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Bremen - Werder Bremen muss gegen Union Berlin die nächste Pleite hinnehmen. Florian Kohfeldt spricht von einer "dramatischen Situation". Die Angst hält Einzug.

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Es waren jene Szenen, die der leiderprobte Werder-Fan schon seit Anfang der Saison kennt: Hängende Köpfe, fragende Gesichter, unschlüssige Schritte über den Platz.

Die Spieler der Grün-Weißen boten nach der 0:2-Niederlage gegen Union Berlin das inzwischen bekannte Bild der Bestürzung und Sprachlosigkeit. Und das ist kein Wunder: die Pleite gegen Union ist bereits die dritte in der Rückrunde, die zwölfte insgesamt und die siebte vor eigenem Publikum.

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Ausgerechnet im Weser-Stadion - so ist der Betrachter geneigt zu sagen -, ausgerechnet dort, wo am Dienstag der rauschende Pokal-Triumph über Borussia Dortmund gelungen war, holte Bremen bislang nur einen Sieg, am 3. Spieltag gegen den FC Augsburg. Folge: Werder ist das schlechteste Heim-Team der Liga.

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Es verwundert daher nicht, dass selbst die treuen Anhänger der Grün-Weißen nicht alle applaudieren wollten, als die Spieler nach der Pleite in die Kurve wankten, um sich für die Unterstützung zu bedanken. Ihre Blickte wirkten fast entschuldigend - und ein wenig fragend, wie lange man sich des eifrigen Beistands noch gewiss sein könne.  (SERVICE: Tabelle der Bundesliga)

Kohfeldt: "Dramatische Situation"

Auch bei Florian Kohfeldt hatte sich etwas geändert. Als er bei Sky am Mikrofon stand, schien er nicht mehr ganz so mutvoll wie manches Mal zuvor.

"Wir sind fußballerisch gescheitert", konstatierte der 37-Jährige mit leerem Blick. "Wir hatten zu wenig Zug zum Tor. Es war eine lahme Veranstaltung. Union hat es clever gemacht. Was wir machen, ist nicht gut." Das Offensivspiel sei zu langsam und die Mannschaft habe "keinen Elan. Wir sind in einer dramatischen Situation", schloss Kohfeldt vielsagend.  (SERVICE: Alle Ergebnisse im Überblick)

Gegen Union klappte vieles nicht, was gegen den BVB noch so gut geklappt hatte: schnelles, freches Spiel, mit Kraft und Unverdrossenheit. Aber vor allem: ohne Angst. Der Grund mag darin liegen, dass Werder gegen die Schwarz-Gelben nichts zu verlieren hatte, während in der Bundesliga ganze Existenzen auf dem Spiel stehen.

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So war es zweimal Union, das ein steifes und starr auftretendes Bremen ganz alt aussehen ließ. Zweimal im Konter. Zweimal durch Marius Bülter (52. und 72.). Werder wehrte sich anschließend noch etwas, doch es war zu wenig, um Erfolg zu haben.

Moisander: "Jeder Spieler will"

Fand auch Kapitän Niklas Moisander: "Zwei Konter haben uns besiegt. Wir hatten nicht genug Chancen. Aber wir haben den Abstiegskampf verstanden. Jeder Spiel will. Es tut sehr weh." Werder habe gewusst, dass es ein "sehr wichtiges Spiel" gewesen sei. Dennoch habe es nicht gereicht.

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Und Davy Klaassen meinte trocken: "Das war scheiße heute." (LIVETICKER zum Nachlesen)

Will heißen: Alarmstufe Rot bei Werder, das durch die Pleite auf Rang 17 gefallen ist, da zeitgleich Fortuna Düsseldorf ein 1:1-Remis beim VfL Wolfsburg holte.

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"Wir waren zu langsam im Kopf, behäbig und haben Bälle verloren, wo man keine Bälle verlieren darf", sagte Kohfeldt. "Das alles muss dringend besser werden, wenn wir den Klassenerhalt schaffen wollen."

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Das "Wenn" betonte der Trainer des Jahres 2018 dabei sehr genau. Denn neben den gewohnten Durchhalteparolen, Ermutigungen und Versicherungen, dass alles gut werde, kennt Kohfeldt die Prämisse dafür, nicht abzusteigen: Mutiger Fußball ohne Angst.

Das mag aber das Problem sein. Denn in Bremen - da geht schon längst die Angst um.