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München - Werder Bremen steckt tief in der Krise. Trainer Florian Kohfeldt darf weiterarbeiten. Bei SPORT1 spricht ein früherer Spieler von ihm über den Fußballlehrer.

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Der Wind am Weserstrand wird rauer, aber Florian Kohfeldt steht immer noch als Trainer von Werder Bremen auf dem Trainingsplatz.

Acht Niederlagen in den zurückliegenden neun Liga-Spielen, das zehrt an den Nerven jedes Werder-Fans. Und der Blick auf die Tabelle dürfte das Gleiche auslösen wie bei einem guten Horror-Streifen. Nach 22 Spieltagen belegen die Bremer Platz 17. Es droht der erste Bundesliga-Abstieg seit 1980. (SERVICE: Die Tabelle der Bundesliga)

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Wo in fast jedem anderen Verein längst der Trainer aufgrund sportlicher Notwendigkeiten oder einfach nur Panik entlassen worden wäre, ist bei den Grün-Weißen alles anders. Kohfeldt trägt weiter die Hoffnungen auf eine Wende zum Guten, auch wenn die Zeit dafür reichlich knapp wird. 

Edel-Fan: "Denn hier denken alle ähnlich"

Werders Edelfan, Musiker Jan Delay, besingt in der Stadion-Hymne seine Liebe zum Verein. 

"Ja, immer wenn ich an der Weser steh', grüne Deiche und weißen Nebel seh', fängt mein Herz an aufzugehen. Und ich weiß dass ich zu Hause bin. Denn hier denken alle ähnlich. Und ich weiß es ist für ewig, weil ich eines nie verliere - meine grün-weiße Liebe."

Zumindest die Bosse denken ähnlich und stehen weiter in Nibelungentreue zu ihrem Coach. Kohfeldt selbst hat jüngst verlauten lassen, seinen Kampf nur dann aufzugeben, wenn er entweder nicht mehr die Rückendeckung des Vereins habe, keine Lösungsansätze mehr sehe oder die Mannschaft nicht mehr hinter sich wisse. Davon sieht er sich jeweils weit entfernt.

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"Ich bin nicht überrascht, dass die Bosse so lange an Kohfeldt festhalten. Sie wissen, was sie an ihm haben. Er ist einfach top, was Fachkompetenz und Menschlichkeit angeht. Ich glaube so einen Trainer wirst du nicht so schnell wiederfinden. Da schaut man länger über eine Krise weg", sagt Jesper Verlaat, der in der Bremer Jugend und in der Saison 2016/2017 in der zweiten Mannschaft unter Kohfeldt trainierte, im Gespräch mit SPORT1. Der 23-Jährige, Sohn des ehemaligen Werder-Abwehrchefs Frank Verlaat, spielt aktuell bei Zweitligist SV Sandhausen.

Verlaat überzeugt von Kohfeldt

"Es ist üblich geworden, dass nach vier verlorenen Spielen schon der Trainer entlassen wird, das war früher gar nicht so", erklärt der Innenverteidiger. "Ich kann es absolut verstehen, dass Werder an Kohfeldt festhält. Vom Gesamtpaket passt er einfach zum Verein."

Verlaat schwärmt geradezu von seiner Zeit unter Kohfeldt. "Er ist ein super Trainer, einer der Besten, was das Fußballerische angeht. Er hatte einen Matchplan. Bei ihm wusste jeder Spieler, was er zu tun hat."

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Kohfeldt habe viel von den Spielern gefordert. "Unter ihm habe ich zum ersten Mal gemerkt, was ein Trainer ausmachen kann."

Der Niederländer kannte den Coach schon aus der Zeit bei Werders U17. Damals war letzterer Co-Trainer von Viktor Skripnik, der von Oktober 2014 bis September 2016 Chefcoach bei den Profis war. Für Verlaat war es "normal, dass der Assistent näher dran ist an den Spielern und man sich gut versteht. Kohfeldt war so eine Art Kumpel, aber er konnte auch sehr autoritär sein."

Kumpel und Autoritätsperson

Es sei ein guter Mix aus Kumpel und Autoritätsperson gewesen, erinnert sich Verlaat. Doch, "wenn es nötig war", habe Kohfeldt immer auch Distanz gehalten. "Aber man war von Vornherein schon etwas closer. Er kann sich super in einen Spieler reinversetzen und nimmt dich auch mal zur Seite, baut dich auf. Und er steht nicht über den Dingen."  

Natürlich durchlebe Kohfeldt aktuell mit Werder eine "verdammt schwere Situation. Kohfedt ist schon ein Perfektionist, er will, dass alles richtig läuft, das nagt gerade an ihm."

Verlaats verfolgt Werders Auftritte nach wie vor intensiv. Seine Ferndiagnose: "Die Leichtigkeit ist weg. Teilweise spielt Werder noch guten Fußball, aber die Ideen von Kohfeldt greifen nicht mehr alle. Die gegnerischen Mannschaften stellen sich jetzt auch gut auf Werder ein. Ein Sieg in der Liga wäre eine Befreiung für das Team und Kohfeldt. Man sollte sich kleine Ziele setzen, um wieder positiv zu sein."

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Der Blondschopf ist davon überzeugt, dass Werder die Kurve kriegt - mit Kohfeldt. "Der Mannschaft tut diese Konstanz auch gut. Beharrlichkeit führt zum Ziel. Absteigen wird der Verein nicht."