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München - Gladbachs Patrick Herrmann glänzt unter Marco Rose wieder wie zu seinen besten Zeiten unter Lucien Favre. Schießt er nun auch wieder den FC Bayern ab?

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Patrick Herrmann weiß, wie es geht gegen den FC Bayern, das hat er schon längst nachgewiesen.

Vor fast acht Jahren, am 20. Januar 2012, war er Doppeltorschütze und Matchwinner beim 3:1-Sieg von Borussia Mönchengladbach gegen den Rekordmeister.

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Eiskalt verwertete der damals 20-Jährige Zuspiele seiner Offensivpartner Mike Hanke und Marco Reus (auch Schütze des 1:0), schob einmal an Torwart Manuel Neuer vorbei, umkurvte ihn beim zweiten Mal.

Bayerns Ehrentor durch Bastian Schweinsteiger nützte den Gästen nichts mehr: Herrmann war an diesem Abend das entscheidende Rädchen in der vom damaligen Gladbach-Coach Lucien Favre perfekt justierten Offensiv-Maschinerie. Gladbach-Legende Günter Netzer ("Das war so nicht zu erwarten") staunte ebenso wie Bayern-Trainer Jupp Heynckes ("außergewöhnlich").

Neben Verteidiger Tony Jantschke ist Herrmann der einzige Spieler aus der damaligen Startelf, der nun auch den neuen Aufschwung unter Marco Rose miterlebt - und dabei einmal mehr ein entscheidender Faktor ist.

Patrick Herrmann war 2012 Matchwinner gegen den FC Bayern
Patrick Herrmann war 2012 Matchwinner gegen den FC Bayern © Getty Images

Patrick Herrmann schien über dem Zenit zu sein

Herrmann ist vor dem nun anstehenden Duell des Tabellenführers mit den Bayern kein junges Talent mehr (Bundesliga: Borussia Mönchengladbach - FC Bayern, ab 15.30 Uhr im LIVETICKER).

Der Rechtsaußen aus dem saarländischen Uchtelfangen wird demnächst 29, hat seit Anfang des Jahres mehr Bundesligaspiele für Gladbach (255) auf dem Konto als Günter Netzer (230), seine seit 2008 andauernde Karriere bei den "Fohlen" schien ihren Zenit gar schon überschritten zu haben.

Unter Roses Vorgänger Dieter Hecking stand er in der vergangenen Saison nur zehnmal in der Startelf, dachte an einen Wechsel, nachdem der Ex-Coach ihm mitgeteilt hatte, "dass es für mich sehr schwer werden würde".

Herrmann selbst schien nur noch vage an seine Chance zu glauben, sich zurück zu kämpfen, letztlich habe er "auf ein Wunder gehofft und alles gegeben", berichtete er vor kurzem dem Sportbuzzer. Dass es dann im vergangenen Frühjahr doch zu einer Vertragsverlängerung bis 2022 kam, sei für ihn "wie Weihnachten und Ostern zugleich" gewesen.

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Traum-Quartett mit Plea, Embolo, Thuram

Das größere Wunder sollte aber erst noch kommen: Unter Rose hat der schnelle Wirbler sich wieder einen Stammplatz erkämpft, ist zum integralen Teil eines neuen Traumsturms geworden, der Gladbachs Fans an die goldenen Zeiten mit Reus, Hanke und Juan Arango erinnert.

Alassane Plea, Marcus Thuram und Breel Embolo sind nun Herrmanns kongeniale Partner - der Express adelte das Quartett soeben als die neuen "Fanta 4" des Klubs.

Patrick Herrmann und Marcus Thuram harmonieren prächtig
Patrick Herrmann und Marcus Thuram harmonieren prächtig © Getty Images

Zusammen haben sie 20 der 28 Tore des Tabellenführers erzielt, Herrmann erzielte fünf, legte drei weitere Treffer auf. Damals wie heute ist der zurückhaltend auftretende Herrmann nicht der, der die größte Medienaufmerksamkeit auf sich zieht - aber dass sein größtes Hoch seit Jahren mit dem größten Gladbacher Hoch seit Jahren zusammenfällt: Es wirkt nicht zufällig. Es wirkt sinnbildlich.

Marco Rose entfacht das Feuer neu

Von der Qualität, die noch immer in ihm steckt, musste Herrmann auch Rose erst überzeugen.

Nach dem Doppelpack beim 5:1 gegen den FC Augsburg Anfang Oktober gestand Rose, dass der Entschluss, den Publikumsliebling zu halten, eher von Sportdirektor Max Eberl ausgegangen war als von ihm.

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"Max hat mir klar gemacht, was 'Flaco' hier für eine Rolle spielt", plauderte der 43-Jährige aus: "Als neuer Trainer kann es einem helfen, wenn man solche Jungs im Rücken hat."

In den ersten drei Saisonpartien saß Herrmann dennoch auf der Bank, Wendepunkt war dann ein Gespräch nach der Einwechslung Herrmanns beim Derby in Köln. Rose erkannte da bei Herrmann plötzlich "ein Flackern in den Augen", dass er bis dahin nicht festgestellt hatte: "Wir haben nach seinem ersten Einsatz darüber gesprochen, wieso er nicht jedes Spiel so heiß ist wie gegen Köln."

Kann Gladbach nun auch dern FC Bayern ärgern?

Rose hat den Schlüssel offensichtlich gefunden, Herrmann lobte zuletzt ausdrücklich dessen Fähigkeit, die Höchstleistung aus ihm und seinen Kollegen herauszukitzeln: "Marco spricht uns sehr direkt an und in kurzen Sätzen. Ich mag es, einen Trainer zu haben, der dich kurz vor dem Anpfiff nochmal richtig pusht."

Für Herrmann, in den vergangenen Jahren auch von Verletzungen zurückgeworfen, ist Rose mit seinem menschlichen Gespür und seiner Spielidee der richtige Mann am richtigen Ort. Das Urgestein glänzt nun wieder wie zu Favres Zeiten und darf womöglich sogar von einer Wiederaufnahme seiner kurzen Nationalmannschafts-Karriere träumen.

Er hake "nichts ab", erklärte Herrmann zu diesem Thema, auch wenn er im selben Atemzug klar macht, dass es mit Blick auf die Konkurrenz ein ferner Gedanke sei.

Auch ohne dieses i-Tüpfelchen ist Herrmann - dessen Ehefrau Sandra im November sein erstes Kind zur Welt gebracht hat - nach eigenen Angaben aber gerade "der glücklichste Mensch der Welt". Und der FC Bayern wird sich hüten müssen, dass er sich am Samstag nicht noch einen Tick glücklicher macht.