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München - Das Unentschieden gegen Werder Bremen bedeutet die nächsten Punktverluste für den BVB - was ist los in Dortmund? Und wer trägt die Schuld?

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Auch einen Tag nach dem erneut enttäuschenden Ergebnis am sechsten Bundesliga-Spieltag gegen Werder Bremen sind die Sorgenfalten im BVB-Umfeld nicht kleiner geworden.

"Ich habe dafür noch keine Erklärung", sagte Sportdirektor Michael Zorc der WAZ: "Die erste Halbzeit war für mich komplett in Ordnung, wir haben uns Chancen herausgespielt, waren dominant. Warum wir dann in der zweiten Halbzeit so ein offenes Spiel zugelassen haben, verstehe ich nicht."

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Platz acht nach sechs Spieltagen. Nur ein Sieg aus den letzten vier Ligaspielen. Enttäuschend.

Wieso bekommt der BVB seine zweifelsohne vorhandenen PS aktuell nicht auf die Straße? Wer ist schuld an der BVB-Misere?

Fehlende Mentalität?

"Oh Mann, kommt mir nicht mit dieser Frage, Mentalität ist nicht das Problem", giftete ein entnervter Axel Witsel nach Abpiff am vergangenen Samstag in die Mikrofone.

Die Debatte um das große M-Wort ist in Dortmund nicht zum ersten Mal entfacht - völlig aus der Luft gegriffen scheint sie jedoch nicht.

Doch auf was genau zielt sie ab?

Sowohl gegen Bremen als auch schon zuvor gegen die Frankfurter Eintracht, Union Berlin, den FC Augsburg und den FC Köln lag das Favre-Team zunächst hinten – also in fünf von sechs Bundesliga-Partien.

In jeder Begegnung kam man jedoch zurück und drehte die Partie (mit Ausnahme Union Berlin) in eine Führung um - spricht nicht genau das für eine mehr als ausgeprägte Mentalität?

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Führungsspieler?

Vielmehr stellt sich doch die Frage, weshalb man es gegen mutmaßlich schwächer besetzte Mannschaften nicht schafft, die Ergebnisse über die Zeit zu bringen.

Genau für diese Szenarien wurde vor der Spielzeit Mats Hummels zurück in den Signal Iduna Park gelotst. Er galt für viele Experten als das fehlende Puzzleteil zur Mission Meisterschaft.

Der Ex-Nationalspieler musste jedoch gegen die Eintracht verletzungsbedingt ausgewechselt werden, fehlte dann auch im Heimspiel gegen Werder – zwei Punkteverluste nach Führung waren die Folge.

Doch was ist mit den verbliebenen Führungskräften?

Axel Witsel verlor vor dem 0:1 gegen Bremen den entscheidenden Zweikampf, Marco Reus sucht allgemein noch seine Form aus der Hinrunde der Vorsaison und kann die Mannschaft aktuell nicht schultern. 

Lucien Favre?

Wenn eine ganze Mannschaft jedoch derart inkonstant und fragil daherkommt, muss zwangsweise auch der Trainer hinterfragt werden.

Bereits in der vergangenen Spielzeit kamen zum Ende der Saison Zweifel an der Meistermacher-Fähigkeit von Lucien Favre auf.

Nach dem Spiel gegen Werder wirkte der Schweizer zerbrechlich, ratlos, strahlte keine Zuversicht aus.

Dessen Liebe fürs Detail und die taktische Besessenheit sind unumstritten, seine zwischenmenschlichen Fähigkeiten und sein Krisen-Management jedoch nicht.

Dass er eine Mannschaft spielerisch auf ein neues Level heben kann, hat er bereits in der Vergangenheit bewiesen – für Titel hat es (bis auf zwei Meisterschaften in der Schweiz) bei all seinen weiteren Stationen aber nicht mehr gereicht.

Zu seiner Verteidigung muss jedoch gesagt werden, dass er in diesem Jahr zum ersten Mal ein Team beisammen hat, das dem Anspruch gerecht werden kann, um die Meisterschaft mitzuspielen.

Neuzugänge?

Neben Hummels schien man mit Julian Brandt, Thorgan Hazard und Nico Schulz im Sommer endgültig den ohnehin schon gut besetzten BVB-Kader veredelt zu haben.

Nach mittlerweile neun Pflicht-Begegnungen in dieser Spielzeit muss man jedoch konstatieren: der erhoffte Qualitäts-Schub bleibt noch aus.

Dem 76-Millionen-Euro-Paket kann man die Lust und den Einsatz nicht absprechen, die Selbstverständlich- und Leichtigkeit der Vorsaison geht allen dreien noch ab.

Erwartungshaltung?

Stichwort Leichtigkeit – genau diese scheint nicht nur den Neuzugängen, sondern der gesamten Mannschaft aktuell abhandengekommen zu sein.

"Wir haben derzeit zu viele Spieler, die nicht in Bestform sind. Wir treffen zu oft falsche Entscheidungen. Das ist der Grund, warum wir aktuell auf der Stelle treten", versuchte Zorc in der WAZ die aktuelle Situation zusammenzufassen.

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Mit (zu Recht) offensiven Kampfansagen vor Saisonbeginn haben sich Spieler und Offizielle selbst unter Druck gesetzt. Druck, mit dem der BVB schon zum Ende der vergangenen Spielzeit nicht zurechtkam.

Jedes Spiel gewinnen zu müssen, weil die abgezockten Bayern nur auf Fehler lauern.

Das Offensivspiel wirkt zur Zeit verkrampft, die Geradlinigkeit fehlt. Und in der Defensive präsentiert man sich teilweise schläfrig und inkonsequent.

Fazit:

Ob es nun an Mentalität, Qualität oder dem Trainer liegt - festzuhalten bleibt: So reicht es nicht.

Zur Lösung dieses Problems sind nun alle im BVB-Umfeld gefragt. Von den Bossen bis zum Bankdrücker, die Lust am Spiel und am Siegen muss wiederentdeckt werden.

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Viel Zeit zum Nachdenken bleibt sowieso nicht. Am Mittwoch heißt es wieder Königsklasse. (Champions League: Slavia Prag - Borussia Dortmund ab 18:55 Uhr im LIVETICKER)

Dass der BVB dort leichtfüßig aufspielen kann, hat er bereits gegen den FC Barcelona bewiesen.