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Eintracht Frankfurt und Werder Bremen sind die größten Enttäuschungen der Hinrunde. SPORT1-Chefkolumnist Tobias Holtkamp hat trotzdem ein großes Lob parat.

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Hallo Bundesliga-Freunde,

die zwei größten Enttäuschungen der Hinrunde heißen Werder Bremen und, nach einem miserablen Dezember, auch Eintracht Frankfurt. Sechs Niederlagen an den letzten sieben Spieltagen, dazu ein Unentschieden (2:2 gegen Hertha) - ein fast dramatischer Absturz der Hessen. Bremen gelangen im gesamten Halbjahr nur drei Siege, das schwächste Ergebnis der Vereinsgeschichte.

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Ausgerechnet Bremen und Frankfurt sind im freien Fall und würden, wenn sie Mitte Januar so weitermachen wie zuletzt, auf direktem Weg aus der Bundesliga absteigen. Zwei Mannschaften, die vor gar nicht langer Zeit noch hochgelobt wurden für ihren Fußball, ihre Einstellung und ihre mutige Herangehensweise, die auch für einige besondere Siege sorgten.

"Wie Gift, das die Qualitäten betäubte"

Es ist offensichtlich, dass die vielen Komplimente, die positiven Bewertungen und die selbst erarbeitete Feel-good-Atmosphäre im Nachhinein wie böse Viren wirkten. Wie Gift, das die Qualitäten betäubte. Denn sowohl in Bremen als auch in Frankfurt sind es dieselben Spieler, denen auf einmal kaum noch etwas gelingt. Die es nicht mehr hinbekommen, Leistungen abzurufen, die sie zu leisten im Stande sind.

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Es ist so ziemlich das Schlimmste, was einer mit besonderen und hochwertigen Einzelkönnern bestückten Mannschaft passieren kann, wenn im Laufe der Saison, zunächst noch durch Unglück oder ärgerliche Fehler, langsam aber sicher die gesteckten Ziele aus dem Visier verschwinden.

Sich dann für eine Aufgabe wie dem Verhindern eines drohenden Abstiegs zu motivieren, fällt den Spielern, die eigentlich auf ganz andere Ziele geeicht wurden und sich auch prädestiniert sehen für höhere Aufgaben, extrem schwer. Viele bekommen es einfach nicht hin, ein wesentlicher Grund für den überraschenden Absturz personell vermeintlich gut aufgestellter Kader.

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Im Abstiegskampf ist die fußballerische Qualität natürlich nicht belanglos, die charakterliche Eignung samt Bereitschaft, sich für etwas zu zerreißen, das eben nichts mit Titeln oder der Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb zu tun hat, sondern rein dem Verhindern einer sportlichen Katastrophe, ist aber wichtiger. Die entscheidenden Fragen also: Hat man genug Typen dieser Prägung im Kader? Verstehen die besseren Fußballer, dass sie den stärkeren Kämpfern weichen müssen? Was macht das mit der Mannschaft, dem Gefüge?

Eintracht und Werder stärken Trainer

Die Verantwortlichen bei Werder und in Frankfurt tun gut daran, nicht noch eine weitere Großbaustelle zu öffnen. Sowohl Fredi Bobic bei der Eintracht als auch Bremens Aufsichtsrats-Vorsitzender Marco Bode, der die Führung des Krisenstabs beim Liga-Vorletzten übernommen hat, stärken ihre Trainer - und zwar uneingeschränkt. Das ist genau richtig, aber eben auch ungewöhnlich, zumal ja gerade Traditionsvereine oft von großen Emotionen im Umfeld getrieben und am Ende auch bestimmt werden. Schalke, HSV, Köln oder Stuttgart sind da gute (oder eben schlechte) Beispiele der letzten Jahre.

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Die Ruhe im Verein und das Festhalten an der Mannschaftsleitung wird sowohl der Eintracht als auch Bremen dabei helfen, zwar nicht mehr die großen Saisonziele zu erreichen, aber zumindest den Super-GAU zu verhindern. Die Pause jetzt kommt für die Krisen-Riesen zum goldwerten Zeitpunkt, sie werden neu ein- und aufgestellt in die Rückrunde gehen. Eine verschenkte Bundesliga-Saison bleibt es dann dennoch - und das ist enttäuschend genug.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".