Christoph Kramer (M.) und Matthias Ginter (r.) wurden 2014 zusammen mit Mesut Özil Weltmeister
Christoph Kramer (M.) und Matthias Ginter (r.) wurden 2014 zusammen mit Mesut Özil Weltmeister © Getty Images
Lesedauer: 3 Minuten

Gladbachs Mittelfeldspieler Christoph Kramer hat ein Problem mit der ewigen Mentalitätsdiskussion in der Bundesliga. Ein Beispiel sei der FC Schalke 04.

Anzeige

Mehr oder weniger besondere Leistungen oder Leistungseinbrüche werden in der Bundesliga gerne mit "Mentalität" oder "fehlender Mentalität" begründet. Christoph Kramer, Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach, hält herzlich wenig von einer solchen Diskussion in der Bundesliga (Gladbachs Spiel gegen Eintracht Frankfurt ab 15.30 Uhr hier im LIVETICKER).

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte er: "Bei diesem Thema könnte ich mich in Rage reden."

Anzeige

Mentalität bedeute für ihn nicht "Gras fressen!", führte Kramer aus - und brach in diesem Zusammenhang auch eine Lanze für den oft kritisierten Ex-Nationalspieler Mesut Özil: "Mut ist zum Beispiel eine mentale Eigenschaft, die sehr selten ist. Mutig sind Spieler, die immer den Ball haben wollen, wie Thorgan Hazard oder Mesut Özil. Das ist eine viel krassere mentale Eigenschaft, als wenn einer im Mittelfeld einen Gegner umgrätscht."

Das Thema werde oft zu vereinfacht gesehen, befand Kramer, der sich bei der WM 2018 auch als TV-Experte im ZDF profilierte: "Wenn man im Fußball Dinge nicht erklären kann, ist man immer schnell dabei, zu sagen: Der ist einen Schritt zu spät, kommt nicht in die Zweikämpfe, die Mannschaft will nicht so richtig." Das Spiel entscheide sich "viel mehr über fußballerische Dinge, als viele Leute glauben."

Mentalitätsproblem "einfach Blödsinn"

Kramers Teamkollege Matthias Ginter stimmte ihm zu. Er nannte als Beispiel sein eigenes Team. Vergangene Saison sei den "Fohlen" vorgeworfen worden, "dass wir nicht die Mentlität hätten. Dabei ist die Mannschaft jetzt fast die gleiche, unsere Mentalität hat sich nicht geändert."

Genau umgekehrt sei es mit dem FC Schalke 04, der in der vergangenen Saison als "Mentalitätsmonster" galt, "weil sie dauernd Spiele mit 1:0 gewonnen haben." Nun aber seien dort "die gleichen Spieler, der gleiche Trainer und plötzlich haben sie angeblich ein Mentalitätsproblem. Das ist einfach Blödsinn."

Kein Bundesligaspieler müsse Existenzangst haben

Neben der Mentalitätsdiskussion sprachen Kramer und Ginter auch über die Kommerzialisierung im Fußball. "Irgendwann ist es egal, ob du acht Millionen Euro verdienst oder zwölf Millionen in China. Viele Fußballprofis haben schnell einen Level erreicht, wo das Geld ein Stück weit egal ist. Du kannst dir nicht mehr kaufen, du wirst damit nicht glücklicher und hast auch nicht mehr Sicherheit in der Zukunft", sagte Kramer.

Dabei müsse sich kein Spieler, der mehrere Jahre in der Bundesliga gespielt habe, Sorgen um seine Existenz machen, bestätigte Ginter. Niemand müsse aus finanziellen Gründen in eine noch finanzstärkere Liga wechseln.