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München - Schalkes ehemaliger Manager Rudi Assauer ist im Alter von 74 Jahren an den Folgen von Alzheimer gestorben. Bei SPORT1 erinnert sich der frühere S04-Profi Youri Mulder an "Stumpen-Rudi".

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Liebe Schalker, liebe Fußball-Freunde,  

ich bin natürlich sehr traurig über den Tod von Rudi. Mir gehen so viele Bilder mit ihm durch den Kopf. Ich hatte bei ihm immer das Gefühl, dass er ein Mensch ist, der alles kann. Neun Jahre habe ich unter ihm arbeiten dürfen und mit ihm auf Schalke ganz viel erlebt.

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Er war für mich ein Mensch, der vor nichts Angst hatte, an allem Spaß hatte, in so vielen Situationen sehr viel Lebensfreude versprühte und auf die Menschen zugegangen ist und Entscheidungen getroffen hat. Das Schöne war: Er stand immer hinter diesen Entscheidungen. Rudi war ein richtiger Kerl.  

Das Leben kann so brutal sein. Nicht, weil er gestorben ist, denn der Tod ist eine Erleichterung für ihn und seine Familie. Was er seit zehn Jahren erlebt hat, ist das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann.

Jeder, der eine Mutter, einen Vater oder Großeltern mit dieser Krankheit (Alzheimer, d. Red.) hat, weiß genau, was los ist. Es ist furchtbar.

Ich habe Rudi in den vergangenen Jahren nur im Stadion einige Male gesehen, aber zum Schluss ist er nicht mal mehr dorthin gegangen. Auch beim Jubiläum der Eurofighter war er glaube ich nicht da. Am Ende hat es keinen Sinn mehr ergeben. Schon vor sechs Jahren hat er ehemalige Spieler auf Bildern nicht mehr erkannt.

Assauer wie ein zweiter Vater

Als ich ihn vor einigen Jahren zu Hause besucht habe, war es hart für mich zu sehen, wie weit die Krankheit schon fortgeschritten war. Ich will die Erinnerungen an Rudi im Kopf behalten, aber nicht an den kranken Rudi, sondern an meinen Manager vor der Krankheit.

Ich fuhr einmal mit ihm im Auto, da hat er sich eine Zigarette, Zigarre und Pfeife hintereinander angezündet. Assauer war der Mann mit dem Pokal, der, der das Stadion hingestellt hat, der mit Zigarette, Zigarre und Pfeife im Mund und bei 200 km/h auf der Autobahn gleichzeitig drei Spieler für Schalke verpflichtet hat.

Es gibt nicht den einen schönsten Moment mit Rudi, es gab so viele schöne und wertvolle Augenblicke mit ihm. Er war so viel mehr, für viele Spieler war er wie ein zweiter Vater.

So war der Mensch Assauer

Ich erinnere mich auch an einen Moment im Trainingslager. Da kam ein Junge von der Freiwilligen Feuerwehr ins Hotel und fragte Rudi, ob er mit seinen Leuten mal mit dem Feuerwehr-Wagen eine Runde im Parkstadion drehen dürfe. Das war ein großer Traum für ihn. Rudi meinte, er soll erstmal so vorbeikommen. Dann haben sich die beiden öfter getroffen und Briefe geschrieben. Rudi hatte ein Herz für den Jungen.

Irgendwann war es so weit und dann dufte die Feuerwehr mit dem Wagen ins Stadion reinfahren. Hinterher saßen wir alle zusammen, wir haben getrunken und gelacht, es war Weltklasse und Rudi war glücklich, weil er Mensch sein durfte. Das war auch Assauer.

Auch mussten wir immer von der alten Kabine zum Platz laufen, das waren 150 Meter. Da hatten einige Spieler auch mal keine Lust nach einem verlorenen Spiel zwischen den Fans durchzulaufen, sondern sind dann mit dem Fahrdienst zum Trainingsplatz gefahren. Wenn Rudi das mitbekam, gab es Ärger. Er forderte alle auf, dass sie durch die Fans laufen müssen.

Früher sind wir nach dem Spiel mit den Anhängern vom Gelände gegangen, heute wäre das unvorstellbar. Wer ein Auto genommen hatte, der hat von Rudi etwas hinter die Löffel bekommen. Er war immer für die Fans da. Rudi war zwar ein Geschäftsmann, aber für ihn waren die Anhänger dennoch das Wichtigste.

Ich werde natürlich zur Beerdigung fahren, werde Rudi sehr vermissen, aber ich habe ihn schon die vergangenen zehn Jahre vermisst. Als Rudi Assauer, wie er früher war, nicht in der Krankheit.

Euer Youri Mulder

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