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München - Thomas Müller sitzt beim FC Bayern zuletzt viel auf der Bank. Dass er daraus gestärkt hervorgehen kann, hat er bereits bewiesen. Wird er zum Triple-Faktor?

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Böse Zungen behaupten ja, Thomas Müller hätte Niko Kovac schon öffentlich angezählt, bevor der überhaupt Trainer des FC Bayern München wurde.

"Danke Trainer … wir sehen uns im Oktober", schrieb Müller am Ende der vergangenen Saison als Abschiedsgruß auf ein Plakat für Jupp Heynckes.

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Wer Müller allerdings kennt, der lässt sich nicht auf derart böswillige Unterstellungen ein - sondern lacht vielmehr über den durchaus gelungenen Scherz des bayerischen Spaßvogels.

Müller zwischen Rotsperre und Reservistenrolle

Den sieht man rund um die Spiele des FC Bayern derzeit allerdings nicht ganz so häufig lachen wie sonst. Was nicht daran liegt, dass die Münchner aktuell nicht erfolgreich wären - im Gegensatz zum Spätjahr 2018, als Kovac kurioserweise genau im Oktober tatsächlich ein schnelles Aus zu drohen schien.

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Hat Müller unter Kovac etwa keinen Spaß mehr an seinem Job als Fußballprofi? Das zu behaupten, ginge zu weit. Aber in gewisser Weise hat es schon mit dem Bayern-Coach zu tun, dass der Nationalspieler in den letzten Wochen nicht so zufrieden wirkt.

Denn: Bei den Bayern läuft es zwar (nur eine Niederlage in den letzten 16 Pflichtspielen) - aber Müller hat daran zuletzt nicht allzu großen Anteil.

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23 Minuten gegen die Hertha, 34 Minuten in Augsburg, ohne Einsatz gegen Schalke, eine Minute in der Pokal-Verlängerung gegen Berlin. Macht insgesamt keinen einzigen Startelfeinsatz in den letzten vier Pflichtspielen und gerade einmal 58 von 390 möglichen Spielminuten. Hinzu kam Müllers Rotsperre in Liverpool.

Rafinha kritisiert Kovac öffentlich

"Wenn man beim FC Bayern München spielt, dann muss man damit rechnen, dass hier 20 Topleute sind. Und wenn 20 Leute da sind, dann trifft es immer wieder auch Topleute", hatte Kovac Ende Januar bereits erklärt und betont, die Spieler würden das meist ruhig auffassen, es gebe aber Unterschiede in der Frustbewältigung: "Der Deutsche ist mehr sachlich, der Südländer ist ein bisschen mehr emotional."

In dieses Bild passte, dass Rafinha seinem Bankfrust am Wochenende öffentlich Luft verschaffte, als er erklärte, Kovac sei "nicht korrekt" zu ihm - während Müller sich entschied, nach dem Hertha-Spiel zu schweigen. "Da kommt nichts Gescheites bei raus", sagte der 29-Jährige nur lapidar beim Verlassen der Allianz Arena.

"Ist doch klar, dass er nicht zufrieden ist, wenn er nicht von Anfang an spielt", sagte dafür Sportdirektor Hasan Salihamidzic über Müller, und verteilte zugleich ein Lob: "Er hat das heute gut gemacht. Er hat sehr gut gespielt, sich richtig reingehauen, und gute Bälle gehalten. Er hat dazu beigetragen, dass wir drei Punkte geholt haben."

Sich hängen zu lassen, das entspricht nicht Müllers Naturell - das hat er in dieser Saison schon einmal unter Beweis gestellt.

Lewandowski macht sich für Müller stark

Zwischen Ende September und Ende Oktober kam der Torschützenkönig der WM 2010 ebenfalls nicht wie gewohnt zum Zug, spielte in fünf aufeinanderfolgenden Partien nur einmal länger als 45 Minuten. Auffällig: Von diesen fünf Begegnungen verloren die Bayern zwei, blieben sowohl bei der Hertha (0:2) als auch zuhause gegen Gladbach (0:3) ohne eigenen Treffer.

Ab Ende Oktober setzte Kovac wieder regelmäßig auf Müller: In den folgenden 16 Pflichtspielen stand er 15 Mal in der Startelf und spielte dann nie weniger als 70 Minuten. Die Münchner blieben dabei nie ohne eigenes Tor und verloren nur auswärts bei den Top-Teams Dortmund (2:3) und Leverkusen (1:3).

Vielleicht auch deshalb machte sich Robert Lewandowski nach dem Hertha-Spiel für Müller stark. Zwar sei die Aufstellung eine Entscheidung des Trainers und es gebe eben auch andere Optionen, aber: "Thomas' Laufweg ist immer nach vorne, mit viel Bewegung. Ich hoffe, dass er bald wieder eine Chance bekommt, und zeigen kann, was er für ein guter Spieler ist, und dass er der Mannschaft helfen kann."

Müller fehlt FC Bayern im Liverpool-Rückspiel

Nicht möglich sein wird das allerdings im so wichtigen Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Liverpool, für das Müller erneut gesperrt ist.

Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, dass Kovac im Moment andere Optionen bevorzugt. Durchaus denkbar, dass der Kroate die anderen Spiele auch ein Stück weit als Testwiese für das Duell mit den Reds nutzt.

So oder so: Die erneute Verletzung von Kingsley Coman dürfte seine Planungen kräftig durcheinanderwirbeln - und Müllers Chancen auf ein Startelf-Comeback erhöht haben. Wenngleich Kovac ihn eher im Zentrum als auf der Außenbahn sieht, sodass Müller wohl erst einmal den zuletzt mal mehr, mal weniger überzeugenden James Rodriguez verdrängen müsste.

"Thomas macht das im Training gut, wie alle anderen auch", hatte Kovac schon vor dem Hertha-Spiel gelobt, und betont, Müller habe "genauso viele Chancen wie alle anderen auch".

Triple-Faktor wie 2013 unter Heynckes?

Das gilt womöglich schon für die Partie gegen Borussia Mönchengladbach am Wochenende, sicherlich aber auch mit Blick auf die Champions League, sollten die Münchner im Duell mit Jürgen Klopp und dem FC Liverpool die Oberhand behalten.

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Schließlich bringt Müller die Empfehlung mit, seit der Spielzeit 2010/11 in jeder Saison mindestens einmal in der K.o.-Phase der Königsklasse getroffen zu haben. Im Triple-Jahr 2013 waren es sogar fünf Treffer, darunter drei in den Halbfinal-Duellen mit dem FC Barcelona.

Genaueres dazu könnte Niko Kovac sicherlich jederzeit bei Jupp Heynckes erfragen.