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Gelsenkirchen - Seit dem Sieg gegen Gladbach vor fünf Wochen ist für Schalke nichts mehr zu holen. David Wagner befindet sich in seiner schwierigsten Phase als Trainer auf Schalke.

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David Wagner schüttelte ungläubig den Kopf.

"Jeder versucht uns hier zu erzählen: Oh Gott, wie schlimm – was haben wir für eine schlechte Saison", führte der Schalke-Trainer aus. Das sei aber mitnichten der Fall. Königsblau spiele weiterhin eine herausragende Saison. Zurzeit sei es nur ein wenig zäh.

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"Wir sind immer noch Sechster", sagte der 48-Jährige. "Damit hätte nach der letzten Saison doch niemand gerechnet." Und weiter: "Es wäre am Ende eine herausragende Saison, wenn wir die internationalen Plätze erreichen."

Macht Schalke allerdings so weiter, wird es nichts mit dem Europa-Traum. Seit dem überzeugenden Rückrunden-Auftaktsieg vor fünf Wochen gegen Borussia Mönchengladbach (2:0) klappt beim Pott-Klub nichts mehr. Die Formkurve zeigt nach unten. Die Bilanz seither: Fünf Spiele, kein Sieg, drei Remis, zwei Pleiten und 1:11 Tore.

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Sportchef Jochen Schneider sagte nach der 0:5-Heimklatsche gegen RB Leipzig: "Die Euphorie aus der Hinrunde ist schon verflogen. Aber das ist auch ganz normal. Das ist eine Phase, die sicher unschön ist, die aber jeder hat."

Es gebe genügend Gründe, warum S04 aktuell "nicht diese Form" habe. SPORT1 nennt sie.

Enorme Verletztenmisere

In Salif Sané (fällt seit November mit einer Knieverletzung aus), Benjamin Stambouli (Oktober/Fußbruch) und Daniel Caligiuri (Februar/Knieverletzung) fallen wichtige Spieler bis auf Weiteres aus. Zuletzt wog vor allem der Ausfall von Nationalspieler Suat Serdar (schon sieben Tore) schwer, der am Sprunggelenk verletzt war und in der Hinrunde neben Amine Harit (sechs Tore) ein Schlüsselspieler in der Offensive war.

Immerhin: Serdar ist gegen Leipzig zurückgekehrt und spielte über 70 Minuten. "Zu viele Spieler sind im Moment unter ihrer eigentlichen Form. Das ist aber normal", findet Wagner. "Wenn du über einen längeren Zeitraum fünf, sechs potenzielle Stammspieler ersetzen musst, dann macht das was." Und Schneider ergänzt: "Uns fehlen schon länger einige wichtige Spieler. Wir suchen keine Alibis. Aber das hat natürlich Einfluss auf die Trainingsqualität."

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Harit sucht seine Form

Kurz vor der Halbzeitpause fuhr Amine Harit gegen Leipzigs Christopher Nkunku den Ellenbogen aus und sah dafür zurecht Gelb. Harit wirkte in dieser Szene frustriert. Der Marokkaner, der in der Hinrunde überragend aufspielte, sucht seine Form.

Wie wichtig Harit für das Schalker Offensivspiel ist, hat er in der ersten Halbserie mit seinen sechs Treffern und vier Assists eindrucksvoll gezeigt. Gegen Leipzig lief das Spiel allerdings erneut an ihm vorbei. Klar ist: Der Dribbelkünstler profitierte in der Hinrunde vom Zusammenspiel mit Serdar. Dessen Ausfall erschwerte die Aufgabe des sensiblen Mittelfeldspielers zuletzt enorm.

Junge Mannschaft unter Druck

Schalke stellt mit einem Altersdurchschnitt von 24,8 Jahren hinter Leipzig (24,2) und Mainz (24,5) die jüngste Mannschaft der Bundesliga. In Ozan Kabak, Rabbi Matondo und Ahmed Kutucu spielten gegen Leipzig gleich drei 19-Jährige. Weston McKennie (21) sowie Harit, Serdar und Jonjoe Kenny (alle 22) sind ebenfalls relativ jung. "Die letzten fünf Ligaspiele waren nicht gut", erklärte Kenny. "Das Selbstvertrauen ist weg."

Nach den 0:5-Klatschen gegen Bayern und Leipzig sowie den Nullnummern gegen Hertha und Mainz wird die Verunsicherung im Team größer. "Solche Resultate beeinflussen eine junge Mannschaft natürlich", räumt Wagner ein. 

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Lizenzspielerchef Sascha Riether meint: "Das geht jetzt natürlich in die Köpfe rein. Gerade nach den letzten Spielen, wo von außen Unruhe reinkommt und gesagt wird: 'Hey, ihr könnt nicht mehr gewinnen'. Dann kommen auch noch die ersten Pfiffe rein. Wir haben einige Junge auf dem Platz, die sowas erst noch verkraften müssen. Das Vertrauen ist zurzeit nicht da, das sieht man. Dinge, die in der Hinrunde noch funktionierten, laufen aktuell nicht."

Die Unruhe um Nübel

Erste Pfiffe gab es am Samstagabend auch gegen Alexander Nübel.

Seitdem der Wechsel des Torhüters zur kommenden Saison zum FC Bayern in der Winterpause verkündet wurde, ist die Personalie ein beherrschendes Thema.

Es mag eher ein Thema sein, dass in der Öffentlichkeit diskutiert wird als im Kreise der Mannschaft.

Fakt ist aber auch: Nübel wurde als Kapitän abgesetzt. Und gegen Leipzig sah er beim ersten Gegentor durch Marcel Sabitzer direkt in der ersten Minute alles andere als gut aus.

Wagner will möglichst wenige Störfeuer um Nübel aufkommen lassen, erstickte nach der Pleite gegen Leipzig eine drohende Torhüterdiskussion im Keim.

Knackpunkt DFB-Pokal

Schalke kämpfte sich zwar in einem Pokal-Fight gegen Hertha (3:2 nach Verlängerung) in die nächste Runde, musste dem Viertelfinal-Einzug aber Tribut zollen. Serdar und Daniel Caligiuri verletzten sich, zudem ging die Mannschaft ans absolute Leistungslimit. "Wir befinden uns in der schwierigsten Phase, seit ich hier bin", räumt Wagner ein. "Ich bin darüber aber nicht überrascht. Nach dem Berlin-Spiel hier im Pokal war absehbar, dass es ganz unangenehm werden kann."

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Wie geht es jetzt weiter für Schalke? Am Sonnabend geht es zu Überraschungs-Team 1. FC Köln (Bundesliga: 1. FC Köln - Schalke 04, Sa. ab 18.30 Uhr im LIVETICKER), danach im Pokal gegen die Bayern und in der Liga gegen Hoffenheim sowie Dortmund. "Es ist extrem wichtig, dass wir ehrlich zueinander sind und die Probleme ansprechen", erklärt Wagner. "Das Schlimmste wäre, wenn wir jetzt die Köpfe hängen lassen."

Riether nimmt indes das Team in die Pflicht: "Jetzt zeigt es sich, ob wir eine Mannschaft sind, ob Einzelne ausbrechen und große Töne spucken. Wenn es nicht läuft, zeigen sich die wahren Charaktere. Wir müssen uns alle hinterfragen und schauen, wie wir da rauskommen."