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Trotz ärgerlicher Punktverluste kann der BVB in der laufenden Saison noch alle Ziele erreichen. Das Beste: Die Westfalen haben ihre Krise wohl hinter sich.

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Hallo Bundesliga-Freunde,

hinter den Kulissen des BVB herrschte in den vergangenen Wochen, positiv formuliert, rege Betriebsamkeit. In den Gesprächsrunden der Verantwortlichen wurde zum Teil derart intensiv diskutiert, dass Beobachter schon mit größeren personellen Konsequenzen rechneten - nicht nur auf der Trainerbank.

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Dass es anders kam und Borussia Dortmund in einer Phase, in der viele andere Vereine längst die Nerven verloren hätten, noch die Kurve bekam, können sich die Chefs um Vorstand Hans-Joachim Watzke selbst auf die Fahne schreiben. Der BVB-Umgang mit dem Herbst-Hänger war meisterlich und ein Lehrstück in Sachen Krisenbewältigung.

Ja, der BVB hat zu viele Punkte liegen lassen in dieser Saison. Das ist uneingeschränkt richtig und ärgerte die Führungscrew um Watzke und seinen Berater Matthias Sammer so sehr, dass sie eine Menge hinterfragten. Ihre eigenen Entscheidungen aus dem Sommer - aber auch, ob vielleicht Cheftrainer Lucien Favre mehr Problem als Problemlöser ist. Ob Favres Arbeitsweise und Attitüde zum hohen Anspruch passen, den sie sich für diese Saison öffentlich auferlegt hatten. Und dem damit verbundenen Druck.

Doch genauso richtig wie die Sache mit den fahrlässig verschenkten Punkten ist eben auch, dass die Dortmunder trotzdem noch voll im Spiel sind. Um alle großen Titel.

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Statt in der Bundesliga ein gutes Stück voraus, was ohne großen Mehraufwand machbar gewesen wäre, liegen sie vier Punkte hinter Leipzig. Aber vielleicht ist genau das sogar eine Ausgangspositionen, die dem BVB besser liegt als - wie in der vergangenen Spielzeit - hochgejubelt ganz vorne zu stehen. Es ist eben auch eine Kopfsache, und wahrscheinlich passt Jäger und Angriff besser zur BVB-DNA als Gejagter und Spitzenplatz-Verteidiger.

Dortmund hat aus seinen Fehlern gelernt

Die Dortmunder haben ihre Krise mit ziemlicher Sicherheit hinter sich, danach sieht es aus, so treten sie auf. Das Selbstbewusstsein ist zurück und selbst eine Niederlage gegen die formstarken Leipziger würde sie kaum wieder aus der Bahn werfen. Mit dem BVB ist für die Rückrunde voll zu rechnen. Sie haben gelernt, aus der vergangenen Saison, aber auch aus den halbstarken Auftritten gegen Union Berlin, Bremen, Freiburg, Schalke oder Paderborn.

Und Dortmund hat einen großen Vorteil gegenüber dem FC Bayern. Dadurch, dass sie ihren schwarz-gelben Dampfer ohne Wechsel auf der Brücke wieder auf Kurs gebracht haben, mit vielen Gesprächen, dem Eingestehen von Fehleinschätzungen, und grundsätzlich dem Drehen diverser kleiner Schrauben, immer gemeinsam, haben sie nicht mit den Problematiken zu kämpfen, die ein Neustart, erst recht im laufenden Betrieb, mit sich bringt.

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Kommt ein neuer Trainer, muss sich die Mannschaft nicht nur an einen neuen Chef mit neuen Umgangsformen und meist neuem Spielsystem gewöhnen, sondern es entbrennt in der Regel auch ein Positionskampf - auch in der Kabine, im Gefüge, bei dem es zumindest in gleichem Maße um egoistische wie um mannschaftsdienliche Ziele geht. Den FC Bayern werden diese Herausforderungen unter ihrem Interimstrainer Hansi Flick durch die Rückrunde begleiten.

Der BVB tat gut daran, der unzufriedenen Mannschaft kein Alibi zu geben. Mit Favre gemeinsam die enttäuschenden Wochen durchstanden zu haben, kann rückblickend ein herausragender Spielzug der Entscheider gewesen sein - irgendwann Mitte Mai.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".