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München - Olaf Thon spricht sich bei SPORT1 für den Verbleib des kritisierten Sportvorstands aus und fordert mehr Kontinuität auf Schalke. Er bewertet auch die Gerüchte um Klaus Allofs.

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Es hätte ein Befreiungsschlag für Schalke 04 werden können. Das Achtelfinalhinspiel der Champions League gegen Manchester City hatte bis zum 2:2-Ausgleichstreffer von Leroy Sane fünf Minuten vor Schluss alle Zutaten eines Überraschungscoups, der der Schalker Seele in dieser an emotionalen Höhepunkten so armen Spielzeit sehr gut getan hätte.

Dass der englische Meister in Unterzahl dann aber noch einen 3:2-Erfolg landete, war ein erneuter Tiefschlag für die Gelsenkirchener. Die sportliche Tristesse nagt daher weiter am Verein und seinen Entscheidungsträgern.

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Nach vier Bundesliga-Spielen ohne Sieg und dem Absturz auf Platz 14 war zuletzt nicht nur Trainer Domenico Tedesco, sondern auch Sportvorstand Christian Heidel in die Kritik geraten.  

Thon würde an Heidel festhalten

Er habe es in zweieinhalb Jahren nicht geschafft, aus den durchaus vorhandenen finanziellen Mitteln - immerhin fast 160 Millionen Euro - eine stabil erfolgreiche Mannschaft zusammenzustellen, lautete der Kernvorwurf. Dass die Königsblauen unter Anleitung des Managers erst im Vorjahr Vizemeister wurden und in diesem Spieljahr unter enormem Verletzungspech leiden, wurde bei dieser Argumentation meist übergangen. 

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Deshalb kann Olaf Thon ihr auch nichts abgewinnen. Er plädiert dafür, die Situation differenziert zu betrachten. "Er hat gute Spieler verpflichtet, die nicht erfolgreich gespielt haben", sagt die Schalke-Legende bei SPORT1 und nennt Sebastian Rudy als Beispiel.

"Aber Salif Sane ist ein sehr, sehr guter Einkauf. Im Sturm hat man Breel Embolo, der jetzt anderthalb Jahre verletzt ist. Es ist erklärbar, warum diese Spieler nicht gezündet haben."

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Den Manager deswegen zu entlassen, hält Thon für die falsche Schlussfolgerung. "Christian Heidel hat noch einen Vertrag bis 2020. Ich gehe auch davon aus, dass er den mindestens erfüllen wird. Denn dieses Hire and Fire muss aufhören, bei Schalke und bei allen anderen Vereinen", fordert der 52-Jährige.

Allofs-Bewerbung? "Hat nichts mit Schalke zu tun"

Entsprechend skeptisch reagiert er auf Meldungen, wonach sich Klaus Allofs für den Job auf Schalke schon ins Gespräch gebracht habe: "Ich kenne Klaus Allofs sehr gut und habe auch seine Statements gelesen, dass er bald wieder arbeiten möchte. Aber das hat nichts mit Schalke zu tun."

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Bild und SportBild berichten nun, dass sich Aufsichtsratschef Clemens Tönnies und Heidel am Rande des Neujahrsempfangs der DFL Mitte Januar mit Jonas Boldt getroffen hätten, dessen Vertrag als Sportdirektor von Bayer Leverkusen zum Saisonende ausläuft. Dabei sei es zunächst darum gegangen, dass Boldt Heidel als Kaderplaner unterstützen könnte.

Weil sich Heidel aber einer solchen Lösung gegenüber nicht besonders aufgeschlossen gezeigt habe, sei Boldt auch als dessen Erbe im Sommer denkbar. Heidel selbst widersprach schon am Samstag in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung Gerüchten, wonach Tönnies von ihm abrücke. 

"Clemens Tönnies und ich gehen immer offen und ehrlich miteinander um", erklärte er dort: "Ich habe nicht das Gefühl, dass man mir nicht mehr vertraut. Aber es wird so dargestellt." Natürlich habe es auf Schalke schon "Zeiten mit viel mehr Spaß" gegeben, "und die Aktualität ist nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig."

Heidel stellt Bedingung für Verbleib auf Schalke

Er wolle aber natürlich seinen Vertrag erfüllen, "wenn die Gesamtgemengelage stimmt. Anspruch und Möglichkeiten müssen im Einklang stehen". Es brauche "die notwendigen wirtschaftlichen Möglichkeiten, um an die Erfolge der Vergangenheit anzuknüpfen". 

Ob eine Aufgabenteilung in der sportlichen Leitung eine sinnvolle Idee wäre, möchte Thon derweil nicht beurteilen. Er ist sich aber sicher: "Gerade die entscheidenden Leute im Vorstand und im Trainerjob so schnell zu entlassen, macht überhaupt keinen Sinn. Wir auf Schalke haben in der Vergangenheit viel zu viele Trainer verschlissen."

Zumal seiner Meinung nach die aktuell Lage bei S04 nicht so hoffnungslos sei, wie sie häufig dargestellt werde.

Thon: "Im Pokal Kraft holen"

"Man muss zwei Seiten sehen; einmal die Bundesliga, und einmal die anderen Wettbewerbe, wo man ja im Viertelfinale des DFB-Pokals steht und in der Champions League im Achtelfinale", sagt der Weltmeister von 1990: "Ich glaube, gerade im Pokal kann man sich Kraft holen, um die Saison noch teilweise zu retten."

Jetzt müsse sich die Mannschaft aber erst einmal darauf konzentrieren, so schnell wie möglich die Klasse zu halten. "Wenn man jetzt in Mainz und gegen Düsseldorf vier Punkte holt, wovon ich ausgehe, hat man mit dem Abstiegskampf nichts mehr zu tun", ist sich Thon sicher.

Danach könne sich Schalke im April voll und ganz auf das Pokal-Viertelfinale gegen Werder Bremen konzentrieren. Geht es nach Thon, dann mit Tedesco auf der Bank und Heidel als Sportvorstand.