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In Spiel 1 nach der Generalabrechnung von Jürgen Klinsmann steuert Hertha BSC bei Fortuna Düsseldorf auf ein Debakel zu. Nach der Pause allerdings gibt's eine furiose Aufholjagd.

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45 Minuten lang machte sich Hertha BSC im Freitagsspiel bei Fortuna Düsseldorf mal wieder zum Gespött der Liga - doch als keiner mehr damit rechnete, folgte eine spektakuläre Wende.

Aus einem 0:3 machten die angezählten Berliner in der zweiten Hälfte noch ein 3:3 und stellten damit eindrucksvoll unter Beweis, dass die Mannschaft nicht gewillt ist, sich nach dem Trubel um Jürgen Klinsmann weiter der Lächerlichkeit preiszugeben. 

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"Die erste Halbzeit ist für mich schwer zu erklären", sagte Trainer Alexander Nouri. "In der Pause hat Thomas Kraft einen Appell an die Mannschaft gerichtet, großen Respekt davor. Nach dem 0:5 zu Hause und dem 0:3 zur Halbzeit so zurückzukommen, ist schon Wahnsinn. Was wir mitnehmen, ist die Moral, die die Mannschaft gezeigt hat."

Ähnlich argumentierte Per Skjelbred: "Die erste Halbzeit war Chaos, ein Fiasko. Das geht nicht", sagte der Norweger bei DAZN. "Danke an alle Götter da oben und an die Unterstützung der Fans, dass wir es dann noch gedreht haben. Wir hätten das Spiel fast noch gewinnen können. Es war ein sehr wichtiger Punkt."

"Es war ein Mentalitätsspiel"

"Es war ein Mentalitätsspiel und nicht einfach", sagte der zur Halbzeit  eingewechselte Maximilian Mittelstädt. "Das zeigt, dass wir eine super Moral haben. Mit dem Punkt können wir sehr zufrieden sein."

Durch die Aufholjagd bleibt Herthas Vorsprung auf die Fortuna auf dem Relegationsplatz damit weiter sechs Punkte. (Das Spiel zum Nachlesen im LIVETICKER)

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Düsseldorfs Torhüter Florian Kastenmeier war entsprechend bedient: "Wir sind viel zu passiv geworden. Das ist am Ende bitter."

Ein kurioses Eigentor von Erik Thommy (64.), der Treffer von Matheus Cunha (67.) und ein verwandelter Foulelfmeter von Krzysztof Piatek (76.) brachten die Gäste nach einer katastrophalen ersten Halbzeit vor 31.632 Zuschauern zurück. (SERVICE: Die Tabelle

"Ich spiele zuerst klar den Ball", ärgerte sich Kastenmeier über die Szene vor dem Elfmeter: "Wozu haben wir den Video-Schiedsrichter eigentlich?" Fortuna war durch Kenan Karaman (6., 45.+1) und Thommy (9.) zunächst in Führung gegangen und hatte die Partie lange Zeit unter Kontrolle. 

Herthas Spiel 1 nach Klinsmann Abrechnung 

Ex-Bundestrainer Klinsmann hatte in einer Generalkritik in Tagebuchform zu seiner 76-tägigen Dienstzeit alles und jeden im Verein gnadenlos attackiert. Vor allem Sportdirektor Michael Preetz ("Lügenkultur ohne Anspruchsdenken") bekam sein Fett weg, aber auch Spieler wurden heftig attackiert. Unter anderem Torhüter Thomas Kraft.

Nouri schenkte dem ehemaligen Münchner als einem von insgesamt sieben (!) Neuen im Vergleich zum 0:5-Debakel gegen Köln in der Hertha-Startelf das Vertrauen

Doch die umgebauten Gäste erwischten im Düsseldorfer Nieselregen einen Fehlstart. Fortuna-Regisseur Kevin Stöger überspielte mit einem langen Ball die gesamte Hertha-Abwehr, ehe Karaman die Nerven behielt und den unglücklichen Kraft tunnelte. Kurz darauf ließ Thommy in Folge einer Hertha-Ecke den völlig indisponierten Ex-Düsseldorfer Dodi Lukebakio an der linken Strafraumkante stehen und erhöhte im Fallen durchaus sehenswert auf 2:0.

Thommy-Eigentor leitet Aufholjagd ein

Der frühe Rückstand schockte Hertha sichtlich, das schmierige Geläuf und Düsseldorfer Sorglosigkeiten brachten den Gästen dennoch hochkarätige Chancen. Klinsmann-Einkauf Piatek vergab gleich drei davon. Nach einem Ausrutscher von F95-Keeper Kastenmeier verfehlte der 23-Millionen Mann von der Torauslinie erst den leeren Kasten (12.), scheiterte im Eins-gegen-Eins am bärenstarken Düsseldorfer Keeper (30.) und zielte dann bei einer Volleyabnahme knapp daneben (32.).

Die Fortuna wurde wachgerüttelt. Über Stöger und den einmal mehr agilen Thommy drangen die Hausherren immer wieder einfach ins Halbfeld der Berliner vor. Nach einer Hereingabe ließ Rouwen Hennings clever für Karaman durch, der nur noch einschieben musste.

Der scheidende Sportvorstand Lutz Pfannenstiel lobte in der Pause am DAZN-Mikrofon die hohe Effizienz, mahnte aber: "Wir müssen es weiter konzentriert runterspielen." Das gelang nicht. (SERVICE: Der Bundesliga-Spielplan)

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Nouri besetzte zur Pause die Flügelpositionen mit Mittelstädt und Marius Wolf neu. Die Gäste übernahmen mehr Spielkontrolle, Fortuna war bei Kontersituationen nicht konsequent genug. 

Aus dem Nichts brachte Thommy, der eine Flanke unglücklich mit der Hand ins Tor beförderte, den Gästen neue Hoffnung. Der abgefälschte Cunha-Schuss sorgte dann endgültig für lange Zeit nicht denkbare Spannung. Fortuna wurde nervös und kassierte den Foulelfmeter. Piatek verwandelte cool. Cunha traf in der 90. Minute zudem den Pfosten.