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München - Erstmals seit fast vier Jahren wird Thiago nach der Halbzeit bei Bayern ausgewechselt. In Paderborn spielt er zu risikoreich. Bleibt er unantastbar?

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Thiago war am Samstag beim SC Paderborn (3:2) ein Unsicherheitsfaktor, sorgte mit einem Flugball-Rückpass aus 35 Metern fast für ein Eigentor und fand wenig Zugriff im Mittelfeld des FC Bayern.

Die Folge: Trainer Niko Kovac wechselte den Stammspieler bereits zur Halbzeit aus und brachte seinen spanischen Landsmann Javi Martínez, um im defensiven Mittelfeld für mehr Sicherheit zu sorgen.

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Irre: Dass Thiago letztmals nach 45 Minuten im Bayern-Dress raus musste, war zu diesem Zeitpunkt 1467 Tage her. Damals nahm ihn Pep Guardiola vom Feld und brachte Robert Lewandowski, der mit fünf Toren binnen neun Minuten aus einem 0:1 ein 5:1 gegen den VfL Wolfsburg machte.

"Thiago hatte am Samstag in Paderborn nicht seinen besten Tag. Das haben viele gesehen, das hat er auch eingesehen. Er ist ein sehr selbstkritischer Spieler. Aber bei ihm ist es auch so wie bei allen anderen: Die Leistung muss stimmen", sagte Kovac am Montag auf der abschließenden Pressekonferenz vor der Partie gegen Tottenham, als er von SPORT1 nach einer Stammplatzgarantie für den 28-Jährigen gefragt wurde.

"Wenn sie stimmt, dann hat man auch die Berechtigung, weiterhin zu spielen. Wenn man mal ein schlechtes Spiel haben sollte, heißt das aber nicht, dass man verdammt wird. Aber die anderen warten und sind bereit. Dem muss man Rechnung tragen. Deswegen wird man sehen, was morgen, oder in ein paar Tagen, passiert", fügte Kovac hinzu.

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Thiago raus aus sportlichen Gründen – fortan nicht mehr gesetzt?

Zuvor hatte sich auch Karl-Heinz Rummenigge zur Personalie Thiago geäußert. "Ich mische mich nicht in die Aufstellung ein. Das ist exklusiv die Aufgabe des Trainers. Dass er aber schon bessere Tage hatte, ist auch klar", sagte der Bayern-Boss vor dem Abflug nach London auf SPORT1-Nachfrage (Champions League: Tottenham Hotspur - FC Bayern München ab 21 Uhr im LIVETICKER).

Der Vorstands-Boss machte jedoch deutlich: "Es betrifft nicht nur Thiago. Wir müssen das Spiel von hinten raus besser öffnen, im Mittelfeld die Spielkontrolle besser haben und vorne, obwohl wir 19 Tore in sechs Spielen gemacht haben, hätten wir noch mehr machen können. Es gibt überall was zu verbessern. Das ist das Gute."

Nicht nur einmal brachte der 28-Jährige mit seiner Spielweise den Vorstands-Boss höchst selbst auf der Paderborner Tribüne in Rage. Sein Fast-Eigentor sorgte bei Rummenigge gar für "leichte Herzinfarkt-Gefahr", wie er anmerkte. Sportdirektor Hasan Salihamidzic ergänzte: "Er hat in Paderborn nicht sein bestes Spiel gemacht, aber wir wissen alle, was er für Qualitäten hat. Deswegen mache ich mir um Thiago keine Sorgen."

Thiago zwischen Genie und Wahnsinn

Thiago jedenfalls, eigentlich Kovacs Musterschüler, ist derzeit nicht mehr unumstritten. Immer wieder schwebt der Routinier zwischen Genie und Wahnsinn. Schon gegen Dortmund im Supercup-Finale (0:2) leistete er sich eines seiner schwächsten Spiele im Bayern-Dress (SPORT1-Note 5,5). Mit zwei Fehlpässen in den Fuß des Gegners leitete er die beiden Gegentore ein. Ein Manko, das oft bei ihm zu sehen ist – trotz seiner hohen Passquote. Auch in der laufenden Bundesliga-Saison spielte er für seine Qualitäten allenfalls durchschnittlich. 

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Mal sorgt er für geniale Momente, brilliert mit Zweikampfstärke und filigranen Pässen. Mal spielt er in gefährlichen Zonen aber viel zu leichtfertig und sorgt für Gefahr. In der Offensive sucht er trotz aussichtsreicher Positionen fast nie den Abschluss – auch in Paderborn war das zu sehen.

Gäbe es adäquaten Ersatz für Thiago?

Martínez, von vielen Experten gefordert, erledigte seine Aufgabe anstelle Thiagos bei den Ostwestfalen seriös und machte das, was er vor allem kann: Das Zentrum dichthalten und abräumen, einfache Pässe spielen. "Javi hat das sehr, sehr gut gemacht. Er hat Stabilität reingebracht, wobei wir auch in der zweiten Halbzeit nicht diese Dominanz hatten. Sie war dann aber besser als in der ersten Halbzeit", resümierte Salihamidzic.

Neben Thiago war zuletzt Joshua Kimmich auf der Sechs gesetzt, weil ihn Benjamin Pavard als Rechtsverteidiger passabel vertrat.

Kimmich neben Thiago die richtige Lösung?

"Ich glaube, dass es der Trainer momentan richtig macht. Wir haben mit Pavard einen Top-Rechtsverteidiger. Er macht das gut und hat in den ersten Wochen bei uns eine gute Entwicklung genommen. Kimmich macht es im Mittelfeld auch gut. Er hat zwei aufgelegt am Samstag. Damit ist alles okay", sagte Rummenigge.

Unklar ist, ob Kovac am Dienstag gegen die in der Offensive stark besetzten Tottenham Hotspur im Zentrum umstellt. Möglich wäre jedenfalls, dass Martínez aufgrund seiner Defensiv-Stärke in die Startelf rutscht. Thiago könnte dafür auf der Bank landen oder Kimmich rückt anstelle des in Paderborn ebenfalls schwachen Pavard auf die rechte Seite. Auch der kopfballstarke Corentin Tolisso ist eine Option.

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Thiago, den Kovac auf der USA-Reise als seinen "Taktgeber" bezeichnete und über den er sagte, es gebe nichts, was er nicht könne, steht fortan jedenfalls unter kritischer Beobachtung.

Ob er seinen Spielstil nochmal ändern wird? Im Klub-Magazin 51 sagte er zuletzt: "Du darfst keine Angst haben. Keine Angst, Fehler zu machen. Keine Angst, etwas zu probieren. Du brauchst Leidenschaft."