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München - Der FC Bayern München präsentiert sich aktuell äußerst wechselhaft. Einer starken Halbzeit folgt eine schwache. Trainer Hansi Flick versucht sich in einer Erklärung.

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Die folgenden zwei Zitate könnten aus ein und demselben Spiel stammen.

"Wichtig ist, dass wir auf der einen Seite gut Fußball spielen. Das haben wir in der ersten Halbzeit gemacht und viele Chancen herausgespielt", sagte Hansi Flick nach der 1:2-Niederlage des FC Bayern München bei Borussia Mönchengladbach vor zwei Wochen.

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Am Mittwoch nach dem Spiel gegen den SC Freiburg hörte es sich dann bei Sky so an. "Es waren zwei sehr verschiedene Halbzeiten. Die erste Halbzeit haben wir sehr gut gespielt, könnten auch 2:0, 3:0 führen".

Bayern starten überragend - und lassen stark nach

Beide Spiele beschreiben die zwei Gesichter der Bayern nur allzu gut. Sowohl gegen Gladbach als auch gegen Freiburg startete der Rekordmeister bärenstark, hätte zur Pause deutlich führen müssen, nutzte aber seine zahlreichen Chancen nur ungenügend. In beiden Spielen ließen die Bayern im zweiten Durchgang aber auch stark nach.

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Der Unterschied: Gegen Freiburg lag das Glück am Ende auf Seiten der Münchner, die wiederum die Freiburger für ihre mangelnde Chancenverwertung bestraften. In Gladbach bekam die Flick-Elf dagegen die Quittung mit dem Gegentreffer kurz vor dem Ende.

"Man muss aber auch sagen, dass Freiburg es in der zweiten Halbzeit gut gemacht hat. Sie haben eine gute Ordnung, die diagonalen Bälle haben sie klasse ausgespielt. Ich bin von Haus aus positiv, aber wenn man sieht, wie die Angriffe dann auf unser Tor gerollt sind, haben wir es mit Glück überstanden. Von daher bin ich total glücklich, dass wir gewonnen haben", sparte Flick nicht mit Lob für den Gegner.

Flick beklagte fehlende "Körner"

Die Spiele gegen Freiburg und Gladbach waren bei weitem nicht die einzigen Spiele, in denen der Rekordmeister seine zwei Gesichter zeigte. Auch zu Kovac-Zeiten gab es dieses Phänomen. Beim 3:2-Sieg in Paderborn gaben die Münchner eine 3:0-Führung beinahe noch aus der Hand.

Doch woran liegt es, dass die Bayern aktuell anscheinend nur zu einer guten Halbzeit fähig sind? Flick versuchte sich nach dem Freiburg-Spiel mit einer Erklärung. "Die Jungs haben viele Spiele in den Beinen, da ist klar, dass irgendwann die Körner ausgehen", erklärte der 54-Jährige.

Mangelnde Fitness als Grund für die regelmäßigen Leistungseinbrüche? Diese Begründung erscheint zu eindimensional. Denn auch die 6:1-Gala gegen Werder Bremen am vergangenen Wochenende war ein Produkt zweier verschiedener Halbzeiten – dennoch war sie konträr zu den anderen Spielen.

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Gegen Bremen war es die zweite Hälfte, in der der Rekordmeister sein vermeintliches wahres Gesicht zeigte. In der ersten Hälfte wurden die Bayern ein ums andere Mal von den Bremern überrannt, hatten Glück, dass sie wenige Minuten vor der Pause nur mit 0:1 in Rückstand lagen.

Dem Doppelschlag vor der Pause folgte dann ein zweiter Durchgang wie aus einem Guss. Von fehlenden Körnern war da nichts zu sehen.

Neuer spricht von fehlendem Selbstverständnis

Aktuell fehlt nicht nur die Konstanz, sondern auch die Konsequenz. Denn auch in ihren starken Halbzeiten sind die Bayern vor dem Tor nicht konsequent genug. Münzt der Rekordmeister seine drückende Überlegenheit auch in Tore um, könnte er sich auch die eine oder andere Schwächephase im Spiel erlauben. Doch anders als zu Saisonbeginn lassen Robert Lewandowski & Co. reihenweise Großchancen liegen.

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Ist Überheblichkeit der Grund für die Fahrlässigkeit im Spiel des Rekordmeisters? Die Spieler sehen das anders. Kapitän Manuel Neuer sprach nach der Gladbach-Pleite gar von fehlendem Selbstverständnis. "Wir machen das 1:0, und dann hätten wir so weiterspielen müssen. Wir hätten nicht abwarten dürfen. Das Ergebnis über die Zeit zu bringen, bringt nichts bei unserem Fußball", monierte er.

Trotz des fehlenden Selbstverständnisses und der teils ungenügenden Chancenverwertung haben die Bayern seit Flicks Amtsübernahme wettbewerbsübergreifend mehr Tore geschossen als alle anderen Teams in Europas Top-5-Ligen. Doch gerade gegen Top-Teams, zu denen neben Gladbach in dieser Saison eben auch Freiburg gehört, rächt sich so eine wechselhafte Leistung. Denn diese Teams nutzen Defensiv-Fehler – und davon gibt es aktuell einige im Spiel der Bayern – aus.

Fehlendes Selbstverständnis, mangelnde Konsequenz, fehlende Fitness. Die Gründe für Bayerns zwei Gesichter sind vielschichtig. Sicher ist nur: In den entscheidenden Phasen der Saison benötigen die Bayern ihr wahres Gesicht. Das sollten sie bereits am Wochenende gegen den VfL Wolfsburg wieder zeigen. (Bundesliga: FC Bayern München – VfL Wolfsburg, Samstag 15.30 Uhr im LIVETICKER)