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München - Kai Havertz ist das Tafelsilber von Bayer Leverkusen und wird den Verein im Sommer wohl verlassen. Derzeit steckt der Jungstar jedoch in seiner ersten Krise.

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Kai Havertz ist unbestritten eines der größten deutschen Talente seit Jahren. Eine große Karriere scheint vorgezeichnet.

Der kometenhafte Aufstieg des Nationalspielers von Bayer Leverkusen ist auch der Fußball-Elite nicht verborgen geblieben. Es vergeht kaum ein Tag, an dem Havertz, dessen Abschied am Ende der Saison trotz Vertrags bis 2022 als beschlossene Sache gilt, nicht bei einem europäischen Spitzenklub gehandelt wird.

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Nach seinem Debüt im Oktober 2016, als er im Alter von 17 Jahren und 126 Tagen zum jüngsten Spieler avancierte, der je für Leverkusen in der Bundesliga auflief, ging es für den offensiven Mittelfeldspieler erstmal nur bergauf.

Aktuell aber durchlebt der 20-Jährige die erste Krise seiner noch jungen Karriere.

Bei der 0:1-Pleite im letzten Heimspiel vor der Winterpause gegen Hertha BSC musste Havertz, als er in der 72. Minute nach schwacher Leistung ausgewechselt wurde und mit gesenktem Kopf sowie hängenden Schultern vom Platz schlich, gar ein gellendes Pfeifkonzert über sich ergehen lassen.

Bosz nimmt Havertz in Schutz

Sehr zum Ärger seines Trainers Peter Bosz, der seinen Musterschüler trotz der wochenlangen Formkrise in Schutz nahm: "Ich verstehe die Pfiffe gegen Kai Havertz nicht. Wir reden hier immer von der Bayer-04-Familie, das sind die Fans, Spieler, Mitarbeiter - alle zusammen. Auch, wenn es nur von ein paar Menschen kam - ich würde meine Familie nie so beschimpfen."

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Auch Teamkollege Jonathan Tah kritisierte die Reaktion der eigenen Anhänger. "Ich finde das scheiße! Das bringt nichts. Und es wird auch nicht dazu führen, dass er motivierter ist", sagte der Abwehrspieler. Ähnlich reagierte auch Abwehrchef Sven Bender: "Das ist nicht einfach für den Jungen. Man darf auch nicht vergessen, was er für ein hervorragender Spieler ist und was er schon für den Verein geleistet hat."

Zweifellos. Doch woher rührt die aktuelle Formdelle des hochbegabten Technikers? Dass Havertz innerlich schon mit Leverkusen abgeschlossen habe, glaubt Bender nicht: "Man hat nicht das Gefühl, dass er mit dem Kopf schon woanders wäre. Er hat momentan eine nicht ganz einfache Phase."

Die auch nicht weiter verwunderlich ist angesichts eines Alters, in dem Leistungsschwankungen zur Normalität gehören - auch bei Himmelsstürmern. Ein Muskelfaserriss im November brachte den Edeltechniker zusätzlich aus dem Rhythmus.

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Havertz strahlt keine Gefahr mehr aus

Dass sich Havertz in einer Schaffenskrise befindet, lässt sich jedenfalls durch Zahlen belegen. Seit inzwischen 13 Pflichtspielen wartet er auf eine Torbeteiligung, in 20 Partien kommt er auf die magere Ausbeute von drei Toren und einem Assist, nachdem er in der Vorsaison in 42 Partien 27 Scorer-Punkte gesammelt hatte.

Torgefahr, Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit sind derzeit wie weggeblasen, das Selbstvertrauen ist spurlos verschwunden. Havertz werde in seiner Karriere noch öfter erfahren, "dass es nicht nur nach oben geht", prophezeite Bosz, "damit muss er lernen umzugehen".

Verstärkt drängt sich der Eindruck auf, dass der Trubel um seine Person zu groß geworden ist, dass ihn die täglichen Meldungen zu seiner Zukunft lähmen und das hohe Preisschild womöglich eine zu große Bürde ist.

"Joao Félix hat Atlético Madrid 126 Millionen Euro gekostet - und Kai Havertz sehe ich keinesfalls schlechter", meinte Bayer-Geschäftsführer Fernando Carro Anfang November in der Rheinischen Post - und erklärte zugleich: "Angesichts seiner Vertragsdauer (bis 2022, Anm. d. Red.) müssen wir damit rechnen, dass er uns entweder kommenden Sommer oder in dem darauf verlässt."

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Barca, PSG, Liverpool - Havertz hat alle Optionen

Schließlich könne Bayer Havertz "nicht das anbieten, was andere Vereine können". Vereine wie der FC Bayern oder Borussia Dortmund. Juventus, PSG, Real Madrid, der FC Barcelona. Oder die englischen Spitzenklubs FC Liverpool, Manchester City und Manchester United. Sie alle wurden schon mit Havertz in Verbindung gebracht.

"Er kann sich seinen neuen Verein eigentlich aussuchen", sagte Leverkusen-Legende Jens Nowotny kürzlich im Gespräch mit SPORT1. Auch der langjährige Nationalspieler rechnet mit einem Havertz-Abgang im Sommer 2020: "Einfach um die Möglichkeit des internationalen Vergleichs, auch vielleicht eine andere Liga kennenzulernen."

Der Umworbene selbst betonte jedoch erst Anfang Dezember, dass er sich noch überhaupt nicht mit einem Vereinswechsel im Sommer beschäftige: "Ehrlich gesagt interessiert mich das im Moment zu null Prozent. Ich habe oft gesagt: Ich werde mich darum kümmern, wenn es die Möglichkeit dazu gibt."

Diese könnte sich jetzt in der Winterpause ergeben, damit das Thema vom Tisch ist - und Havertz in der Rückrunde sowie bei der Europameisterschaft im kommenden Sommer wieder voll durchstarten kann.