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München - Fredi Bobic glaubt an eine Bayern-Zukunft von Niko Kovac - vor allem, wenn der das Double holt. Mit seinen Frankfurtern muss er einen hohen Preis zahlen.

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Dieser Zuspruch wird Niko Kovac gut tun. 

"Ich freue mich persönlich sehr für ihn, dass er diesen Titel einfahren konnte, denn er hatte ein wirklich hartes Jahr und einen schwierigen Herbst", sagt Frankfurts Sportdirektor Fredi Bobic im Gespräch mit SPORT1. "Er hat sich aber rausgefightet wie ein Fighter, wie er selbst auch immer einer ist. Er ist seinen Weg konstant weitergegangen." Kovac steht bei Rekordmeister Bayern München trotz der gewonnenen Meisterschaft und dem möglichen Double seit Monaten in der Kritik.

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Bei Hertha BSC spielte der Bayern-Trainer einst mit dem damaligen Stürmer Bobic zusammen. Bei Eintracht Frankfurt wurde Kovac Jahre später bekanntermaßen Trainer, Bobic sein Vorgesetzter. Beide eint nicht nur der Sensationserfolg im DFB-Pokal mit der SGE in der vergangenen Saison, sondern auch eine Freundschaft.

Selbstredend hat auch Bobic mitbekommen, dass die Bayern-Zukunft von Kovac noch immer nicht klar ist. Dem Eintracht-Sportvorstand ist aber auch nicht entgangen, wie es Kovac mit seiner Mannschaft schaffte, einen Neun-Punkte-Rückstand aufzuholen und mit den Bayern deutscher Meister zu werden.

Bobic-Fazit: "Wieder eine Steigerung"

Wie stark Kovacs emotionale Bindung zu seinem Ex-Verein Eintracht Frankfurt noch ist, zeigte sich am Samstag. Minutenlang stand er nach Abpfiff im Kreise der Eintracht-Verantwortlichen, statt bei den Münchnern. Kovac wurde von zahlreichen ehemaligen Schützlingen sowie Trainer Adi Hütter, Sportdirektor Bruno Hübner und Bobic geherzt.

Ob sie da auch über die Zukunft ihres Ex-Trainers sprachen?

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"Wenn du Meister wirst und vielleicht auch noch den Pokal gewinnst, stehen die Chancen sicherlich gut, dass er auch weitermacht", meint Bobic. Wenngleich der Europameister von 1996 auch klar macht, nur wenig mit der Diskussion um Kovac anfangen zu können, weil er sich mit den Bayern nur am Rande beschäftige: "Eigentlich interessiert es mich manchmal auch nicht. Aber natürlich ist er ein Freund von mir. Daher wünsche ich mir, dass seine Arbeit auch dementsprechend geschätzt wird."

Wie Arbeit geschätzt wird, erlebte Bobic mit der Eintracht in dieser Saison am eigenen Leib. In der Bundesliga spielten die Frankfurter teils entfesselt, in der Europa League scheiterten sie erst im Halbfinale am FC Chelsea.

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"Es war ein unfassbar emotionales Jahr. Wir hatten so viele Highlights wie andere Vereine in fünf Jahren nicht. Wir sind von einer positiven Feier in die nächste gefallen", schwärmt Bobic von einer ganz besonderen Saison. "Wir haben in der Bundesliga tollen Fußball gespielt, die Leute mitgerissen und in Europa die Leute begeistert. International hat sich Frankfurt einen Namen gemacht mit der Art und Weise, wie ehrlich wir Fußball spielen. Es ist wieder eine Steigerung zum letzten Jahr und wir haben uns um einen Platz verbessert."

Bobic mit Spitze gegen Leipzig und Leverkusen

Bobic weiß aber auch, dass seiner Mannschaft im Saisonendspurt die Luft ausging. Keines der letzten sechs Bundesligaspiele konnte gewonnen werden, drei gingen verloren. Die Folge: Frankfurt rutschte von Platz vier auf Platz sieben ab und verpasste die mögliche Champions-League-Qualifikation.

"Es hätte noch viel mehr sein können, aber wir haben auch den Preis dafür zahlen müssen, dass wir so weit (in der Europa League, Anm. d. Red.) gekommen sind. Trotzdem gibt es uns auch wieder neue Erfahrungswerte für das nächste Jahr", prophezeit Bobic.

Dass die Hessen nun sogar in der langatmigen Europa-League-Qualifikation ab Ende Juli bereits in der zweiten Runde antreten müssen, stört Bobic nur bedingt: "Es ist immer alles eine Frage der Planung. Dann spielt man halt weniger Freundschaftsspiele."

Zeigt er Wehmut wegen des Verpassens der Königsklasse? Jein. "Wir waren in den letzten zwei Jahren auch zwischendurch immer mal dran", sagt Bobic und kann sich eine Spitze in Richtung RB Leipzig (Platz 3) und Bayer 04 Leverkusen (Platz 4) nicht verkneifen: "Am Ende des Tages haben sich zwei qualifiziert, die die Europa League abgeschenkt haben."