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München und Bremen - Bei Werder Bremen ist es kurz vor zwölf. Die Spielverlegung gegen Eintracht Frankfurt ist da nur ein weiterer Nackenschlag - den der Verein mit etwas Murren akzeptiert.

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In dieser Saison, so hat es den Anschein, kommt für Werder Bremen alles Schlechte zusammen. Neuestes Beispiel ist die Absage der wegweisenden Partie gegen Eintracht Frankfurt, mit der die Hanseaten am Sonntag endlich die dringend benötigte Aufholjagd hatten einläuten wollen.

Sturmtief Bianca verhinderte den Europa-League-Einsatz der Hessen am Donnerstag. Die DFL reagierte und ersparte der dann am Freitag aktiven Eintracht die zweite Partie innerhalb von 25 Stunden. Kommt es nun ganz dumm für Werder (und warum sollte es das in diesem vermaledeiten Jahr nicht?), müssen die Grün-Weißen zwischen den Spieltagen 33 und 34 zum Nachholtermin antreten. Für die eh schon angeschlagene Psyche der Bremer ein weiterer Nackenschlag.   

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"Nun werden wir voraussichtlich fünf Spiele hinterherlaufen. Das ist ein Nachteil in unserer Situation", sagte der Geschäftsführer Sport Frank Baumann."Wir haben deutlich gemacht, dass wir gegen eine Verlegung sind, aber wir hatten keine Möglichkeit ein Veto einzulegen." Aus der Sicht von Werder sei "jetzt ein Wettbewerbsnachteil der einen Mannschaft zum Nachteil einer anderen geworden".

Bremen nimmt es wieder hin

Frankfurt war offenbar energischer für seine Interessen eingetreten. Zumindest für den Außenstehenden vermittelt auch diese Episode wie schon zu viele in dieser Spielzeit den Eindruck, dass Werder die Dinge eben alle mehr oder weniger ergeben hinnimmt, sich zu wenig wehrt.

Ein Umstand, der auch Trainer Florian Kohfeldt nicht gefällt. Nicht zuletzt deswegen versuchte er seine Spieler in der Trainingswoche lautstark aus der Reserve zu locken. So faltete er Stürmer Yuya Osako vor Kameras gehörig zusammen. Und auch abseits des Platzes gibt es für ihn kein "Weiter so".

Denn nach Unstimmigkeiten im Betreuerstab kam es in der Woche zum personellen Schnitt.

Werder ändert den Betreuerstab

Mit Psychologe Andreas Marlovits und Chef-Physiotherapeut Uwe Schellhammer mussten zwei langjährige Mitarbeiter den Verein verlassen. Außerdem wurde Axel Dörrfuß, Leiter der Athletik-Abteilung, in den Jugendbereich degradiert. Eigentlich alles andere als die Werder-Art.

"Da wir in der aktuellen Situation weitere Konflikte vermeiden und alle Kräfte für das Ziel Klassenerhalt bündeln müssen, haben wir diese Entscheidungen im Sinne des Vereins getroffen", wurde Frank Baumann in einer Vereinsmeldung zitiert.

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Im Genauen ist damit ein interner Konflikt zwischen Dörrfuß und Schellhammer gemeint. Nach Berichten des Weser Kuriers soll es zu Streitigkeiten gekommen sein, wenn es um die Belastungssteuerung der verletzten Spieler in der Reha ging.

Immer wieder verletzten sich Akteure während der Rehabilitation und fielen somit noch länger aus. Niklas Füllkrug, Ömer Toprak und Ludwig Augustinsson sind dafür nur einige Beispiele. Bei insgesamt sieben Spielern hat es in dieser Saison derartige Rückschläge gegeben.

Werder seit Jahren von Verletzungen geplagt

Die kurzfristige Verantwortung über den physischen Fachbereich übernimmt Mannschaftsarzt Dr. Daniel Hellermann, dann soll eine interne Lösung gefunden werden. Auch die offene Stelle von Psychologe Marlovits soll neu besetzt werden. "Für die Mannschaft kann es in der aktuell sehr schwierigen Phase sinnvoll sein, einen neuen Impuls zu bekommen. Wir machen uns jetzt intensiv Gedanken, hier Lösungen zu finden", erklärte Baumann.

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Dabei ist die Verletzungsproblematik der aktuellen Saison schon viel länger ein Thema an der Weser. Das Portal fussballverletzungen.com veröffentlichte 2017 eine Siebenjahres-Verletzungsbilanz, die zeigt, dass seit 2010 kein Bundesligaverein mehr Sorgen mit verletzten Spieler hatte als Werder Bremen. In der vergangenen Hinrunde verpassten 18 Spieler insgesamt 125 Pflichtspiele – Höchstwert aller Bundesligavereine.

Im September letzten Jahres ließen die Bremer einen Rasenexperten aus Belgien einfliegen. Kohfeldt erklärte damals, es gehe darum, "Informationen zu Untergrundbeschaffenheit und deren Korrelation zu Verletzungen" einzuholen. Geändert hat das aber auch nichts.

Kohfeldt vermisst Zielspieler

Doch für die aktuelle sportliche Situation (Platz 17, fünf Punkte Rückstand auf Platz 15) soll dieses Verletzungspech keine Ausrede sein. Trainer Florian Kohfeldt "kann’s nicht mehr hören". Vielmehr muss man die Fehler in der allgemeinen Ausrichtung des Kaders suchen. Max Kruse, der im letzten Sommer ablösefrei in die Türkei gewechselt war, wurde nicht adäquat ersetzt – oder doch? Mit Füllkrug wurde ein potenzieller Nachfolger verpflichtet. Der verletzte sich aber im September, ihm riss das Kreuzband.

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Kohfeldts System ist auf einen Zielspieler in der Spitze ausgerichtet. Den gab es seither aber nicht mehr. Im Winter verpflichtete Werder leihweise Davie Selke von Hertha BSC. Aber auch er wird den Erwartungen im Angriff bisher nicht gerecht.

Der Kader ist eine Dauerbaustelle. Der Druck auf Kohfeldt wird nicht geringer, auch wenn er weiterhin die volle Rückendeckung der sportlichen Führung genießt. Doch nach der Absage des Frankfurt-Spiels liegen die Bremer nun bereits vier Zähler hinter dem Tabellen-16. Fortuna Düsseldorf - und müssen tatenlos zuschauen, wie sich die Konkurrenten Mainz und Paderborn im direkten Duell schlagen. Einfacher wird die Aufholjagd dadurch sicher nicht. Aber was ist in diesem Jahr für Werder schon einfach?