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München - Die Bayern leihen Ivan Perisic als Alternative für Leroy Sané. Wie ist der Transfer zu bewerten? SPORT1 analysiert die Leistungsdaten des kroatischen Flügelstürmers.

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Der Kreuzbandanriss von Leroy Sané hat den FC Bayern kalt erwischt.

Innerhalb kurzer Zeit mussten die Verantwortlichen an der Säbener Straße eine Alternative für den deutschen Nationalspieler suchen - und fanden sie schließlich in Ivan Perisic. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge persönlich übernahm die Initiative und erfüllte den Wunsch seines Trainers Niko Kovac.

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Ivan Perisic auf Leihbasis von Inter zum FC Bayern

Der Rekordmeister leiht den 30-Jährigen zunächst für ein Jahr für fünf Millionen Euro von Inter Mailand aus. Zusätzlich sicherte sich der FC Bayern eine Kaufoption, die zwischen 20 und 25 Millionen Euro liegen soll. Nach SPORT1-Informationen bekommt Perisic in München ein Jahresgehalt von zehn bis elf Millionen Euro brutto, das mit Beginn der Leihe zu 50 Prozent von den Bayern und zu 50 Prozent von Inter übernommen wird.

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Ist dieses Geld gut angelegt? Auf wen dürfen sich die Bayern-Fans freuen - und wo hat der Außenstürmer möglicherweise Defizite? SPORT1 hat die Leistungsdaten von Ivan Perisic unter die Lupe genommen.

Die Leistungsdaten von Leroy Sané, Serge Gnabry, Kingsley Koman und Ivan Perisic © Opta

In jedem Fall bekommen die Bayern einen torgefährlichen Spieler, der gerne selbst den Abschluss sucht (3,3 Mal pro 90 Minuten), aber auch das Auge für den Mitspieler besitzt. Zwei Torschussvorlagen pro 90 Minuten - mehr als Kingsley Coman (1,8), Serge Gnabry (1,4) oder Sané (1,9) - standen in der vergangenen Saison auf seinem Statistik-Zettel.

Perisic effektiver als Gnabry und Coman

Auch in Sachen Effektivität muss sich Perisic nicht verstecken: Seine Großchancenverwertung von 47 Prozent wird nur von Sané (50 Prozent) getoppt, Gnabry (43 Prozent) und Coman (38 Prozent) müssen sich in dieser Hinsicht hinten anstellen.

Und dennoch: "Seine Zeit bei Inter hatte mehr Schatten als Licht", sagt der italienische Serie-A-Experte Dario Bersani von NLS Radio im Gespräch mit SPORT1: "Obwohl Perisic von schweren Verletzungen verschont blieb, war seine Leistung über die Jahre nicht von der gewünschten Konstanz geprägt."

Immerhin aber legte der Kroate in den Spielzeiten 2016/17 und 2017/18 allein in der Liga zwei Mal in Folge je elf Tore sowie elf Assists für Inter auf - und das, obwohl im Sommer 2017 sein Traum von der Premier League platzte.

Mourinho und Manchester United zeigten Interesse

"Damals wollte ihn José Mourinho zu Manchester United holen", erinnert sich Bersani und erklärt: "Weil der Deal scheiterte, musste er gegen seinen Willen bei Inter bleiben." Unter Trainer Luciano Spalletti blühte Perisic in der darauffolgenden Saison dennoch auf, überzeugte sowohl auf dem Flügel als auch sporadisch in der Mitte.

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Während Coman und Ganbry in der vergangenen Saison jedoch den nächsten Schritt machten, fiel Perisic nach Platz zwei bei der WM in Russland wie auch einige andere seiner kroatischen Mitspieler in ein Loch - und tat sich schwer, aus diesem wieder herauszukommen.

"Das ging sogar so weit, dass ihn Teile der Inter-Fans gegen Saisonende auspfiffen", berichtet Bersani. Am Ende standen acht Tore in 34 Serie-A-Spielen zu Buche - und damit drei weniger als in den beiden Spielzeiten zuvor.

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Nicht so trickreich wie Sané, Coman und Gnabry

Nicht nur deshalb wurde ein Perisic-Transfer beim FC Bayern vor der Sané-Verletzung nach SPORT1-Informationen vereinsintern abgelehnt - sondern vor allem auch, weil ihm Schnelligkeitsdefizite und Schwächen im Eins-gegen-Eins attestiert wurden.

Nicht ganz zu Unrecht, wie die Zahlen belegen: Pro 90 Minuten ging Perisic in der vergangenen Saison durchschnittlich gerade einmal in 2,1 Dribblings, von denen noch dazu nur 37 Prozent erfolgreich waren.

Zum Vergleich: Sowohl Coman (6,5 Versuche, 60 Prozent Erfolgsquote) als auch Gnabry (6,3 Versuche, 40 Prozent) und Sané (5,2 Versuche, 51 Prozent) waren in der Hinsicht deutlich forscher - und obendrein erfolgreicher.

Allerdings brachte es keiner der drei auf so viele Einsätze wie Perisic, der mit 34 Liga-Einsätzen einmal mehr seine Robustheit unter Beweis stellte: Bei Inter stand der 30-Jährige in 163 von 177 möglichen Pflichtspielen der Nerazzurri auf dem Platz.

Coman hingegen verpasste seit seinem Wechsel zu den Bayern im Jahr 2015 ganze 77 der 201 Pflichtspiele der Münchner. Gnabry fehlte nach seinem Transfer in die Bundesliga 2016 in 32 von 127 möglichen Pflichtspielen seiner Klubs Bremen, Hoffenheim und Bayern.

Salihamidzic schwärmt von Perisic

Kurz gesagt: Auf Perisic ist Verlass. Das weiß auch Kovac, der seinen Landsmann nach SPORT1-Informationen schon lange vor Sanés Verletzung bei den Vereinsbossen anpries - dort allerdings zunächst abblitzte.

Unter dem Bayern-Coach soll der Vize-Weltmeister nach der durchwachsenen vergangenen Saison eine Motivationsspritze erhalten und an frühere Leistungen anknüpfen. Der ehemalige Bayern-Profi Stefan Effenberg ist sicher, dass Perisic das gelingt: Im CHECK24 Doppelpass bezeichnete der SPORT1-Experte den Neuzugang als "herausragenden Spieler".

"Ivan wird uns mit seiner langjährigen Erfahrung auf internationalem Top-Niveau sofort weiterhelfen", wird Sportdirektor Hasan Salihamidzic in der Pressemitteilung der Münchner zur Verpflichtung zitiert, "er ist technisch stark und in der Offensive flexibel einsetzbar. Ich bin mir sicher, dass Ivan sich schnell integrieren wird, da er die Bundesliga und auch unseren Trainer Niko Kovac bereits gut kennt."

Gerade in der entscheidenden Saisonphase könnte eine verlässliche Alternative wie Perisic tatsächlich Gold wert sein. Und: Es muss nicht Bayerns letztes Wort auf dem Transfermarkt gewesen sein.