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München - Nach dem verpassten Happy End plant Borussia Dortmund schon den nächsten Angriff auf Bayern. Watzke kündigt Transfers an, auch sonst spricht einiges für den BVB.

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In der ersten Emotion backten sie verständlicherweise kleine Brötchen bei Borussia Dortmund angesichts des doch nicht mehr wahr werden wollenden Titeltraums.

"Die Enttäuschung ist riesig. Die Chance war dieses Jahr unheimlich groß", sagte etwa Marco Reus unmittelbar nach dem 2:0 (1:0) bei Borussia Mönchengladbach, das letztlich wertlos blieb im Fernduell mit Meister FC Bayern.

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Doch kurz darauf wurde beim BVB bereits der nächste Angriff auf die Schale eingeleitet. Noch bei der Verabschiedung in die Sommerpause schworen sich die Dortmunder am Samstagabend auf einen neuerlichen Anlauf ein, den Dauer-Champion aus München endlich mal wieder zu Fall zu bringen.

"Diese Saison ist eine Verpflichtung und eine Motivation, im nächsten Jahr einen noch besseren Kader zu haben", sagte Sportdirektor Michael Zorc.

SPORT1 zeigt, was sich beim BVB in der neuen Saison ändern soll und muss.

ERFAHRUNG:

Mit 25,1 Jahren im Altersdurchschnitt bewegt sich der BVB-Kader auf ähnlichem Level wie der, der Champions-League-Gipfelstürmer von Ajax Amsterdam (24,0). Doch im Vergleich mit den Bayern (26,7) erwiesen sich die Dortmunder als zu grün. "In den entscheidenden Momenten war Bayern einen Tick besser, weil sie mehr Erfahrung haben und vielleicht auch eine andere Mentalität auf dem Platz zeigen", gesteht Reus ein.

Das dürfte sich ab Sommer ändern, wenn Leistungsträger wie Dan-Axel Zagadou (19), Achraf Hakimi (20), Abdou Diallo (23), Jacob Bruun Larsen (20) und Jadon Sancho (19), die zum Teil ihre Bundesliga-Debüt-Saison erlebten, noch gereifter zu Werke gehen.

Vor allem die bitteren Momente wie das 0:5 in München, das 2:4-Fiasko im Revierderby gegen Schalke 04 oder das 2:2 in Bremen trotz 2:0-Führung sollten lehrreich genug sein, um einen ähnlichen Leistungsabfall wie in der Rückrunde zu verhindern und um gegen die fünf letzten Mannschaften der Tabelle nicht erneut gleich zehn Punkte liegen zu lassen.

"Wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung", meint Watzke und hakt damit auch den verspielten zwischenzeitlichen Neun-Punkte-Vorsprung als Tabellenführer ab.   

MOTIVATION:

Dennoch hadert der BVB-Lenker: "Wenn wir ein Spiel mehr gewonnen hätten, wären wir Meister geworden." Und trotz der drittbesten Punktausbeute der BVB-Historie mit 76 Punkten sind die Schwarz-Gelben jetzt erst richtig hungrig auf Titel.

"Man hat einfach das Gefühl, dass in dieser Saison mehr drin war", meint Reus, der ungewohnt offensiv formuliert. "Borussia Dortmund gehört nach oben. Wir werden alles daran setzen, dass wir im nächsten Jahr wieder oben sind und am Ende Meister werden." Auch bei Torwart Roman Bürki ist nach wie vor Gier zu spüren: "Wir werden schon bald eine neue Chance bekommen."

Marcel Reif rät dafür jedoch zu mehr inneren Geschlossenheit, insbesondere in der Chefetage: "Wenn du weniger redest und einfach machen lässt - beispielsweise gegen Bayern, wo der BVB auf einmal alles umstellt - dann läuft es vielleicht noch besser", sagte der SPORT1-Experte. "Wenn du den jungen Spielern nicht reinredest, dann kannst du die Saison vielleicht anders weiterspielen. Da ist beim BVB zu viel gequasselt worden."

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TRAINER UND KLUBBOSSE:

Gleichwohl dürften die Verantwortlichen so ihre Erkenntnisse gewonnen haben. Vor allem Trainer Lucien Favre, der in der Saison 2007/2008 schon mit Hertha BSC als Tabellenvierter im Titelrennen mitmischte, mag es wurmen, sein Meisterstück in der Bundesliga noch immer schuldig geblieben zu sein.

"Es hat uns nur wenig gefehlt, wir können sehr zufrieden sein", sagt der Taktik-Fuchs, "niemand hatte 76 Punkte für Dortmund in dieser Saison geplant." Ab dem Sommer will Favre mit seiner Akribie und Detailbesessenheit erneut beweisen, dass er zu den ganz Großen seiner Zunft gehört.  

Lizenzspieler-Abteilungsleiter Sebastian Kehl gibt sich infolge des "großen Potenzials" der Mannschaft angriffslustig: "Borussia Dortmund ist ein Verein, der Titel gewinnen kann." Watzke und Zorc befeuern eh den ewigen Wunsch vom Meisterkorso durch die Dortmunder Innenstadt und um den Borsigplatz.

"Wenn die Meisterfeier auf dem Marienplatz stattfindet, kommen 3000 Leute plus 1500 Touristen. Bei uns wäre der Titel eine ganz andere Nummer", hatte Watzke unlängst gesagt.

Und SPORT1-Experte Stefan Effenberg befand im CHECK24 Doppelpass: "Ich traue Dortmund zu, noch einmal eine solche Saison zu spielen, Borussia hat mich begeistert und die Meisterschaft bis zum 34. Spieltag offengehalten. Sie werden ihren Kader aufräumen und aufstellen, dass es möglich ist."

KADER UND TRANSFERS:

Die Planungen für Verstärkungen laufen bereits auf Hochtouren. "Wir werden versuchen, die nächsten Jahre dranzubleiben", verspricht Watzke noch mehr Qualität für das Team um die Aushängeschilder Reus und Mario Götze. 

Der Transfer von Gladbachs Stürmer Thorgan Hazard ist quasi durch, hängt nur noch an der Ablösesumme (30 Millionen Euro). Gleiches gilt für Außenverteidiger Nico Schulz (Hoffenheim/25 Mio.). Auch Julian Brandt (Bayer Leverkusen) ist für die gleiche Summe im Anflug, nachdem sich Zorc dem Vernehmen nach bereits mit dem Vater des Nationalspielers getroffen hat. 

"Das wird eine fifty-fifty-Entscheidung. In den nächsten fünf, sechs, sieben Tagen wird eine Entscheidung fallen", sagte Bayer-Geschäftsführer Rudi Völler bei Sky. Brandt habe eine Ausstiegsklausel, "und wenn ein Verein bezahlt und der Spieler da hin will, ist er nicht zu halten". Bei Werders zum Sommer gehenden Offensivmann Max Kruse sollen die Dortmunder auch noch in der Verlosung sein, während die Suche nach einem Spielertypus ähnlich wie Bayerns Thiago fürs Mittelfeld schwierig werden könnte.

Dafür ist - zusätzlich zu Schulz - noch die ablösefreie Verpflichtung des 33-Jährigen Linksverteidigers Filipe Luis (Atletico Madrid) denkbar. 

Allerdings ist neben dem Abgang von Christian Pulisic (FC Chelsea) sowie dem wahrscheinlichen Wechsel von Marcel Schmelzer der Verbleib von Julian Weigl und Mahmoud Dahoud unsicher.