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München - Der Wechsel von Erling Haaland von RB Salzburg zum BVB dürfte nicht jeden in Dortmund erfreuen. SPORT1 zeigt, wer vom Deal profitieren könnte - und wer unter Druck gerät.

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Es war ein dickes Ausrufezeichen, das der BVB am Sonntagnachmittag setzte.

Mit der Verpflichtung von Erling Haaland gelang dem Bundesliga-Vizemeister ein echter Coup, schließlich waren neben den Dortmundern auch internationale Schwergewichte wie Manchester United oder Juventus Turin an dem 19 Jahre alten Norweger von RB Salzburg interessiert gewesen.

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Doch der BVB schaffte es, den aktuell vielleicht begehrtesten Nachwuchsstürmer der Welt von einem Wechsel ins Ruhrgebiet zu überzeugen. 20 Millionen Euro soll die Ausstiegsklausel für Haaland betragen haben. Günstig war der Wechsel trotzdem nicht, das Gesamtpaket soll inklusive Handgeld, Gehalt und Beraterprovision laut kicker bei rund 100 Millionen Euro liegen.

Mit dem Transfer setzen Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc ein Zeichen - an den FC Bayern München, den Rest der Bundesliga, aber auch an Trainer Lucien Favre und die eigene Mannschaft. SPORT1 erklärt, welche Folgen der Haaland-Deal für wen beim BVB hat.

Paco Alcácer

Die bisherige Saison von Paco Alcácer verlief auch schon ohne Zutun Haalands äußerst wechselhaft. Nach einem Traumstart mit fünf Treffern in den ersten vier Bundesliga-Spielen geriet der Spanier außer Tritt. Erst stoppte ihn eine Achillessehnenreizung, danach zwangen ihn Knieprobleme, kürzer zu treten.

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Seinen Stammplatz im Dortmunder System hat Alcácer inzwischen verloren, zumal Favre gegen Ende der Hinrunde sein System auf ein 3-4-3 umstellte und mit Marco Reus, Thorgan Hazard und Jadon Sancho eher auf spielstarke Offensivspieler als auf einen klassischen Knipser setzte.

Mit Haaland bekommt Alcácer jetzt einen hochkarätigen Konkurrenten hinzu, der ebenfalls auf seine Einsatzminuten pocht. Die Chancen auf einen Stammplatz des 26-Jährigen sind somit noch schlechter als zuvor.

Kein Wunder also, dass der Spanier Berichten zufolge an einen Abschied vom BVB denkt. Laut Marca soll Alcácer den Verantwortlichen seinen Wechselwunsch mitgeteilt haben, Atlético Madrid soll bereits Kontakt zum Stürmer aufgenommen haben.

Doch ob die Dortmunder Alcácer wirklich verkaufen, erscheint fraglich, schließlich wurde Haaland bewusst als zweite echte Nummer neun verpflichtet, da dies von den Verantwortlichen als größte Schwäche im Kader ausgemacht wurde. Es könnte eine harte Rückrunde für Alcácer werden.

Mario Götze

Was für Alcácer gilt, gilt auch für Götze. Die Verpflichtung Haalands wird die Einsatzchancen des Weltmeisters von 2014 weiter sinken lassen. Schon in der Hinrunde kam Götze trotz Alcácers Verletzung unregelmäßig zum Zug, dazu meist in ungeliebter Stürmerrolle.

Der Vertrag des Offensivspielers läuft am Saisonende aus, bei einer Verlängerung müsste er wohl auf viel Gehalt verzichten. Will Götze seiner Karriere noch einmal eine entscheidende Wendung geben, so muss er die Schwarzgelben wohl verlassen. Die Zeichen stehen derzeit eher auf Abschied.

Lucien Favre

Im Sommer hielt Favre die Verpflichtung eines zweiten Neuners für unnötig, inzwischen dürfte auch beim Schweizer ein Umdenken stattgefunden haben. Mit Haaland bekommt Favre das vielleicht letzte fehlende Puzzleteil im BVB-Kader serviert.

Das ist für ihn Fluch und Segen zugleich. Mit dem Norweger hat Favre in der Sturmspitze weitere Möglichkeiten, neben dem verletzungsanfälligen Alcácer einen weiteren echten Knipser in seinen Reihen, der auch hohe Bälle verwerten kann.

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Doch der Transfer des norwegischen Sturmjuwels ist zugleich auch ein Fingerzeig. Watzke und Zorc geben sich mit der aktuellen Spielzeit nicht zufrieden. Vor der Saison wurde offensiv von der Meisterschaft gesprochen, nach der Hinrunde hat Dortmund aber bereits sieben Punkte Rückstand auf Tabellenführer RB Leipzig.

Mit Haaland, der in 22 Pflichtspielen für Salzburg in dieser Spielzeit 28 Mal traf, will Dortmund in der Rückrunde voll angreifen. Nachdem Favre gegen Mitte der Hinrunde in der Kritik gestanden hatte, führte er seine Mannschaft mit neuem System zurück in die Erfolgsspur.

Diesen Trend muss der Schweizer in der Rückrunde bestätigen. Den Titel haben Zorc und Watzke allem Anschein nach noch nicht abgehakt.

Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc

Auch für die Dortmunder Bosse ist der Transfer ein richtungsweisender. Dass sich der 1,94 Meter große Stürmer für Dortmund entschieden hat, dürfen die beiden als Riesenerfolg verbuchen. Es zeigt: Dortmund kann auch gegen die großen Vereine in Sachen Transfers mithalten.

Mit dem Transfer setzen Zorc und Watzke ein Zeichen an die internationale Konkurrenz - und lehnen sich finanziell weit aus dem Fenster. Das Finanzpaket des Norwegers ist trotz überschaubarer Ablöse ein Kraftakt, Haaland dürfte das Gehaltsgefüge in Dortmund kräftig durcheinanderwirbeln, was zu Missstimmungen bei anderen Spielern führen könnte.

Jadon Sancho

Die Zukunft von Jadon Sancho scheint vorgezeichnet. Im Sommer 2020 verlässt er den BVB und schließt sich für eine vermutlich dreistellige Millionensumme einem internationalen Top-Klub an. Oder doch nicht?

Den Transfer von Haaland dürfte auch der gleichaltrige Engländer haargenau verfolgt haben. Und die Verpflichtung des Norwegers könnte Sancho vielleicht zum Umdenken bewegen.

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