SPORT1-Redakteur und Schiedsrichter Jonas Nohe kann mit der neuen Gelb-Regel wenig anfangen
SPORT1-Redakteur und Schiedsrichter Jonas Nohe kann mit der neuen Gelb-Regel wenig anfangen © SPORT1-Montage: Picture Alliance/SPORT1
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In der Bundesliga wird eine Lockerung der neuen Gelb-Regel diskutiert. Im Amateurfußball hat das neue Vorgehen ohnehin nichts zu suchen. Ein Kommentar.

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Nun also die Kehrtwende.

Vier Spieltage nachdem die Schiedsrichter der deutschen Top-Ligen durch eine DFB-Direktive dazu angehalten wurden, Unsportlichkeiten konsequenter zu ahnden - de facto also schneller Gelbe Karten zu zeigen - wird in obersten Fußball-Kreisen bereits über eine Lockerung der Regel nachgedacht.

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Mit der Vorbildfunktion des Profifußballs für den Amateurbereich wurde das neue Vorgehen unter anderem begründet. Nun allerdings scheint es schneller Geschichte zu sein, als es auf den meisten Sportplätzen des Landes ankommen konnte: Im Amateurfußball haben gerade erst die Vorbereitungsspiele auf die Rückrunde begonnen.

Neue Regelauslegung der Bundesliga

Unabhängig davon, für welche Regelauslegung sich die deutschen Spitzenschiedsrichter in Zukunft entscheiden: An meiner Herangehensweise als Amateur-Schiedsrichter wird sich nichts ändern - und ich bin mir sicher, dass es vielen Kollegen genauso geht.

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In rund 100 Amateurspielen, die ich inzwischen geleitet habe, bin ich bisher mit einem einzigen Platzverweis, einer Gelb-Roten Karte, ausgekommen.

Hätte ich mehr verteilen können? Mit Sicherheit. Aber was hätte ich davon gehabt?

Schiris sollten sich nicht in den Vordergrund stellen

Am Ende geht es doch darum, dass auf dem Platz inklusive Unparteiischem 23 Leute ihrem Hobby nachgehen - dem Fußball.

Solange dem keiner im Wege steht und ein respektvoller Umgang unter allen Beteiligten herrscht, gibt es für mich als Schiedsrichter keinen Grund, mich unnötig in den Vordergrund zu stellen.

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Wenn also jemand nach einer Entscheidung voller Unverständnis abwinkt oder mal kurz seinen Frust rausschreien muss, ohne dabei persönlich gegen mich oder einen Gegenspieler zu werden, dann soll er das meinetwegen tun.

Das heißt nicht, dass es keine Grenze gibt. Aber wenn es bei einem Spiel grundsätzlich fair und respektvoll zugeht, spricht doch nichts dagegen, diese Grenze etwas weiter zu ziehen.

Natürlich müssen Bundesliga-Schiedsrichter bei all den Augen, die allwöchentlich auf sie gerichtet sind - egal ob durch die Medien, die Vereine oder die Schiri-Beobachter - ein Spiel anders leiten, stringenter pfeifen.

Schalke-Trainer Wagner hat recht

Aber, und da bin ich ganz der Meinung von Schalke-Trainer David Wagner: Durch mehr Gelbe Karten in der Bundesliga wird es im Amateurfußball keinen einzigen Gewaltexzess weniger geben.

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In den unteren Ligen tun sich Schiedsrichter durch das übermäßige Wedeln mit Gelben und Roten Karten ohnehin keinen Gefallen. Meiner Erfahrung nach heizt das die Stimmung auf den Sportplätzen des Landes meist eher auf, als sie zu beruhigen.

Daher sollte für jeden Unparteiischen im Umgang mit den Spielern auf dem Platz ein Leitsatz entscheidend bleiben: Mehr reden, weniger hören!

Das gilt im Übrigen für Bundesliga-Schiedsrichter genauso wie für Amateur-Schiris.