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München - Schiedsrichter Manuel Gräfe spricht über das Schiedsrichterwesen. Das fehlende Leistungsprinzip kritisiert er, beim Videobeweis will er Veränderungen.

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Er ist einer der besten deutschen Schiedsrichter. Und er ist ein Freund der klaren Worte.

Vor zwei Jahren sorgte Manuel Gräfe in einem Interview mit dem Tagesspiegel für Aufsehen. Unter anderem kritisierte er die Schiedsrichter-Funktionäre Hellmut Krug und Herbert Fandel. Ein Vorwurf: Im Schiedsrichterwesen ginge es zu wenig nach Leistung.

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Diesen Vorwurf hat er jetzt im kicker erneuert. "Ich verstehe, dass alle gefördert werden sollen - aber dazu gehört auch die Förderung der Top-Schiedsrichter“, erklärte Gräfe. Gute Schiedsrichter-Leistungen würden dem deutschen Fußball helfen. "Also sollte man seine besten Leute losschicken", sagte Gräfe.

Gräfe: "Atmosphäre entspannter geworden"

Er selbst war in der Hinrunde lediglich sechsmal eingesetzt worden. Das sei "sicher deutlich zu wenig", sagte Gräfe.

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Der 46-Jährige sieht auch Fortschritte. Seitdem Lutz-Michael Fröhlich als Sportlicher Leiter der DFB-Elite-Schiedsrichter amtiere, habe sich einiges verbessert. "Es wird jetzt anders geführt als zu Zeiten von Hellmut Krug und Herbert Fandel. Das ist ein Fortschritt. Die Atmosphäre ist entspannter, wir sind in vielen Bereichen professioneller geworden", lobte Gräfe.  

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Es ginge ihm dennoch immer noch zu wenig nach Leistung. "Dieses Anreiz-Prinzip, dass sich Leistung positiv und negativ auch in der Anzahl der Ansetzungen bemerkbar macht, greift leider immer noch nicht. Es geht aus meiner Sicht zu oft immer noch nach Politischem, Regionalem oder Persönlichem."

Plädoyer für Challenges

Auch in Sachen VAR (Video Assistant Referee) sieht Gräfe Verbesserungsbedarf. "So, wie es jetzt läuft, gefällt es den Leuten nicht. Wir Schiedsrichter stehen zu oft im Mittelpunkt der Berichterstattung, das gefällt uns selbst auch nicht", monierte er. Man könne Schiedsrichter zwar immer weiter schulen, aber die Perfektionierung der Technik stoße irgendwann an ihre Grenzen. "Also sollte man über die systembedingten Probleme des VAR reden", erklärte der Schiedsrichter im kicker.

Er selbst sei für die Einführung von "zwei Challenges pro Trainer und Spiel". Außerdem fordert er mehr Transparenz: "Man muss die Zuschauer im Stadion und an den Bildschirmen mitnehmen." Wenn ein Schiedsrichter sich eine Szene am Spielfeldrand anschaue und seine Entscheidung über das Headset seinen Kollegen mitteile, müsse er sie auch den Fans im Stadion mitteilen können. "So schaffst du Klarheit für Zuschauer und Medien. Wenn man als Zuschauer nach Hause geht und unaufgeklärt bleibt, senkt das die Attraktivität des Stadionerlebnisses."

Generell will Gräfe, dass die Verantwortung wieder mehr beim Schiedsrichter und auf dem Feld belassen wird. "Es soll nicht um die bessere Entscheidung gehen, die man korrigiert, sondern um die klare Fehlentscheidung." Der VAR greife tendenziell zu oft ein. Es gebe Grenzen für den VAR.