auch Borussia finanziell weh."

Trainer Marco Rose erklärte: "Wir reden in der Kabine ganz normal über die Situation, ohne in Hysterie zu verfallen. Wir tragen die Entscheidung mit, auch wenn es sehr bitter ist, weil wir so ein Derby sehr gerne vor den Fans gespielt hätten."

Spahn empfiehlt Absage von Großveranstaltungen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte wiederholt die Absage von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern empfohlen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) prüft im Fall von "Geisterspielen" "die Möglichkeit von Anpassungen des Lizenzierungsverfahrens für die kommende Saison 2020/21, um finanzielle Nachteile infolge von Auswirkungen des Coronavirus entsprechend zu berücksichtigen".

Eine weitere Option sei es, "auf Basis der Statuten Auszahlungszeitpunkte von zentral generierten Einnahmen anzupassen, um Klubs im Fall von möglichen Liquiditätsengpässen zu entlasten".

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Schippers erklärte: "Man hätte sicherlich auf der einen Seite das Spiel verschieben können, singulär dieses eine Spiel. Trotzdem: Oberste Prämisse der Deutschen Fußball-Liga ist, den Spielbetrieb ordnungsgemäß und sauber zu Ende zu führen. Wir wissen heute noch nicht, ob das eine oder andere Spiel auf andere Art betroffen sein wird, durch Reiseverbote oder dergleichen. Insofern ist es jetzt richtig, dieses Spiel zu spielen."

Die Fans hätten nun "ein Recht darauf, diesen Preis erstattet zu bekommen. Das werden wir auch tun." Pressesprecher Markus Aretz erklärte zudem, dass die Spieler keine Selfies und Autogramme mehr geben sollen.

Abbruch der Saison keine Option

Die DFL hatte am Montag ein weiteres Mal darauf hingewiesen, dass eine Aussetzung oder ein Abbruch der Meisterschaft nicht infrage komme (zum Corona-Ticker: Alles Infos zur aktuellen Situation für den Sport).

"Die laufende Saison 2019/20 muss wie vorgesehen bis zum Sommer 2020 zu Ende gespielt werden, um Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer für die internationalen Wettbewerbe zu ermitteln", hatte die Liga mitgeteilt: "Nur so erhalten Klubs und DFL trotz schwieriger Umstände für die kommende Saison Planungssicherheit, zum Beispiel auch mit Blick auf Spielerverträge, die nur für eine Liga Gültigkeit haben."

In Gladbach war am vergangenen Samstag das Westduell zwischen Gladbach und Borussia Dortmund (1:2) noch ohne größere Einschränkung ausgetragen worden. Zu dieser Entscheidung bekannte sich die Stadt Mönchengladbach am Dienstag: "Vor diesem Spiel gab es weder eine klare Empfehlung von Bundesseite noch klare Vorgaben durch das Land. Die Mediziner, mit denen wir uns intensiv beraten haben, hielten es für verantwortbar, das Spiel nicht zu untersagen", wird Reiners zitiert.

Im Zuge der anhaltenden Diskussion um mögliche Geisterspiele hatte Köln bereits den Ticketverkauf für alle kommenden Heimspiele gestoppt. Der für Dienstag geplante Mitgliedervorverkauf für die Partie gegen RB Leipzig (11. April) wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Das teilte der FC mit.