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München - Borussia Dortmund ist zurück von der USA-Reise, wo das Team von Lucien Favre intensiv gearbeitet hat, um Bayerns Vormachtstellung zu beenden.

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Erst bei der Abreise aus den USA wurde der BVB ausgebremst.

Eine Unwetterfront sorgte für eine Verspätung von 1,5 Stunden beim Abflug aus Chicago und eine verspätete Rückkehr nach Deutschland.

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Zuvor lief aber auf der sechstägigen USA-Reise alles nach Plan. Neben einigen PR-Terminen zur Stärkung der Marke "BVB" in den USA und zahlreichen Trainingseinheiten standen auch Testspiele gegen die Seattle Sounders (3:1) und Champions-League-Sieger FC Liverpool (3:2) auf dem Programm.

Durch die zwei Siege stehen die Dortmunder immer noch mit einer weißen Weste in der Vorbereitung da und dürfen sich nach dem USA-Trip über fünf Millionen Euro zusätzlich auf ihrem Konto freuen.

Reus lobt Leistung gegen Liverpool

Viel wichtiger dürfte Trainer Lucien Favre jedoch der Fortschritt in der Vorbereitung sein.

Besonders gegen die Reds um Ex-Trainer Jürgen Klopp bot der BVB phasenweise bereits tollen Fußball. "Das war ein Härtetest, aufgrund des Gegners, der Zeitverschiebung und der Flüge, die wir hatten – das ist eine Charaktersache, da gehört Willensstärke dazu. Die Aufgabe haben wir bestanden", lobte Kapitän Marco Reus das Team nach dem 3:2-Erfolg.

Großen Anteil an der bisher reibungslosen Vorbereitung haben auch die Dortmunder Neuzugänge. Rückkehrer Mats Hummels fügte sich nach drei Jahren Pause fast nahtlos ins Teamgefüge ein und übernahm sofort wieder eine Führungsrolle auf und neben dem Platz. Aber auch Thorgan Hazard, Julian Brandt und Nico Schulz haben sich schnell integriert.

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Während Meisterkonkurrent Bayern sich aktuell noch auf der Suche nach Verstärkungen befindet und mit einem dünnen Kader in den USA weilt, hat der BVB bereits kurz nach Saisonende Nägel mit Köpfen gemacht und seinen Kader qualitativ und quantitativ aufgerüstet.

Süle warnt vor BVB

Auch den Münchnern ist die neue BVB-Stärke nicht verborgen geblieben. "Dortmund hatte schon letztes Jahr eine super Mannschaft. Drei der vier Spieler, die zu ihnen gewechselt sind, kenne ich sogar sehr gut. Ich kenne ihre Qualität. Das wird eine ganz schwere Saison für uns", warnte Niklas Süle auf SPORT1-Nachfrage vor dem Vizemeister der vergangenen Saison.

Teamkollege Thomas Müller erklärte: "Dortmund hat eine starke Mannschaft. Wenn nicht sogar die stärkste Mannschaft in den letzten fünf, sechs Jahren."

Und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge meinte zu SPORT1: "Ich weiß, dass Dortmund uns wieder angreifen wird."

Nur wenige Tage nach Saisonende hatte der Rivale bereits selbstbewusst den Meistertitel als Ziel ausgegeben. "Damals war es wichtig, weil wir wahrscheinlich eine Sommer-Depression ausgelöst hätten, wenn wir defensiv an die Sache herangegangen wären", erklärte Hans-Joachim Watzke nach der USA-Reise die ungewöhnlich frühe Verkündung der Dortmunder Ziele.

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Dazu gehöre die Tatsache, "dass wir, obwohl wir in der Rückrunde einen deutlichen Vorsprung verspielt haben, am Ende nur zwei Punkte weniger hatten als der FC Bayern."

Um dieses Ziel zu erreichen und die Bayern-Dominanz in der Bundesliga nach sieben Jahren zu brechen, wurde in den USA auch taktisch intensiv gearbeitet.

Dortmund will taktisch flexibler werden

Tüftler Favre testete dabei neben einem 4-1-4-1-System auch ein 4-2-3-1-System. Außerdem wolle er auch eine Dreierkette "studieren" lassen, kündigte der Schweizer an. Er möchte sein Team gerne taktisch flexibler agieren lassen, um auf jede gegnerische Aufstellung passend reagieren zu können.

Eine Schlüsselrolle kommt dabei Neuzugang Hazard zu. Der Belgier wurde von Favre, der Hazard auf den Positionen in der Offensivreihe "überall" sieht, vorwiegend im Sturmzentrum eingesetzt und machte seine Sache dort ordentlich.

Der 26 Jahre alte Belgier steht sinnbildlich für das neue BVB-Konzept, das eine Aufweichung der Positionen vorsieht und das Team noch schwerer ausrechenbar macht.

Zudem sorgt er dafür, dass die Suche nach einem weiteren Stürmer neben Paco Alcácer vorerst nicht weiter forciert wird. Der Spanier präsentiert sich in guter Frühform. "Er ist dieses Jahr deutlich straffer, weil er die gesamte Vorbereitung mitmachen kann", lobte Watzke den 25-Jährigen.

Favre haderte mit Kadergröße

Ohnehin ist der BVB-Kader mit aktuell 34 Spielern deutlich zu groß, ein Zustand, mit dem auch Favre in den USA haderte. "Das ist unmöglich", erklärte der 61-Jährige und führte aus, welche Anzahl an Spielern er für ideal halte: "22, 23 Feldspieler maximal. Dazu die drei Torhüter, und noch ein paar junge Spieler."

BVB-Sportdirektor Michael Zorc arbeitet(e) bereits intensiv an Spielerverkäufen. So spülte der Verkauf von Abdou Diallo zu Paris Saint-Germain bereits 30 Millionen Euro in die Kassen. André Schürrle (Russland) und Maximilian Philipp (VfL Wolfsburg) könnten den BVB ebenso verlassen wie Shinji Kagawa und der verletzte Sebastian Rode. 

"Wir werden jetzt am Wochenende mit allen Kandidaten noch einmal Gespräche führen", sagte Zorc den Ruhrnachrichten nach dem Test gegen den FC Liverpool.

Der zu große Kader und das ein oder andere Abstimmungsproblem in der Defensive scheinen aktuell die größten Baustellen der Dortmunder zu sein. An beidem wird in den kommenden Wochen hart gearbeitet.

Erstes Duell mit Bayern im Supercup

So fahren die Westfalen ab dem 27. Juli in das fast schon traditionelle Trainingslager in Bad Ragaz (Schweiz). Anders als bei der USA-Reise stehen dort keine PR-Termine auf dem Programm, sondern der Fokus liegt auf der Weiterentwicklung der Mannschaft.

Denn am 3. August kommt es im Supercup zum ersten Kräftemessen mit dem FC Bayern, den man in der Bundesliga endlich wieder einmal hinter sich lassen möchte.

"Das wollten sie in den letzten sieben Jahren auch", sagte Thiago. Doch auch Bayerns Mittelfeldstratege weiß: "Dortmund ist in dieser Saison sehr, sehr stark - viel stärker als in der Vorsaison."

In den kommenden Monaten will der BVB den Lohn für die Arbeit einfahren – ohne dabei ausgebremst zu werden.