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Borussia Dortmund fehlt es in dieser Saison an Souveränität. SPORT1-Chefkolumnist Tobias Holtkamp fürchtet, dass die Meisterträume des BVB im Winter platzen.

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Hallo Bundesliga-Freunde,

bei keinem Verein klafft aktuell so eine große Lücke zwischen Anspruch und Realität wie bei Borussia Dortmund.

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Nach sechs Spieltagen liegt der BVB, der diese Saison "ohne Wenn und Aber um die deutsche Meisterschaft spielen" will, wie Klubchef Hans-Joachim Watzke unterstrich, bereits fünf Punkte hinter Plan, mit viel Wohlwollen, für viele sind es sogar sieben. Bei Aufsteiger Union Berlin (1:3) und zu Hause gegen Bremen (2:2) waren Siege budgetiert, dazu kommt das späte Eigentor in Frankfurt (2:2).

Dass die Stimmung beim zweiten deutschen Top-Klub neben dem FC Bayern mittlerweile spürbar gereizt ist, hat aber gar nicht nur die Zahlen als Ursprung. Der BVB hat im Grunde Glück: Kein Konkurrent ist bisher enteilt, Dortmund liegt als Siebter nur drei Punkte hinter Platz 1. (Service: Bundesliga-Tabelle)

Was frustierender ist: der Fußball, den die Dortmunder spielen, ist nicht besonders. Defensiv überraschend anfällig und offensiv ohne Durchschlagskraft. Es fehlt das Gleichgewicht. Und die Ratlosigkeit derer, die nach Abpfiff in die Kameras sprechen, macht eher wenig Hoffnung darauf, dass das noch eine herausragende Saison wird für den BVB. So eine, die man braucht, um Deutscher Meister zu werden.

Es kommt nicht gut, dass auch der Cheftrainer unschlüssig wirkt, darüber, woran es denn liegt. Lucien Favre hat viele Stärken, er ist detailbesessen und erfindet immer wieder neue taktische Ideen für bevorstehende Aufgaben.

Er liebt das Spiel, nicht das Drumherum. Er ist kein emotionaler Motivator, keiner, der auf psychologische Elemente setzt, um bei seinen Spielern letzte Extraprozente rauszukitzeln, in Einstellung oder Konzentration zum Beispiel, und damit auch in Leistung.

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Gegen Barcelona, auf der Flutlicht-Bühne Champions League, sind die Stars von ganz alleine am Limit. Voll da, voll motiviert. Aber im Alltag? In Berlin oder gegen Bremen? Genau dort müssen sie ansetzen beim BVB, dort müssen sie Favre helfen, statt sich hinter ihrem sportlichen Anführer zu verstecken - oder ihn unter Druck zu setzen.

Die Chefs sind jetzt gefragt. Watzke, der auch in der Vergangenheit schon als Impulsgeber in der Kabine auftrat, Manager Michael Zorc oder Berater Matthias Sammer, dessen Kompetenz genau die emotionale Führung ist, die sie bei Favre oft vermissen.

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Doch auch in der Mannschaft steht mit Mats Hummels, 30, ein Spieler, der seinem Trainer jetzt helfen kann. Er ist genau deswegen zurückgeholt worden, für über 30 Millionen Euro Ablöse, um mit seiner Erfahrung schwierige Situationen zu lösen - nicht nur im Strafraum.

Hummels ist eine spielende Führungspersönlichkeit, hat große Titel gewonnen, war Weltmeister und sechsmal Deutscher Meister, ist intelligent, clever und allem voran sprachgewandt. Hummels muss in dieser Phase seine Qualitäten in jedem Bereich einbringen, um den BVB zu entspannen. Sie brauchen eine klare Linie, sie brauchen Dominanz. Die Ausstrahlung Unbezwingbarer.

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Sonst droht ein sehr unruhiges Bundesliga-Jahr. Denn sonst liegen Borussia Dortmunds Titelpläne schon im Winter auf Eis.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp ab sofort als Chef-Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".