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München - Einem Medienbericht zufolge will Uli Hoeneß nicht erneut für das Amt des Bayern-Präsidenten kandidieren. Ein ehemaliger adidas-Boss soll angeblich sein Wunsch-Nachfolger sein.

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Uli Hoeneß und der FC Bayern - das ist seit über 40 Jahren eine Erfolgsgeschichte. Womöglich ist in dieser Geschichte das letzte Kapitel aber bald zu Ende geschrieben.

Wie die BILD berichtet, will sich Hoeneß im November nicht mehr als Präsident zur Wiederwahl stellen. Auch den eigentlich noch bis 2022 laufenden Posten als Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern München AG wolle er abgeben.

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Der langjährige Spieler, Manager und Präsident des Rekordmeisters habe bereits einen Wunsch-Kandidaten für die Nachfolge ins Auge gefasst. Dabei handelt es sich um den ehemaligen adidas-Boss Herbert Hainer, aktuell Hoeneß' Stellvertreter im Aufsichtsrat.

Hoeneß meldet sich zu Wort

Nach SPORT1-Informationen war es der Führungsriege des FC Bayern schon seit längerem bekannt, dass Hoeneß konkret mit Rücktritts-Gedanken spielt.

Der FC Bayern wollte die Personalie bislang nicht bestätigen. Hoeneß selbst meldete sich am Mittwoch im kicker zu Wort. "Am 29. August werde ich dem Aufsichtsrat meine Entscheidung mitteilen, vorher gibt es von mir keine offizielle Erklärung", sagte der 67-Jährige.

Zuvor bereits Hoeneß' Büro in Person seiner Assistentin Elke Keller am Mittwoch auf SPORT1-Anfrage den Bericht weder dementiert noch bestätigt. "Herr Hoeneß wird in der nächsten Aufsichtsratssitzung Ende August dem Aufsichtsrat mitteilen, wie er sich entscheidet. Bis dahin wird er bezüglich seiner Ämter keine Aussage machen."

Hoeneß kündigte Entscheidung an

Bereits im Winter hatte Hoeneß angekündigt, sich im Sommer Gedanken darüber machen zu wollen, ob er noch mal für das Präsidenten-Amt kandidiere.

"Ende Juni entscheiden wir, ob ich weitermache oder nicht", sagte er im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1. Als wegweisend für seine Entscheidung bezeichnete er damals, ob er den Verein für die Zukunft richtig aufgestellt sehe.

"Es ist sicherlich so, dass ich meine wichtigste Aufgabe darin sehe, dann aufzuhören, wenn ich das Gefühl habe, es ist alles so, wie ich es mir vorstelle. Dann ziehe ich mich zurück und werde das in Ruhe von der Tribüne aus betrachten."

Ärger bei der letzten Jahreshauptversammlung

Sollte sich die Meldung über seinen Rückzug bestätigen, wäre das also offenbar ein gutes Zeichen für die Bayern. Mit Oliver Kahn steht ein Nachfolger für Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge bereit.

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Auch andere Faktoren sollen bei Hoeneß' Entscheidung aber eine Rolle gespielt haben. So habe ihn die teilweise deutliche Kritik auf der vergangenen Jahreshauptversammlung hart getroffen, schreibt die BILD. Bereits direkt nach der Versammlung hatte Hoeneß das eingestanden, zwei Tage darauf mit Blick auf die viel beachtete, kritische Rede des Mitglieds Johannes Bachmayr erklärt.

"So etwas habe ich noch nicht erlebt. Ich hoffe, dass es sich wieder ändert, sonst ist das nicht mehr mein FC Bayern." Auch das Negativ-Echo auf den Rundumschlag in seiner Pressekonferenz mit Karl-Heinz Rummenigge und Hasan Salihamidzic im vergangenen Herbst spielte erklärtermaßen eine Rolle in Hoeneß' Überlegungen.

Hoeneß macht Bayern zur Weltmarke

Hoeneß hatte bis 1979 für die Bayern gespielt, nach seinem frühen Karriereende wurde er Manager des Klubs. 2009 wechselte der heute 67-Jährige auf den Posten des Präsidenten, den er während seiner Gefängnisstrafe wegen Steuerhinterziehung ab dem 2. Juni 2014 räumte. Nach der Haftentlassung kehrte er im Herbst 2016 zurück. Seit Anfang 2017 ist Hoeneß auch wieder Aufsichtsratsvorsitzender.

"Die Erfolgsgeschichte, die er als Manager und anschließender Präsident geschrieben hat, ist außergewöhnlich und einzigartig im Weltfußball. Diese Leistung wird niemand toppen", sagte einmal sein Freund Jupp Heynckes, lange erfolgreich auf der Trainerbank der Bayern.

Als der ehemalige Bayern-Profi Hoeneß am 1. Mai 1979 sein Amt antrat, war dieses Märchen nicht abzusehen. Der damalige Präsident Willi O. Hoffmann wollte lieber den 2019 verstorbenen späteren Schalke-Manager Rudi Assauer aus Bremen holen, doch Hoeneß ließ die Zweifler schnell verstummen. Über die 40 Jahre seines Wirkens wuchs das Unternehmen FC Bayern von 20 auf über 1000 Mitarbeiter.

Hoeneß, als Spieler Weltmeister, Europameister, dreimal deutscher Meister und dreimal Europapokalsieger, formte den FC Bayern zum erfolgreichsten Klub Deutschlands. Die Münchner gewannen während seiner Tätigkeit als Manager und Präsident zweimal die Champions League und die große Mehrzahl der insgesamt 29 Meistertitel.

Aus zwölf Millionen Mark Umsatz wurden 657,4 Millionen Euro, die Zahl der Mitglieder stieg von 6616 auf über 290.000, die Allianz Arena und der Klub-Campus entstanden, die Basketballer führte Hoeneß vom Nischendasein an die nationale Spitze.