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München - Beim FC Bayern München muss sich Alexander Nübel nach seinem Wechsel vorerst hinten anstellen. Dieses Szenario droht ihm auch in der Rückrunde auf Schalke.

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Überrascht hat diese Meldung am Ende wohl niemanden mehr.

Dass Alexander Nübel zur neuen Saison ablösefrei vom FC Schalke 04 zum FC Bayern München wechselt, war nach den vergangenen Wochen logische Konsequenz. Bereits kurz vor Weihnachten informierte der 23 Jahre alte Torwart die Königsblauen, dass er seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängern werde. Am Samstagvormittag meldete der Rekordmeister Vollzug.

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Schalke hatte zuvor alles in seiner Macht Stehende getan, um den gebürtigen Paderborner zu halten. Finanziell lehnte sich der Revierklub weit aus dem Fenster. Trainer David Wagner gab Nübel vor der Saison sogar die Kapitänsbinde. Doch letztlich schlugen alle Bemühungen fehl.

Nübel droht Bankplatz in der Rückrunde

Nübel entschied sich für die Bayern. Dort muss er sich zur kommenden Saison nach aktuellem Stand allerdings hinter Manuel Neuer anstellen. Einem Bericht der Sport Bild zufolge wollte Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic Stammkeeper Neuer von einer Torwart-Rotation überzeugen. Doch der ehrgeizige DFB-Kapitän lehnte dies ab.

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So droht Nübel das üble Szenario eines dauerhaften Bankplatzes - und das nicht erst im Sommer. Auch in der Rückrunde der aktuellen Saison könnte sich der ehemalige U21-Nationalspieler auf der Bank wiederfinden. Wagner wird sich einen weiteren Einsatz seiner bisherigen Nummer eins reichlich überlegen.

"Ich bin gespannt auf das nächste halbe Jahr auf Schalke, ob Nübel noch einmal zum Zuge kommt, oder ob der Trainer sagt, er erspart ihm den Hass der Leute", sagt Ex-Nationalkeeper Timo Hildebrand, einst auch in Diensten der Knappen, bei SPORT1. "Das nächste halbe Jahr wird auf jeden Fall eine schwierige Zeit für ihn."

Denn für Königsblau beginnt die Zukunft im Tor genau jetzt. Und die heißt Markus Schubert. Der 21-Jährige wurde bereits zu Saisonbeginn als Nübel-Nachfolger aus Dresden geholt. Der aktuelle U21-Nationalkeeper Schubert kam in der laufenden Spielzeit bisher kaum zum Einsatz - doch das könnte sich nun ändern.

Schubert kann sich beweisen

Schubert hütete bereits seit dem 15. Spieltag das Schalker Tor, nachdem Nübel gegen Eintracht Frankfurt für einen Kung-Fu-Tritt gegen Mijat Gacinovic die Rote Karte gesehen hatte. Da Nübel noch zwei weitere Spiele gesperrt ist, wird Schubert auch zum Rückrundenauftakt gegen Borussia Mönchengladbach im Tor stehen. Auch im anschließenden Spiel bei den Bayern darf sich Schubert beweisen. Zwei echte Härtetests für den gebürtigen Freiberger.

Doch was passiert danach? Es gibt für Wagner aktuell nur wenig Gründe, weiter auf Nübel zu setzen, zumal Schubert bei seinen ersten Partien keinen schlechten Eindruck hinterließ. Vertraut Wagner in der Rückrunde Schubert, könnte dieser ihm bis zum Sommer beweisen, ob er wirklich zur Nummer eins im königsblauen Tor taugt.

Was theoretisch für Nübel spricht: Er ist mit seinen Vorderleuten eingespielt und besitzt mehr Erfahrung. Allerdings hat auch Nübel erst 35 Bundesliga-Spiele absolviert, in denen er bereits zweimal vom Platz flog. Bis zu seinem Aussetzer gegen Frankfurt lieferte er eine passable Hinrunde ab, wehrte über 70 Prozent seiner Bälle ab und spielte viermal zu Null.

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Auch die Kapitänsbinde ist für Wagner kein Hinderungsgrund mehr. Denn diese übernimmt ab sofort Omar Mascarell. "Wir haben uns gemeinsam darauf verständigt, dass Alex sein Kapitänsamt abgibt", erklärte Wagner zum Auftakt des Trainingslagers in Murcia.

Wagner will Unruhe vermeiden

Sie seien zu dem Entschluss gekommen, es sei das Beste für die Mannschaft, da es sonst immer wieder zu Unruhen führen würde, erklärte Wagner. Und genau hier bietet sich dem Trainer eine Chance.

Mit der dauerhaften Beförderung Schuberts zur Nummer eins könnte er die leidige Thematik ad acta legen. Stünde Nübel weiter im Tor, wäre sicher nicht nur intern Unruhe garantiert. Auch von außen würden die Leistungen des zukünftigen Bayern-Keepers haargenau begutachtet werden.

Für Schalke wäre das alles andere als förderlich. Denn anders als zu Saisonbeginn gedacht, steckt Schalke nach starker Hinrunde mitten im Kampf um Europa. Da ist Unruhe fehl am Platz.

"Wir haben in den nächsten Monaten viel größere Sachen vor uns als diese Thematik", versucht Wagner, die Problematik kleinzuhalten. "Es darf nicht passieren, dass einer in den Fokus gestellt wird. Alex ist weiterhin ein wichtiger Teil der Truppe. Es gilt, alle weiterhin voll zu unterstützen."

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Laut Wagner soll die Entscheidung, wer Stammtorwart in der Rückrunde wird, erst in den nächsten Wochen fallen. "Das ist ein Thema, das aktuell für mich überhaupt nicht zur Debatte steht", betonte Wagner. 

Schubert, der vor dem Trainingslager mit einem Infekt zu kämpfen hatte, hat aber mindestens zwei weitere Bewährungsproben. "Was danach ist, wird sich zeigen. Da kann noch so viel passieren. Deshalb wäre es nicht sinnvoll, sich jetzt für irgendetwas zu entscheiden, das aktuell noch gar nicht zur Debatte steht", erklärte Wagner.

Präsentiert sich der Ex-Dresdner Schubert gegen Mönchengladbach und Bayern so verlässlich wie zum Ende der Hinrunde, droht Nübel der Platz als Dauergast auf der Bank. Dann wäre sein unglücklicher Auftritt gegen Frankfurt sein letzter im Dress der Schalker gewesen.

Überraschen würde auch das dann niemanden mehr. Nübel selbst wohl auch nicht.