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Hamburg - Oliver Kahn soll in Zukunft eine tragende Rolle beim FC Bayern spielen. Der Ex-Torhüter verrät, warum der Job für ihn eine Herzensangelegenheit ist.

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Oliver Kahn gehört zu den größten Sportikonen Deutschlands. Der langjährige Nationaltorhüter und Kapitän des FC Bayern erlangte als "Titan" weltweite Berühmtheit.

Ab 2021 soll der 49-Jährige Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandsvorsitzenden der Münchner beerben und eine neue Ära beim Rekordmeister einläuten.

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Im Rahmen der Spielmacher-Konferenz in Hamburg sprach Kahn am Dienstag über den Reiz an seinem künftigen Job und die Entwicklung der deutschen Nationalmannschaft. Auch über die 50+1-Regel macht sich der TV-Experte Gedanken.

Oliver Kahn über …

… den Umbruch im Nationalteam: "Es war an der Zeit - was Joachim Löw ja auch gemacht hat -, mal ein paar Veränderungen vorzunehmen. Da gibt es natürlich auch ein paar leidtragende Spieler, das ist immer so. Aber insgesamt glaube ich, dass wir sehr, sehr viele vielversprechende Spieler bei uns haben. Ob das ein Sané ist oder ein Gnabry. Bei Marco Reus wissen wir mittlerweile, was er kann. Oder auch Kai Havertz von Leverkusen. Wir haben viele Talente, die Hoffnung machen, aber die Gegner waren natürlich auch nicht unser Maßstab. Ob diese Truppe tatsächlich titelreif ist, sieht man letztendlich immer nur beim Turnier."

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… ein mögliches Überbewerten der Leistung beim DFB: "Das kann ich mir nicht vorstellen. Die Verantwortlichen wie Oliver Bierhoff und Jogi Löw sind erfahren genug und wissen nach der Klatsche bei der Weltmeisterschaft, was die Stunde geschlagen hat. Es geht darum, und das wird auch immer wieder betont, den deutschen Fußball wieder an die absolute Weltspitze zurückzuführen. Das ist ein langer Gang. Es ist nicht so einfach, eine Mannschaft wie 2014 produziert man nicht andauernd. Jede Nation geht irgendwann durch Höhen und Tiefen. Wir haben vielversprechende Spieler in der Hinterhand, die auch einfach wahnsinnig viel Spaß beim Zuschauen machen. Ich kann mir schon vorstellen, dass sich da in der Zukunft was entwickeln kann, aber jetzt schon Hurra zu schreien, wäre zu früh und das werden die Verantwortlichen auch nicht tun."

… den Wettbewerb in der Bundesliga: "Dortmund hatte acht oder neun Punkte Vorsprung, die sie verspielt haben. Sie hatten - auch aus guten Gründen - eine sehr junge Mannschaft und man kann den BVB auch nicht mit dem FC Bayern vergleichen. Das sind andere Philosophien. Aber der FC Bayern hat in der Hinrunde geschwächelt, und dass es dann nicht gelingt, egal ob das Dortmund, Leverkusen oder Leipzig ist, Meister zu werden, da habe ich so meine Zweifel. Der Abstand zwischen den Spitzenvereinen und den anderen Vereinen wird immer größer und ich habe große Zweifel, ob das ohne irgendeine Regulierung - also nicht, dass ich jetzt für eine Regulierung wäre - nochmal einzufangen ist. Zumindest nicht in den nächsten Jahren."

… die Möglichkeit einer anderen Verteilung der TV-Gelder und 50+1: "Wenn ich das als ZDF-Experte oder Zuschauer betrachte, muss ich natürlich sagen, dass es schon schön wäre, wenn das ganze System insgesamt etwas balancierter wäre. Ich weiß aber nicht, ob immer gleich eine Umverteilung die Lösung ist oder ob man sich nicht mal Dinge wie 50+1 anschaut. Vielleicht wäre es da auch möglich, mehr Konkurrenz zu bekommen, wenn 50+1 verändert wird oder es nicht mehr gibt. Es obliegt ja jedem Verein selbst, eine Struktur zu haben, die gute Investoren in einem Verein zulässt. Und vielleicht entsteht dadurch wieder mehr Wettbewerb. Man sieht es an der Premier League, die ist oben an der Spitze spannend. Da gibt es viele Mannschaften, die Meister werden können. Das ist etwas, was die Bundesliga in Zukunft wieder braucht."

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… den Reiz künftig eine Führungsposition beim FC Bayern zu übernehmen: "Man darf nicht vergessen, dass der FC Bayern ein ganz großer Teil meines Lebens gewesen ist. Und über Bayern bin ich auch zur Nationalmannschaft gekommen. Da spürt man schon eine gewisse Verpflichtung und mit etwas Abstand auch Dankbarkeit, dass man Teil eines solchen Vereins sein darf. Und dann ist es auch immer eine Frage des Zeitpunktes. Und wenn dann alles zusammenpasst, dann ist doch ganz logisch, dass ich mich mit diesem Thema intensiv auseinandersetze."

… über den Glanz von Superstars wie Sané und ob Bayern auch wirtschaftlich alles daran setzen muss, um ihn wieder in die Bundesliga zu holen: "Ich glaube, dass der FC Bayern das jetzt auch schon tut und versucht, international konkurrenzfähig zu bleiben. Mit Vereinen wie Real Madrid, Barcelona oder den englischen Klubs zu konkurrieren, ist eine große Aufgabe, da der finanzielle Unterschied riesig ist. Dass der FC Bayern es bis auf die letzte Saison geschafft hat, immer wieder ganz vorne mitzuspielen, das allein ist in dem jetzigen Fußball-Umfeld schon eine riesige Leistung."

… die horrenden Ablösesummen von 80 Millionen Euro für einen Innenverteidiger: "Es schockiert mich jetzt nicht unbedingt. Natürlich sind das immer wieder Zahlen jenseits eines Verständnisses. Aber sie kennen ja den Gewohnheits-Effekt. Es fängt mal an bei 20 Millionen, dann hat man sich daran gewöhnt, dann sind es 40, dann 80 und so geht er immer weiter. So desensibilisiert der Mensch dann langsam. Und heute muss ich ehrlich sagen, das sind eben Preise, die in diesem Markt im Moment entstehen, weil diese Gelder verfügbar sind. Da können wir nicht viel dagegen ausrichten."

… die Probleme von Traditionsvereinen wie dem Hamburger SV oder dem VfB Stuttgart: "Ich bin jenseits der Allwissenheit. Ich kann nur beurteilen, was ich von außen sehe. Und da mache ich auch immer den Fehler zu sagen, da ist doch große Tradition und frühere Erfolge. Aber das ist alles ewig vorbei. Die Realität heute ist einfach eine ganze andere. Da muss jeder Verein für sich selbst Lösungen finden, wie er in diesem sehr traditionellen Fußball-Kern, der sehr wichtig ist, trotzdem die Zeichen der Zeit erkennt. Das ist eine schwierige Aufgabe."