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München - Jochen Schneider beerbt Christian Heidel als Sportvorstand, der breiten Öffentlichkeit ist der Schwabe kaum bekannt. SPORT1 stellt den neuen starken Mann auf Schalke vor.

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Die Monarchie ist auf Schalke schon in den Vereinsfarben implementiert. 

In königsblauen Trikots gehen sie in Gelsenkirchen seit jeher auf Torejagd, mit Günter Eichberg gab es in den 90er Jahren auch schon einen Sonnenkönig.

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Da passt es perfekt ins Bild, dass der neue starke Mann auf Schalke eine Vergangenheit als Wettkönig hat. Jochen Schneider, der Christian Heidel als Sportvorstand ablösen wird, trat 1987 im Alter von 17 Jahren bei der früheren ZDF-Kultsendung "Wetten, dass...?" auf.

Bei Thomas Gottschalk wetteten er und Kumpel Thorsten Beck, dass sie in drei Minuten aus 100 durcheinander geworfenen Tennisbällen fünf später dazugelegte erkennen können. Mit Erfolg, Schneider wurde Wettkönig.

Jochen Schneider (r.) wurde 1987 Wettkönig bei "Wetten dass" © ZDF

Dass er ein gutes Auge für besondere Situationen besitzt, zeigte der gelernte Bankkaufmann also schon in frühen Jahren vor einem Millionenpublikum. Nun soll er auf Schalke das Gefühl des Erfolgs zurückbringen.

Schneider: "Keiner wollte Geld für mich ausgeben"

Aufsichtsratschef und Fleischfabrikant Clemens Tönnies, vom Boulevard als "König der Schweine" oder "Kotelett-Kaiser" ebenfalls im feudalen Umfeld angesiedelt, hält große Stücke auf den neuen Mann.

"Wir haben für die Besetzung des Sportvorstandes ein klares Profil formuliert: einen erfahrenen Fußballfachmann, der über ein erstklassiges Netzwerk im nationalen und internationalen Profifußball verfügt und in den letzten Jahren mit Erfolg moderne Konzepte verfolgt. Jochen Schneider erfüllt alle diese Anforderungen", wird Tönnies auf der Schalker Website zitiert. 

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Stallgeruch, gerade im Ruhrgebiet immer ein großes Thema, oder eine glanzvolle Fußballer-Laufbahn, hat Schneider, der in Mutlangen, in der Nähe von Stuttgart zur Welt kam, allerdings nicht zu bieten. "Meine Karriere fand auf Amateur-Niveau statt. Es war keiner bereit, für mich Geld auszugeben", erzählte er einst mit einem Augenzwinkern: "Ich habe früh erkannt, dass ich auf anderen Feldern erfolgreicher sein ­werde." 

Statt auf dem Fußballplatz verdiente er sich früh Meriten im kaufmännischen Bereich. Während seines BWL-Studiums absolvierte Schneider ein Praktikum bei seinem Herzensverein VfB Stuttgart und wurde 1999 fest angestellt. 

Innerhalb von zehn Jahren arbeitete sich Schneider bei den Schwaben nach oben, bis er 2010 zusammen mit Sportdirektor Fredi Bobic die sportliche Leitung übernahm. Dem Manager wird unter anderem der Kimmich-Deal mit dem FC Bayern zugeschrieben - ebenso wie die Verpflichtung von Huub Stevens, der den VfB 2015 vor dem Abstieg rettete.

Interessantes Detail: Im September 2013 beförderte Schneider den heutigen Schalke-Coach Domenico Tedesco vom Co- zum Cheftrainer der Stuttgarter U17.

Veh glaubt an Scheiders Erfolg auf Schalke

Nach seiner Zeit beim VfB wechselte Schneider zur Red Bull GmbH, wo er Synergien für die vier RB-Fußballstandorte in Leipzig, New York, Sao Paulo und Salzburg herstellte. 2017 ging er als Leiter Sport zu RB Leipzig, führte Vertragsverhandlungen mit Spielern und erarbeitete Konzepte für die Internationalisierung. 

Intern genoss Schneider einen guten Ruf, doch außerhalb Stuttgarts und Leipzigs war er für die breite Öffentlichkeit ein unbeschriebenes Blatt. "Es hat mich gewundert, dass er noch nirgendwo die Nummer eins geworden ist, wenn ich ehrlich bin. Er ist für Schalke ein sehr guter Griff", sagt Kölns Sportdirektor Armin Veh der Funke Mediengruppe.

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Veh kennt Schneider noch aus der gemeinsamen Zeit in Stuttgart. "Ich bin überzeugt davon, dass er es schafft - von seinem Charakter her, von seinem Können, von seiner Intelligenz. Das nötige Netzwerk hat er auch. Er hatte auch einen großen Anteil an unserer Meisterschaft 2007."

Schneider selbst bezeichnete die Aufgabe als "große Ehre und Riesenherausforderung. Aus der aktuellen Situation ergibt sich, dass viel Arbeit auf uns alle wartet." Zu seinen ersten Amtshandlungen gehört die Benennung eines neuen Sportdirektors, Favorit ist der frühere Leverkusen-Manager Jonas Boldt.

Der neue Schalke-Macher scheint der richtige Mann für derlei knifflige Aufgaben. Das hat er schon als Wettkönig bewiesen.