Michael Reschke und Michael Köllner
Michael Reschke (M.) und Michael Köllner (r.) verloren am Dienstag ihren Job © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Getty Images/Imago/SPORT1
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München - Der 1. FC Nürnberg und der VfB Stuttgart ziehen personell die Notbremse. In beiden Fällen ist das richtig - doch es könnte zu spät kommen. Der SPORT1-Kommentar.

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In den USA gibt es den "Black Monday". Es ist der Tag nach dem letzten regulären Saisonspiel in der NFL. Der Tag an dem traditionell immer mehrere Trainer oder Verantwortliche entlassen werden.

In der Bundesliga gibt es jetzt den "Black Tuesday", den "Schwarzen Dienstag", an dem sowohl der Tabellenletzte 1. FC Nürnberg als auch der VfB Stuttgart die Notbremse gezogen haben.

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Zwei Sportvorstände und ein Trainer haben an diesem Dienstag ihren Job verloren. Und obwohl häufig ja mehr Kontinuität im Fußballgeschäft gefordert wird, kann man in beiden Fällen nur sagen: Es war höchste Zeit.

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Bleibt die Frage: Bringt es jetzt überhaupt noch was? Sowohl der Club als auch der VfB haben in den letzten Wochen ein dermaßen desolates Bild abgegeben, dass die verbleibenden 13 Spiele zu wenig sein könnten, um den Abstieg noch zu verhindern.

Vor allem für die Nürnberger, die nach der Trennung von Boss Andreas Bornemann und Trainer Michael Köllner fast nackt dastehen. Das ist nach den jüngsten Entwicklungen umso erstaunlicher, da die Entscheidung von Montagnacht überfällig war.

Spätestens Bornemanns öffentliche Auftritte vom Samstag, als er die Niederlage in Hannover dem Schiedsrichter in die Schuhe schieben wollte, weckten ernsthafte Zweifel, ob er der Situation gewachsen ist. Man kann ihm seine Treue zu Köllner als charakterliche Standfestigkeit auslegen. Wenn Treue aber zum Selbstzweck wird, keine sportliche Entwicklung erkennbar ist, muss der Verein handeln.

Dass dieser Punkt unaufhaltsam näherkommt, war absehbar. Doch der Aufsichtsrat der Nürnberger wirkt unvorbereitet. Einerseits will man schnell den Umschwung schaffen, andererseits in aller Ruhe Gespräche mit potenziellen Bornemann-Nachfolgern führen. Erst danach will man sich um einen neuen Trainer bemühen, der das Interims-Duo um Club-Legende Marek Mintal ablösen soll? Bis dahin ist der Zug Klassenerhalt wahrscheinlich abgefahren.

Beim VfB Stuttgart hatten sie mit Thomas Hitzlsperger zumindest einen Ersatz für Michael Reschke parat. Der überforderte Sportvorstand ist raus, dafür übernimmt der bisherige Nachwuchschef.

Präsident Wolfgang Dietrich versicherte am Dienstag, dass man den Meister-Held von 2007 genau für eine solche Situation behutsam aufgebaut habe. 

Keine Frage, auch bei den Schwaben ist die Trennung von Reschke die richtige und überfällige Entscheidung. Der ist nun mal hauptverantwortlich für das Scheitern der Stuttgarter in dieser Saison. Er war es, der Aufstiegstrainer Hannes Wolf fortschickte. Die kuriose Rückrunde unter Tayfun Korkut überdeckte vieles.

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Nachdem Reschke im letzten Sommer reichlich Geld in den Tabellensiebten des Vorjahres investieren durfte und bei vielen personellen Entscheidungen daneben lag, dämmerte wohl auch den VfB-Bossen, dass es so nicht weitergehen kann. Zumal Reschke, früher eher hinter den Kulissen tätig, im Scheinwerferlicht nicht immer die beste Figur machte. Die Entscheidung gegen ihn soll wohl auch das brodelnde Umfeld befrieden. Die Klub-Führung will unter allen Umständen verhindern, dass sich Szenen wie in der Abstiegssaison wiederholen, als die Fan-Wut beängstigende Ausmaße annahm.

Ob der Wechsel auf dem Vorstandsposten ausreicht, um die Stuttgarter vor dem zweiten Abstieg binnen drei Jahren zu retten? Trainer Markus Weinzierl bleibt angezählt. Er hat bisher noch nicht unter Beweis gestellt, eine klare Spielidee zu haben und die Mannschaft mitreißen zu können. Das 0:3 in Düsseldorf war hierfür ein bitterer Beweis.

Hitzlsperger, der selbst mit reichlich Kredit bei den Fans ausgestattet ist, wird sich genau angucken müssen, wie Weinzierl in der neuen Situation reagiert. Gut möglich, dass er sehr schnell seine erste unangenehme Entscheidung im neuen Job treffen muss.