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München - Der FC Bayern sichert sich mit Jann-Fiete Arp das nächste deutsche Talent. Doch angesichts seiner schwierigen Saison beim HSV verwundert der Transfer.

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Jann-Fiete Arp hatte sich im Sommer hohe Ziele gesteckt.

Das Hamburger Eigengewächs wollte seinen HSV nach dem Sturz in die Zweitklassigkeit wieder zurück in die Bundesliga führen.

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Er wolle dem Klub das zurückgeben, was er verdient hat. "Deshalb war für mich früh klar, dass dieser Weg hier beim HSV für mich noch nicht beendet ist", sagte Arp im Juli - und setzte mit der Verlängerung seines Vertrags bis 2020 ein entsprechendes Zeichen.

Ein gutes halbes Jahr später befindet sich Arps HSV als Tabellenführer zwar auf Aufstiegskurs - allerdings nicht unbedingt wegen Arp, sondern vor allem dank Toptorjäger Pierre-Michel Lasogga und dessen neun Toren.

Der im Sommer von Leeds United zurückgekehrte Sturmtank ist gesetzt, für Arp ist nur Platz auf der Ersatzbank. Seine magere Bilanz: Null Tore in elf Einsätzen, davon keiner über 90 Minuten.

Arp Statist hinter Hauptdarsteller Lasogga

Statt des erhofften Anführers ist Arp eher Statist. Angesichts dieser Bilanz mutet der bevorstehende Wechsel des Offensiv-Talents zum FC Bayern eher verwunderlich an. Doch die Sache ist komplexer.

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Schon im vergangenen Sommer schlug der Rekordmeister nach Informationen der Hamburger Morgenpost zu und stattete Arp mit einem Vorvertrag aus. Dieser soll dem 19-Jährigen ein jährliches Gehalt von fünf Millionen Euro einbringen.

Finanziell lohnt sich der Schritt aus dem hohen Norden zu den Münchnern also schon mal. Aber ergibt er auch sportlich Sinn?

Zweifellos gilt der Gewinner der Fritz-Walter-Medaille in Gold von 2017 als großes Sturm-Juwel, was er in seiner ersten Profisaison beim HSV trotz des späteren Abstiegs auch andeutete, später aber von den allzu hohen Erwartungen im Abstiegskampf fast erdrückt wurde.

"So intensiv wie 25 Jahre"

"Die vergangenen zwölf Monate waren so intensiv wie 25 Jahre", sagte Arp im Dezember im Magazin HSV live. "Ich habe Dinge erlebt, die andere Menschen in 35 Jahren nicht erleben."

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Daher ergriff er auch nach dem Bundesliga-Abstieg erstmal die Flucht nach Kanada, um in der dortigen Abgeschiedenheit in einer Holzhütte ohne Internet Abstand zu gewinnen und wieder zu sich selbst zu finden.

"Ich wundere mich nicht über einzelne Fälle von Größenwahn, sondern eher darüber, wie viele junge Spieler dem Hype um sie mit Bodenhaftung, Bescheidenheit und Intelligenz begegnen", sagte Hamburgs Ex-Sportchef Jens Todt im SPORT1-Interview und nannte Arp als positives Beispiel.

Seinen nächsten Karriereschritt wird sich Arp demnach mutmaßlich auch reiflich überlegt haben. "Die Entscheidung darüber, wann er den Hamburger SV verlassen wird, trifft nur Fiete Arp", schreibt der FC Bayern in seiner Mitteilung. Spätestens 2020 wird Arp ein Bayer. Oder etwa schon im Sommer?

Arp droht große Konkurrenz bei Bayern

Zwar ist der Platz als Backup von Robert Lewandowski nach dem Abgang von Sandro Wagner nach China unbesetzt, doch angesichts der angekündigten Transferoffensive der Bayern könnte Arp noch namhafte Konkurrenz bekommen.

Der Deal passt dennoch zum eingeschlagenen Weg der Bayern, wieder vermehrt auf vielversprechende deutsche Talente und Jungnationalspieler setzen zu wollen. Und das finanzielle Risiko hält sich mit einer Ablöse von 2,5 Millionen Euro, plus eventueller Boni von bis zu 2 Millionen Euro im Rahmen.

Gnabry als Vorbild?

Zuletzt wurden auch immer wieder Leverkusens Kai Havertz und Leipzigs Timo Werner mit den Bayern in Verbindung gebracht. Leon Goretzka und Serge Gnabry sind seit dieser Saison fester Bestandteil der Bayern-Elf.

Auch Gnabry sicherten sich die Münchner vorzeitig, um ihn dann noch ein Jahr an die TSG Hoffenheim zu verleihen. Ein Modell, das auch für Arp denkbar ist.

Nur eine Statistenrolle sollte es möglichst nicht sein.