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München - Die Sprache in dem Dossier, das Berlins ehemaliger Trainer über Herthas Führung und Mitarbeiter angelegt hat, ist verräterisch, findet SPORT1-Chefredakteur Pit Gottschalk.

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Es ist nichts Ungewöhnliches, wenn eine Führungskraft der Bundesliga Gesprächsprotokolle anlegt und die Situation bei einem Fußballklub inklusive Personalbesetzung anschaulich bewertet.

Jürgen Klinsmann sah sich offenbar dazu berufen. Als Aufsichtsratsmitglied bei Hertha BSC konnte er ursprünglich nur strategische Fragen beantworten und das Tagesgeschäft allein anhand dessen, was man ihm zutrug, einordnen. Als er Trainer wurde, änderte sich die Perspektive: Er bekam Einblicke, wie sich Entscheidungen, die oben fielen, unten auswirken. Genau das protokollierte Klinsmann.

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Was sein Tagebuch so ungeheuerlich macht: die Sprache. In den Einträgen, die Sport-Bild gestern enthüllte, fehlt jede diplomatische Zurückhaltung, jede Differenzierung und notwendige Selbstreflexion, um ein ganzheitliches Bild von der Situation beim Hauptstadtklub zu zeichnen, jeder Respekt.

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Das Protokoll kann man so zusammenfassen: Ich, ich, ich, Hüter der einzigen Fußballweisheit. Sicherlich gibt es an Sportchef Michael Preetz einiges zu bekritteln. Doch auch das gehört zur Wahrheit: Preetz hat den Verein durch einige sportliche Täler geführt - nur eben nicht in neue Höhen.

Klinsmann hinterlässt Verein in Trümmern

Weil Klinsmann jetzt Lügen innerhalb der Vereinsführung unterstellt und ein gestörtes Vertrauensverhältnis zu Preetz, ruft er zwangsläufig eine alte Volksweisheit in Erinnerung: Wenn du mit einem Finger auf andere zeigt, zeigen drei Finger auf dich selbst.

Warum hat er seinen Befund nicht im Aufsichtsrat vorgetragen? Wieso müssen seine Vorwürfe in so dramatischen Worten formuliert sein, wenn die Argumentation überzeugend ist? Wann wollte er Preetz darauf ansprechen? Lieber handelte er hinterrücks, nicht transparent, und verdrückte sich, statt Lösungen anzubieten.

Das Resultat: ein Verein in Trümmern. Mit seiner beschworenen Liebe zum Verein kann es da nicht weit her sein. Preetz jedenfalls hat Hertha BSC, bei aller Fehleranfälligkeit, in den vielen Jahren niemals so der Lächerlichkeit preisgegeben; Klinsmann schaffte das in zehn Wochen.

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Wenn er tatsächlich der Reformer ist, der er immer sein wollte, hätte er einen nachvollziehbaren Plan verfolgt, wie eine Besserung herzustellen ist. Die Protokollnotizen legen nahe, dass er außer einem Rundumschlag keine brauchbaren Vorschläge parat hatte. Man muss es so sagen: Er ist entlarvt.

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Hertha BSC darf das Missverständnis mit Klinsmann nicht daran hindern, trotzdem scheinbare Gewissheiten zu hinterfragen. Die Mannschaft ist ja nicht zufällig in die missliche Lage gerückt, grau und abstiegsgefährdet aufzutreten. Preetz trägt eine Mitschuld daran und muss, wenn ansonsten keine Besserung in Sicht ist, notfalls seinen Posten räumen.

Die Analyse aber kann man mit Respekt vor seiner bisherigen Arbeit tun. Hier offenbart sich die eigentliche Schwäche des Klubs: Es ist keine Sportkompetenz da, die das tun könnte. Klinsmann sollte diese Person sein. Und war ein Fehlgriff.

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