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München - In seiner Kolumne "Auf den Punkt" spricht SPORT1-Experte Marcel Reif über Gladbachs Titelchancen und analysiert die Konstellation bei RB Leipzig.

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Liebe Fußball-Freunde, der Punkt ist:

Wir sollten uns zunächst einmal freuen, dass Gladbach und Leipzig vorne dabei sind und die Liga spannend machen. Weil es Spaß macht: Du weißt am Samstagvormittag nicht, wer später wie gespielt hat!

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Ich glaube, dass Leipzig einen Schritt weiter und konstanter ist. Sie haben nicht nur einen momentanen Lauf, sondern das wirkt stabil.

Punkt 1: Beide haben ausreichend Qualität für das Titelrennen!

Früher hat man immer gesagt: Lasst uns mal sehen, was im März ist, wenn die Verletzungen kommen - hier mal ein Muskelfaserriss, dort mal eine Zerrung - dann holen die Bayern ihre Nummer 14, 15 und 16 auf den Platz, und dann haben die anderen eh keine Chance.

Gladbach hat einen Kader, mit dem Marco Rose rotieren kann. Julian Nagelsmann in Leipzig genauso.

Wenn wir ganz ehrlich sind: Wer von uns kann den Kader von Leipzig komplett aufsagen? Da sind Spieler, an deren Namen man sich immer wieder gewöhnen muss. Aber das hat eine Tiefe, die ist wirklich bemerkenswert. Das haben beide gemeinsam.

Punkt 2: Beide haben einen klaren Plan - und die passenden Strukturen!

Was haben Gladbach und Leipzig noch gemeinsam? Einen klaren Plan! Und zwar nicht erst seit dieser Saison, sondern dort hatte man die Ruhe - auch wenn man zugeben muss, dass der Druck dort ein anderer ist als in Dortmund und München.

Man konnte also in Ruhe sagen: Ich brauche den und den Trainer, wir haben den und den Plan, wir haben die und die Mittel und dieses Zeitraster. Man hat die Ruhe, den Plan und hat sich die Leute geholt, die es können. Der Erfolg ist kein Zufall!

Und es liegt auch nicht nur daran, dass die Bayern und Dortmund schwächeln. Das ist Unsinn.

Punkt 3: Mateschitzs Geld und Nagelsmanns Ehrgeiz - eine starke Mischung!

Bei Leipzig ist es immer ein bisschen wohlfeil zu sagen, die Brause-Millionen müssen sich irgendwann in Titeln auszahlen. Aber wer Mateschitz kennt, der weiß: Er hat wirtschaftliche Interessen, die liegen nicht auf dem Platz. Wenn Leipzig jedes Jahr in die Champions League kommt und schön oben mitmacht, dann gebe ich Brief und Siegel, dass in Salzburg niemand hysterisch wird.

Natürlich würde eine Meisterschaft das Projekt krönen, aber ich glaube nicht, dass es dort Druck von außen gibt. Der Druck kommt von Julian Nagelsmann: Das ist ein junger Mann, der noch nicht wirklich viel verloren hat im Leben, also keine großen Narben hat. Ich glaube, die braucht es, um ein großer Trainer zu werden. Aber der hat eine Fokussierung und eine Klarheit, die ist schon spannend.

Punkt 4: Gladbach wird von der Tradition beflügelt

Die weichen Faktoren, rund um den Bökelberg, der er für uns vornehme Fremde ja immer noch ist: Das hat schon einen romantischen Touch. Natürlich wäre Borussia Mönchengladbach nochmal was für die Fußball-Romantiker.

Aber ich glaube, in Gladbach hat man begriffen, dass die vielen schönen Schwarz-Weiß-Fotos auf der Geschäftsstelle toll sind, aber dass sie dir kein bisschen weiterhelfen und du sie auch nicht als Rucksack mit dir herumschleppen darfst. Dort gibt es Klarheit im Denken. Und wenn man dann etwas Romantik und Tradition im Rücken hat, beflügelt das eher.

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Punkt 5: Dortmund und Bayern darf man nicht abschreiben!

Ich würde weder Dortmund, noch die Bayern abschreiben. Denn daran kommen wir nicht vorbei: Von der individuellen Klasse her stehen beide noch vor Gladbach und Leipzig.

Aber die Bayern kriegen ein nachhaltiges Problem - und die anderen dadurch die größere Chance - wenn sie von Woche zu Woche wieder anfangen zu fragen: Ist Flick doch nicht der Wunderheiler? Oder gibt es überhaupt Wunderheiler im Fußball? Oder macht er einen prima Job und sie spielen eine erste Halbzeit wie gegen Gladbach? Das war Fußball am oberen Limit!

Wenn die Bayern ihre Gelassenheit beibehalten, ohne geschwätzig über den Boulevard zu marschieren - in der Causa Flick und in der weiteren Planung - dann sind auch diese sieben Punkte nichts, was sie nicht aufholen könnten.

Punkt.

Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme-Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.