Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald treiben die Polizeikosten um
Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald treiben die Polizeikosten um © Getty Images
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München - Werder Bremen streitet mit der DFL um ein Polizeikosten-Urteil. Sind sogar weniger Gästefans denkbar? Werders Präsident steht bei SPORT1 Rede und Antwort.

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Werder Bremen sucht weiter nach einer Lösung in der Frage nach der Übernahme von Polizeikosten bei Stadioneinsätzen.

Die Stadt Bremen stellt seinem Bundesliga-Klub als einziges Bundesland die Kosten für Polizeieinsätze bei sogenannten Risikospielen in Rechnung. Bislang geht es um 1,17 Millionen Euro.

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Bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) in der vergangenen Woche lehnten die anderen deutschen Profiklubs eine solidarische Beteiligung an den Auslagen ab.

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Vor Bremens Bundesliga-Partie beim FC Bayern (1:6) traf sich Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald mit den Verantwortlichen des deutschen Rekordmeisters.

Im Gespräch mit SPORT1 verriet der Rechtsanwalt und Fußballfunktionär, wie dieses Treffen gelaufen ist, und erklärt, warum es sogar denkbar ist, dass künftig weniger Gästefans ins Weser-Stadion kommen dürfen.

Hess-Grunewald: Weniger Gästefans denkbar

SPORT1: Sie stehen bei der Polizeikostendebatte alleine auf weiter Flur. Zumindest wehren sich die ganz Großen wie Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. Wie ist da die Kommunikation?

Hubertus Hess-Grunewald: Die Kommunikation ist intakt. Wir haben heute vor dem Spiel gemeinsam mit den Bayern gegessen und haben die Situation besprochen.

SPORT1: Haben die Bayern-Verantwortlichen Verständnis für Ihren Standpunkt?

Hess-Grunewald: Das haben sie in der Tat. Sie können nachvollziehen, dass wir in einer Zwittersituation sind. Wir haben eine bremische Landesgesetzgebung, die uns am Ende einen großen Wettbewerbsnachteil beschert. Wir sind in der Situation uns dagegen zu wehren, aber können auch nicht einfach akzeptieren, dass die DFL einfach 100 Prozent an uns weiterleiten will. Wir haben einfach die Verpflichtung die Interessen von Werder Bremen zu wahren. Das ist in der Kommunikation schwierig, aber wir müssen unsere Haltung bewahren.

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SPORT1: Wie geht es denn jetzt weiter?

Hess-Grunewald: Schritt für Schritt geht es jetzt so weiter, dass es irgendwann Gebührenbescheide geben wird, die Bremen an die DFL weiter ausbringt. Wir haben klar gesagt, wir sind nicht bereit 100 Prozent der Gebühren zu tragen. Dann müssen wir sehen, wie wir in der Auseinandersetzung mit der DFL zu einer rechtlichen Klärung kommen.

SPORT1: Wäre es Ihnen lieber, dass alle Klubs zur Kasse gebeten werden, oder soll es in Bremen wegfallen?

Hess-Grunewald: In der Tat wäre es mir lieber gewesen, wenn es nicht zu einer bremischen Landesgesetzgebung gekommen wäre. Jetzt haben wir die Situation, dass das Bundesverwaltungsgericht gesagt hat, dass das zulässig ist. Wir werden sehen, ob das Bundesverfassungsgericht das auch so sieht. Dass Werder Bremen am Ende alleine dasteht und alleine die Kosten tragen soll, dass ist aus unserer Sicht nicht das gerechte und faire Ergebnis. Dagegen versuchen wir uns mit aller Kraft zu wehren.

SPORT1: Wie wichtig ist es, so einen großen Player wie Bayern auf seiner Seite zu wissen?

Hess-Grunewald: Es ist schon wichtig, dass die anderen Vereine Verständnis dafür haben, dass wir in einer besonderen Option sind und auch bestimmte Handlungsoptionen für uns prüfen müssen. Am Ende müssen wir sehen, ob die DFL sich in ihrer Position weiter so bewegt, dass 100 Prozent an Werder weitergeben wird. Oder ob die DFL einen Ansatz findet, die Dinge neu zu bewerten. Da müssen wir Gespräche führen. Der aktuelle Stand ist, dass die DFL eine klare Beschlusslage hat und wir sagen, dass wir uns mit dieser nicht einverstanden erklären können.

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SPORT1: Welche Mittel hat Werder Bremen denn noch, um abzuwenden, alleine die Kosten zu tragen?

Hess-Grunewald: Wir haben verschiedene Optionen. Natürlich stehen wir weiter eng an der Seite der DFL, wenn es darum geht, das gerichtliche Verfahren auch beim Bundesverfassungsgericht zu führen und auch die noch nicht ausgebrachten Bescheide beim Bremer Oberverwaltungsgericht zu überprüfen. Da sind wir wirklich ganz eng beieinander und arbeiten wir sehr gut miteinander. Ansonsten müssen wir schauen, welche Möglichkeiten der Schadensminderung wir als Geschäftsführung haben. Wir haben ja mal in die Diskussion gebracht die Frage: Muss man gegebenenfalls auch die Gästekontingente reduzieren, um möglicherweise ein Rot-Spiel zu einem Gelb-Spiel werden zu lassen? Das sind Dinge, die nur bedingt in unserer Hand sind, weil sie letztlich eine Entscheidung der Polizeibehörden sind. Aber wenn wir am Ende auch da für uns eine Chance sehen, den Schaden zu mindern, dann müssen wir auch über eine solche Option, wenn sie sich denn ergibt, auch ernsthaft nachdenken. Das wird uns, glaube ich, niemand übel nehmen.

SPORT1: Weniger Gästefans in Bremen, das ist also denkbar?

Hess-Grunewald: Es ist jedenfalls nicht ausgeschlossen. Aber ich sage ganz offen: Wir wollen das nicht und wir wünschen uns das nicht. Aber wenn man uns in eine bestimmte Situation bringt, dass wir darüber nachdenken müssen, dann werden wir das tun müssen.