Mamadou Doucoure wartet fast dreieinhalb Jahre auf sein Profidebüt in Mönchengladbach
Mamadou Doucoure wartet fast dreieinhalb Jahre auf sein Profidebüt in Mönchengladbach © Getty Images
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München - Die Beziehung zwischen Mamadou Doucoure und Borussia Mönchengladbach ist ungewöhnlich. Am Valentinstag gibt es trotz Dauer-Verletzung eine Verlängerung für den Youngster.

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Die Bekanntgabe war fast schon zu kitschig. Eine Vertragsverlängerung am Valentinstag? Große Gefühle in Gladbach?

Keine Frage: Ein gemeinsames Bekenntnis zu einer gemeinsamen Zukunft am Tag der Liebe hat durchaus romantische Züge, wird im knallharten Bundesliga-Business aber normalerweise unter Zufall verbucht werden.

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Normal ist bei Mamadou Doucoure seit Jahren allerdings nur wenig. Das Verhältnis zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 21-Jährigen ist ein besonderes. (Bundesliga: Fortuna Düsseldorf - Borussia Mönchengladbach am Samstag ab 18.30 Uhr im LIVETICKER)

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Gladbach verlängert mit Doucoure

Deshalb ist die Verkündung eines neuen Vertrags am Valentinstag durchaus ein Zeichen, symbolträchtig. Und ja, auch ein wenig romantisch. So viel Zeit muss auch im schnelllebigen Fußball-Geschäft sein. Denn der Fall Doucoure ist nicht nur speziell, sondern in der Form auch selten.

"Wir setzen voll auf ihn und glauben an sein großes Talent. Er kann und soll in Zukunft noch ein wichtiger Spieler für uns werden", sagt Sportdirektor Max Eberl.

Doucoures ursprüngliches Arbeitspapier wäre noch bis 2021 gelaufen, über die neue Laufzeit wurden keine Angaben gemacht. Man habe für beide Seiten klare Verhältnisse schaffen wollen, erklärt Eberl: "Wir können mit ihm in der Defensive planen - und er hat die Chance, sich in aller Ruhe weiterzuentwickeln."

Gleichzeitig ist die Unterschrift also ein Vertrauensbeweis, die wichtige Botschaft von beiden Seiten, dass der Abwehrspieler auf dem Weg zurück ist.

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Doucoure wartet lange auf Profi-Debüt

Mal wieder, muss man dazu sagen, denn seine Leidenszeit ist beinahe schon eine unendliche Geschichte. Bitter ist sie allemal, im Grunde fast tragisch, denn auf sein Profidebüt wartet der Dauer-Pechvogel bis heute. Konkret seit über dreieinhalb Jahren - so lange ist der Franzose in Gladbach unter Vertrag.

Dabei gab es einige Top-Konkurrenten, die die Borussen im Sommer 2016 im Buhlen um den Abwehrspieler ausstachen. Ein U17-Europameister von 2015, ein Mega-Talent von Paris St. Germain: ohne Frage ein echter Coup! Ihr Juwel statteten sie deshalb gleich mal mit einem Fünfjahresvertrag aus.

Doch die unfassbare Pechsträhne begann, noch bevor Doucoure in Gladbach war: Im letzten Spiel für die U19 von PSG zog er sich einen Muskelbündelriss zu - den ersten von vielen.

32 Junioren-Länderspiele für die U16-, U17- und U18-Teams aus Frankreich hatte er bereits gesammelt. Ein vielversprechendes Talent, das in der Folgezeit vor allem Ausfalltage sammeln sollte.

Doucoure geplagt von Muskelrissen

1041 sind es laut transfermarkt.de bis heute, also fast drei komplette Jahre. Immer wieder versuchte er ein Comeback, ehe der Muskel im Oberschenkel erneut riss, viermal insgesamt, hinzu kam ein schwerwiegender Muskel-Teilabriss.

Die Verletzungen kamen in den Jahren mit einer ebenso grausamen wie unheimlichen Regelmäßigkeit. Deshalb stand immer auch die menschliche Komponente im Mittelpunkt. Wie ein junges Talent fern der Heimat mit den beständigen Rückschlägen klar kommt, ist keine unwesentliche Frage, sondern in dem Alter eine zentrale.

Das wissen auch die Mitspieler, die ihn immer wieder unterstützen. Als Doucoure im Januar bei einem Testspiel der Profis ein Tor erzielte, feierte ihn die ganze Mannschaft, als hätte er den Siegtreffer gegen die Bayern erzielt.

Kein Wunder: Doucoure hat sich nie hängen lassen. Und ein Ende ist jetzt endlich in Sicht. Zehn Mal stand er seit Sommer 2016 auf dem Platz, ausnahmslos in der Regionalliga für die U23, sieben Mal davon in dieser Saison, zweimal in diesem Jahr, nachdem der letzte Muskelbündelriss seit März 2019 verheilt ist.

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Doucoure endlich verletzungsfrei

Seitdem ist er weitgehend verletzungsfrei, wird behutsam aufgebaut und herangeführt. Eine Muskelverhärtung sorgte im Winter noch einmal für eine Pause, doch im Trainingslager in Jerez deutete er an, was er kann: Er ist zweikampfstark, schnell, mit einer beeindruckenden Ruhe und Abgeklärtheit ausgestattet, dazu spielerisch ansprechend. Eine echte Verstärkung.

Am Freitag, dem Tag seiner Vertragsverlängerung, spielte er in der Regionalliga gegen Bonn 45 Minuten. Klar ist: Doucoure ist bereit, seine Einsatzzeiten bei der U23 sollen deshalb schrittweise erhöht werden, um dann auch bald bei den Profis durchstarten zu können.

Trainer Marco Rose freut sich auf seinen Quasi-Neuzugang. "Und wenn er dann sein erstes Pflichtspiel für uns macht, wird das sicher eine sehr emotionale Angelegenheit."

Und bestimmt auch ein bisschen kitschig. Zu Recht.