Manuel Neuer verschuldete das 1:1 gegen Paderborn
Manuel Neuer verschuldete das 1:1 gegen Paderborn © Getty Images
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München - Der FC Bayern schießt sich mit Ach und Krach zu einem Sieg gegen Paderborn. Manuel Neuers Patzer bleibt wegen Robert Lewandowskis Doppelpack folgenlos.

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Manuel Neuer wirkte nicht so, als habe er gerade um ein Haar die größte Blamage des FC Bayern in der laufenden Saison verschuldet. 

"Was heißt verschätzt?", konterte der Keeper bei DAZN die Frage nach seinem Ausflug in der 44. Minute. Da war Neuer aus seinem Kasten gestürmt, doch Dennis Srbeny war Sekundenbruchteile vor ihm am Ball. Der 33-Jährige musste mit ansehen, wie der Paderborn-Stürmer den Ball zum zwischenzeitlichen 1:1 ins Tor beförderte.

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"Die Situation war 50:50. Er kommt aus der zweiten Reihe. Ich hatte Respekt davor, ihn umzuhauen, weil es sonst Rot gibt. Er kommt vorher an den Ball, das gehört zu meinem Spiel dazu. Wenn ich das 100 Mal mache, klappt es 99 Mal", sagte der Torhüter.

Neuers - und damit Bayerns - Glück hatte mal wieder einen Namen: Robert Lewandowski. Der polnische Torjäger rettet die Münchner nach einem ernüchternden Auftritt mit seinem späten Treffer beim 3:2 (1:1) gegen den SC Paderborn die Generalprobe für den Champions-League-Kracher gegen den FC Chelsea. 

Lewandowski rettet die Bayern

Lewandowski erzielte in der 88. Minute das Siegtor, zuvor hatten Serge Gnabry (25.) und Lewandowski (70.) die Bayern vier Tage vor dem Achtelfinal-Hinspiel in London zweimal in Führung gebracht. Doch Dennis Srbeny nach Neuers Stellungsfehler (44.) und Joker Sven Michel (75.) glichen jeweils aus. Auch beim 2:2 ließ Neuer einen Schuss vor Michels Füße abklatschen.

Trotz seines Fauxpas war der Bayern-Keeper am Ende mit dem Spiel - und vor allen den drei Punkten - zufrieden. "Blöd, dass wir wieder ackern mussten nach dem 2:2. Unser größtes Ziel die Partie für uns zu entscheiden. Wir mussten ein wegen den Gelbsperren bisschen umstellen, hatten eine andere Formation. Es war klar, dass wir unser Spiel nicht so durchziehen konnten. In der ersten Halbzeit haben wir viele Chancen vergeben."

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Bayern-Trainer Hansi Flick änderte angesichts der Sperren von Jerome Boateng und Benjamin Pavard überraschend erstmals sein bewährtes System: Die Abwehr mit Joshua Kimmich, David Alaba und Lucas Hernandez agierte als Dreierkette. Auf den Halbpositionen sollten Winterzugang Alvaro Odriozola bei seinem Startelf-Debüt und Alphonso Davies für Schwung sorgen, was nur bedingt gelang.

Goretzka muss passen

Nach den nervenaufreibenden 90 Minuten zollte Flick dem Gegner Respekt. "Paderborn", sagte er, "hat uns absolut gefordert bis zum Letzten."

Zumindest anfangs zeigte Odriozola seine offensiven Qualitäten, Lewandowski vergab nach Flanken des Spaniers (8., 14.). Doch das waren bis zur Führung die einzigen Gelegenheiten der zwar überlegenen, aber zu ungenauen Münchner gegen gut organisierte Gäste. Erst Gnabry brach in seinem 100. Bundesligaspiel nach Zuspiel von Corentin Tolisso den Bann, als er sich auf engstem Raum gegen drei Paderborner durchsetzte und zur Führung traf. (LIVETICKER zum Nachlesen)

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Tolisso durfte anstelle von Leon Goretzka ran, der kurzfristig wegen muskulärer Probleme passen musste. Thomas Müller wurde zunächst für London geschont, dafür erhielt Philippe Coutinho eine weitere Bewährungschance - die er nicht nutzte. Überhaupt fehlte der Bayern-Offensive Präzision sowie Tempo.

"Die Jungs haben alles rausgehauen"

Das rächte sich, als die Abwehr bei einem der wenigen SC-Gegenstöße auf Abseits spielte, aber Srbeny übersah. Neuer versuchte zu retten, war beim Herauslaufen gegen den Stürmer aber zu zögerlich. Der Ausgleich war der verdiente Lohn für wackere Ostwestfalen, die sich auch von den verletzungsbedingten Auswechslungen von Gerrit Holtmann (29.) und Streli Mamba (53.) nicht entmutigen ließen. (Alle Ergebnisse im Überblick

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Zur Willensstärke kam ein starker Torwart: Der gebürtige Münchner und Ex-Bayern-Spieler Leopold Zingerle parierte zweimal stark gegen Lewandowski (53.) und gegen den wie Müller eingewechselten Kingsley Coman (67.). Beim 2:1 von Lewandowski nach Gnabrys Zuspiel war Zingerle machtlos. 

"Wenn man die ganzen 90 Minuten betrachtet wurde der Druck immer größer, letztendlich hat es nicht gereicht", zeigte sich Paderborn-Trainer Steffen Baumgart enttäuscht. "Die Jungs haben alles rausgehauen. Aber beim ersten und zweiten Tor haben wir Fehler gemacht, die man nicht machen darf gegen Bayern."

"Der Plan hat sehr gut funktioniert", sagte der überragende SCP-Keeper Leopold Zingerle. "Er war nur wohl fünf Minuten zu kurz ausgelegt."