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München - Die Klatsche gegen Bayern München bedeutet nun endgültig Abstiegskampf für Werder Bremen. In den kommenden zwei Spielen muss unbedingt gepunktet werden.

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Nur ein Sieg in den vergangenen elf Spielen und nur noch drei Punkte Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz: Werder Bremen steckt mitten im Abstiegskampf!

"Es geht für uns nur darum, die Klasse zu halten. Darauf müssen wir alles ausrichten", sagte Werder-Coach Florian Kohfeldt nach der 1:6-Pleite in München.

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Gerade die zweite Halbzeit gegen den FC Bayern, in der man sich vier Gegentore fing und spätestens nach dem 1:3 jeglichen Widerstand vermissen ließ, offenbarte tiefgründige Probleme in einer Mannschaft, die den Ernst der Lage offenbar noch lange nicht erkannt hat.

Werder mit Europapokal-Träumen gestartet

Auch Kohfeldt selbst ist ein Faktor der Negativserie, obwohl er bislang auf eine erfolgreiche Amtszeit an der Weser zurückblicken kann.

Im Oktober 2017 wurde der 37-Jährige Nachfolger von Viktor Skripnik und entwickelte die Mannschaft in kürzester Zeit zu einem ernsthaften Europa-League-Anwärter, der den offensiven Glanz alter Tage an die Weser brachte.

Was man in der vergangenen Spielzeit noch haarscharf verpasste, sollte in der aktuellen Saison endlich gelingen. Die offensive Spielweise wird den Bremern aber mehr und mehr zum Verhängnis. So fing man sich bereits 35 Gegentore – und das in nur 15 Spielen.

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Hat Kohfeldt den Abstiegskampf zu spät ausgerufen?

Angesichts einer schwachen Hinserie, in der man bislang nie über Platz zehn hinauskam, kommt der Zeitpunkt des ausgerufenen Abstiegskampfes für viele Werderaner zu spät.

Besorgniserregend ist vor allem die wackelige Abwehr, die immer wieder durch Langzeitausfälle geschwächt wird. Man stellt nicht nur die zweitschwächste Defensive der Liga, sondern hat zudem auch noch nicht einmal zu Null gespielt.

Darüber hinaus verletzte sich beim Spiel in München mit Theodor Gebre Selassie der dienstälteste Werder-Profi. Auf Twitter verkündet der Verein, dass der Tscheche mit einer schweren Muskelverletzung mehrere Wochen ausfallen wird.

Abwehrchef Niklas Moisander und Neuzugang Ömer Toprak setzen ebenfalls bereits fast die komplette Hinrunde aus.

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"Wir hatten in der gesamten Saison mit Verletzungen zu kämpfen", sagte Werders Scoutingchef Clemens Fritz im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1: "Wir haben keinen Rhythmus gefunden und mussten mit diversen Dingen kämpfen. Es ging in der Vorbereitung schon los. Viele Leistungsträger sind weggebrochen. Uns fehlt der Rhythmus und die Eingespieltheit wegen all der Verletzungen. Wir wollen es nicht schönreden."

"Alles oder Nichts"-Spiele gegen Mainz und Köln

Nun geht es gegen Mainz und Köln - zwei direkte Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt. Spiele, die Bremen gewinnen muss, will man keine Endzeitstimmung im Weserland aufkommen lassen.

Kohfeldt bringt es auf den Punkt: "Wir spielen eine scheiß Saison aus verschiedenen Gründen!" Gerade die mentale Stärke kann aktuell durchaus bezweifelt werden: Bewies man in der Vorsaison Comeback-Qualitäten, verspielte Bremen in der aktuellen Spielzeit bereits 16 Punkte nach Führung.

So scheint der Zeitpunkt der beiden wegweisenden Spiele für eine verunsicherte Bremer Mannschaft ungünstiger denn je zu sein. Fakt ist: Im Kampf gegen den Abstieg zählen nur noch Punkte - und dafür ist Charakter gefragt.

Fritz gibt die Marschroute vor: "Die Mannschaft muss sich bewusst sein, dass es nicht nur über spielerische Qualität geht. Gegen Mainz gilt es, die Zweikämpfe anzunehmen."

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Basler: "Ich habe große Angst"

Eben diese Mainzer und auch die Kölner befinden sich gerade in einem leichten Aufwärtstrend. Mainz verlor zwar gegen Dortmund mit 0:4, holte in den vergangenen vier Spielen aber immerhin zwei Siege. Köln scheint die Tugenden des Abstiegskampfes nach dem 2:0-Sieg gegen Leverkusen verinnerlicht zu haben.

SPORT1-Experte und Ex-Bremer Mario Basler blickt den kommenden Spielen der Bremer pessimistisch entgegen: "Wenn man sich so abschlachten lässt in München, dann hat das ein bisschen was von Aufgeben. Der Trainer kann es nicht retten. Was ich gesehen habe, gibt mir arg zu denken. Ich habe große Angst."

Werder sollte schnellstmöglich die Wende einläuten, sonst droht am Ende der Saison sogar der Gang in Liga Zwei.