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Dortmund und München - Der BVB steht wieder sicherer, die Abwehr tritt stabilisiert auf und hat die vorherige Schießbude geschlossen. Wie ist Trainer Lucien Favre dies gelungen?

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Etwaige Anspielungen auf eine angenommene Käse-Expertise eines Schweizer Trainers verbieten sich. Zumal Lucien Favre aus der löchrigen Abwehr des BVB nun Beton geformt hat.

Nach den zuvor wackeligen Auftritten hat sich die schwarz-gelbe Defensivreihe endlich wieder stabilisiert. In den letzten drei Pflichtspielen holte Borussia Dortmund nicht nur drei Siege, sondern kassierte dabei vor allem nur einen einzigen Gegentreffer.

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Einzig beim 2:1 gegen Paris Saint-Germain wurde Torwart Roman Bürki von Neymar überwunden, gegen Eintracht Frankfurt (4:0) und bei Werder Bremen (2:0) hielten sich die Dortmunder schadlos. (Service: Bundesliga-Spielplan)

"Ich kann endlich wieder gut schlafen", scherzte Bürki zuletzt, verteilte aber auch ein ernst gemeintes Lob an seine Vorderleute: "Wir haben sehr gut verteidigt, vor allem im Kollektiv."

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Bis vor kurzem war genau das die Achillesferse des BVB. In fünf Partien schlug es satte elf Mal hinter Bürki ein, mit den Höhepunkten beim 2:3 im DFB-Pokal bei Werder und dem 3:4 in der Liga bei Bayer Leverkusen.

Favre ist es gelungen, der Dortmunder Defensive wieder Sicherheit zu geben. Doch woher kommen die plötzlichen Bollwerk-Qualitäten?

Favre: "Manchmal liegt es an Zentimetern"

"Wir haben festgestellt, dass wir uns unbedingt in der Defensivarbeit verbessern müssen, um erfolgreich zu sein. Es ging vor allem um kleine Details. Interveniere ich mit dem linken oder rechten Fuß zuerst? Manchmal liegt es an Zentimetern, die aber entscheidend sein können", verriet der BVB-Trainer auf SPORT1-Nachfrage seinen Ansatz.

Dabei richtete er eine eindringliche Ansage ans ganze Team: "Wir haben jedem Spieler klargemacht, dass er seine Aufgaben besser machen muss. Wir müssen als Mannschaft verteidigen."

Ein Ansatz, der Sportchef Michael Zorc zufriedenstellte. "Wir stehen defensiv wieder sehr solide und lassen kaum Chancen zu. Das hat der Trainer permanent eingefordert", lobte Zorc den Coach nach dem 2:0 in Bremen.

Auch Axel Witsel, der selbst ein Formtief hinter sich zu haben scheint und auch dank Neuzugang Emre Can wieder der Stabilisator im zentralen Mittelfeld ist, betonte das Kollektiv: "Jeder arbeitet, auch ohne Ball."

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Offensivkünstler des BVB nun auch mit Defensivdisziplin

In die Pflicht genommen wurde das ganze Team, dennoch hatte die Defensivverordnung konkrete Adressaten. Thorgan Hazard, Jadon Sancho und Achraf Hakimi, auch Erling Haaland: Sie alle setzten offensiv starke Akzente, vernachlässigten aber hier und da die Arbeit nach hinten. Das ist nun anders.

"Thorgan, Jadon, Erling - sogar Achraf, der das Verteidigen manchmal vergessen hatte früher, die arbeiten alle mit nach hinten. Und das reicht dann oft schon", freute sich Bürki über die neue Defensivdisziplin der Offensivkollegen. "Nach dem Leverkusen-Spiel ist die Erkenntnis bei allen gereift, dass wir nicht immer fünf Tore schießen können, um ein Spiel zu gewinnen. Das ist nicht möglich!"

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Der angesprochene Hakimi weiß, dass seine Zweikampfquote (49,1 Prozent in dieser Bundesliga-Saison bei 515 Zweikämpfen in 23 Spielen) ausbaufähig ist. "Der Trainer hat gesagt, dass wir alle härter arbeiten sollen. Er hat uns in die Pflicht genommen", sagte der Marokkaner schon nach dem Paris-Spiel.

Favre versuche "immer, mir zu helfen, er zeigt mir Videos, korrigiert mich. Er weiß, dass ich noch ein junger Spieler bin und lernen kann. Ich höre ihm zu, weil ich weiß, dass er recht hat", beschreibt Hakimi die Arbeit mit seinem Trainer.

Zagadou und Piszczk als Stabilisatoren

"Gut stehen, gut verteidigen", das sei "der Schlüssel zum Erfolg", hat Hakimi nun verstanden.

Geholfen hat der Dortmunder Mannschaft aber nicht nur ein Sinneswandel, sondern auch ein personeller Wechsel. Favre verschaffte dem zuvor unsicher wirkenden Manuel Akanji eine Schaffenspause und beorderte Dan-Axel Zagadou in die Abwehrzentrale - und der 19-Jährige überzeugte.

Auf der anderen Seite des Erfahrungsspektrums gefällt Lukasz Piszczek. Der Oldie füllt seine Rolle in der Dreierkette stark aus und wirbt so um einen neuen Vertrag. "Er macht das sehr gut. Er ist immer bereit, will immer trainieren. Es ist schon fantastisch, wenn du solch einen Spieler in deinem Kader hast", schwärmt Favre vom Polen.

Die neu oder wieder gewonnene Stabilität gilt es nun auch gegen den SC Freiburg zu behalten (Bundesliga: Borussia Dortmund - SC Freiburg ab 15.30 Uhr im LIVETICKER). "Eine gefährliche Mannschaft", warnt Favre: "Freiburg schlägt viele gefährliche Flanken und hat gute Spieler, die Tore schießen können."

Breisgauer Ballermänner gegen das BVB-Bollwerk - zu dem dann einmal mehr nicht nur die Abwehrspieler gehören sollen. Auch Sancho (45,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe von 354), Hazard (44,5 von 416) oder Hakimi werden defensiv gebraucht.